zur navigation

Die Kunst zu verzichten 2. November 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , einen kommentar schreiben

Auch wenn ich versuche, einzelne Themen nicht überzugewichten, mache ich bei Artikeln zur Wirtschaftsethik momentan eine Ausnahme.

Der Geheimtipp unter den deutschen Fernsehsendern 3sat fragte in der Diskussionsrunde delta die Zuschauer nach der “Wirtschaft ohne Ethik und Kultur?”. Gäste waren Prof. Jürgen Wieland (Fachhochschule Konstanz,
Konstanz Institut für WerteManagement), Prof. Wolfgang Gerke (Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen, Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Götz W. Werner (Gründer der dm-Drogerie-Kette). Letzterer formulierte auch das Credo der Gesprächsrunde: Die Kunst ethischer Unternehmensführung liegt im Vorbild der Unternehmensleitung, Verzicht glaubhaft vorzuleben. Was die Führungsspitzen nicht selbst verkörpern, kann die beste interne Mitarbeiterkommunikation nicht etablieren.

So macht Fernsehen doch gleich wieder Spaß!

PS: Eine Auswahl an Literatur (Teil 1 und Teil 2) sowie ein Mitschnitt (Web-TV) der aktuellen und vergangenen Sendungen stehen als Download auf der 3sat-Homepage bereit.
—–

Wirtschaftsbuchpreis 2006: Philosophisches zum Thema Management 1. Januar 1970

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 1 kommentar bisher

Es lohnt immer wieder in den Buchhandlungen auch mal einen Blick in die Ecke der Wirtschaftsbüher zu werfen. Mitunter finden sich dort abseits der vielen Management-by-Cowboy/Moses/Babysitter-Bücher einige Exemplare, die dem Leser einen neuen Blick auf Bekanntes erlauben, indem sie provozieren und ein wenig unbequem daherkommen. So ist es auch mit dem Preis für das beste Wirtschaftsbuch 2006 in der Kategorie Management: “Lean Brain Management” von Gunther Dueck. Die Initiatoren des Preises, die FTD und das Portal getAbstract schreiben dazu:

Der Preis in der Kategorie “Management” geht an den philosophischen Querdenker Gunter Dueck für “Lean Brain Management”. Sein Buch ist eine ebenso geistreiche wie bissige Abrechnung mit dem Hang der Managerkaste zum Sparen – koste es, was es wolle. “Was können wir noch einsparen?” fragt Dueck und gibt selbst die Antwort: “Intelligenz ist sehr teuer!” Alle Denkverbote ignorierend beschreitet Dueck einen Weg, der zeigt, wie Unternehmen “mit null Hirn zum Erfolg” finden. Duecks Buch kann je nach Gusto als bitterböser Kommentar zur Ökonomisierung der Welt, als Anklage gegen die gedankenlose Vergeudung menschlicher Fähigkeiten oder als Schlusspunkt aller Managementmoden gelesen werden.

Obwohl Inhalt und Titel vermuten lassen, dass es sich beim Autor entweder um einen wirtschaftsnahen Philosophen oder einen philosophienahen Betriebswirt handelt, liegt man bei Beidem falsch. Gunther Dueck ist ausgebildeter Mathematiker (wie der Blick auf seine Vita zeigt)! Ich finde: Gerade dadurch gewinnt seine Kritik an der zahlenorientierten Sparwut in den Unternehmen enorm an Glaubwürdigkeit. Ein “Philosoph” hätte es nicht besser machen können.

Die Wirtschaft und ihr schlechtes Gewissen 1. Januar 1970

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 3kommentare

Nicht erst seit den Ackermanns, Sommers und Essers beschäftigen sich Unternehmen, Universitäten und gesellschaftliche Gruppen mit der Frage, was “gutes”und “richtiges” Handeln in der Wirtschaft ist. In Deutschland gewannen die Debatten erst durch das Verhalten dieser Vorstände zunehmend an Schärfe, zu einer Zeit als die USA mit Enron ihren “unternehmensethischen Super-Gau” schon hinter sich hatten.

Die Berliner Politik ergriff daraufhin zusammen mit Wirtschaftsvertretern die Initiative und erarbeitete den Deutschen Corporate Governance Kodex. Dass es damit nicht getan ist, zeigen die gleichmäßig hohen Zahlen an Wirtschaftsprozessen in Deutschland und auch in allen anderen Industriestaaten. Die Existenz von ethischen Maßstäben sichert noch nicht ihre Umsetzung in den Führungsgremien der Unternehmen. Es braucht auch die Köpfe, die das (Ge-)Wissen in die Unternehmen tragen und sich v.a. in der Welt der Wirtschafts- und Unternehmensethik auskennen.

Ein erster “Bodensatz” an Vereinen, Gruppen und Initiativen hat sich bereits gebildet. Aus der Wirtschaft selbst heraus gründete sich der Ethikverand der deutschen Wirtschaft, der als Anlaufstelle für interessierte Unternehmen fungieren will. Älter und auch größer in ihrem Informationsangebot ist das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik, das sogar mit dem ZfW (Zentrum für Wirtschaftsethik ) ein eigenes Forschungsinstitut vorweisen kann. Für viele Leser von UnternehmensGeist dürfte es hilfreich sein zu hören, dass auch ein studentisches Netzwerk gibt. Anders als die Mehrzahl studentischer Initiativen ist sneep (Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik) national organisiert wie man es von einem “Netzwerk” auch erwarten darf. Die von sneep angebotene Linkliste und eine Auflistung der bekanntesten Informationsquellen sind wirklich sehr umfangreich und erlaubt einen guten Einstieg in dieses hochspannende Thema.

Bleibt ganz nach UnternehmensGeist-Manier nur die Frage: Wer sollte für diesen Job besser geeignet sein als wirtschaftsnahe Geistes- und Sozialwissenschaftler mit einer gehörigen Portion UnternehmensGeist?!

Philosophische Unternehmensführung 1. Januar 1970

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 3kommentare

Klaus Esser, Jürgen Schrempp, Ferdinand Piech, Josef Ackermann … die Liste der Vorstände und Aufsichtsräte, die durch Ihr fragwürdiges Führungsverhalten aufgefallen sind, ist v.a. in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Affäre um Volkswagen ist das aktuellste Beispiel mangelnder Transparenz und Kontrolle.

Die Ausarbeitung eines Corporate-Governance-Kodex im Frühjahr 2002 sollte dem entgegen wirken und darüber hinaus ein Regelwerk zur Unternehmensleitung und auch -überwachung bereit stellen. Warum aber sperren sich (manche) Unternehmen gegenüber dieser Selbstverpflichtung? Liegt es an der Unternehmensphilosphie, die eben den Teil der Philosophie zu kurz kommen lässt? Wäre im Sinne von UnternehmensGeist.net ein höher Anteil von Geistes- und Sozialwissenschaftlern in Unternehmen eine probates “Gegenmittel”?

An der Universität Bayreuth wagte man zumindest als Erster den Brückenschlag zwischen geistes- und betriebswirtschaftlicher Welt. Der Studiengang “Philosophy & Economics” scheint einen richtigen Schritt in der Ausbildung zu wagen und auf den Bedarf von geisteswissenschaftlichen Lerninhalten im kaufmännischen Studium zu reagieren. Anhänger der “puristischen Lehre” (BWL in Reinform) sollten mit Kritik vorsichtig sein. Einen erfolgreichen Trend als bedeutungslos abzutun, zwingt bei abwartender Haltung meist viel zu spät zum “Update”.