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“Charity” und “Business” – der Nutzen am Gemeinnützigen 18. Juli 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Industrie, Marketing, Pressespiegel, Unternehmen, Wirtschaftsethik , einen kommentar schreiben

Bei UnternehmensGeist kommt es viel zu selten vor, dass Themen noch einmal aufgegriffen werden. Umso mehr freut es mich, auf den Beitrag “Das Management gemeinnütziger Organisationen ist komplexer als das kommerzieller Unternehmen!” vom 09.12.2009 verweisen zu können.

In der Zeitschrift Economist beschreibt die Schumpeter-Kolumne (“Profiting from non-profits”), warum auch “Business” von “Charity” lernen kann. Gemeinnützige Organisationen – so auch der Eindruck des Economist-Artikels – sollten sich bisher eher professionalisieren, also an betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausrichten. Die Schumpeter-Kolumne zeigt auf, was “Charity” auf Augenhöhe mit “Business” bringt:

It helps that they tend to have a clear purpose to which these underpaid employees and volunteers are often personally committed.

They often have a flat management structure. Non-profit bosses tend to muck in with volunteers when the heat is on (you’ll find them, for example, helping to stuff goody bags for fund-raising events).

New employees are quickly given real responsibility, even if they are young.

Ensuring there is plenty of time during the working week for genuine fun, not of the forced kind satirised in “The Office”, can deliver better results than a bonus.

The marketing prowess of many leading non-profits tends to derive from the fact that, unlike most for-profits, they have to persuade people to part with money for goods or services that are used by others. A lot of effort goes into convincing these donors that they are getting value for their money. The key is to focus on building long-term relationships based on frequent contact, repeatedly saying thank you and sending updates through newsletters.

Holt mir die, die selber denken können! 23. Mai 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Industrie, Personal, Pressespiegel , einen kommentar schreiben

So gerade heraus und klar habe ich selten einen Personalverantwortlichen zu der veränderten Arbeitswelt sprechen hören. Telekom-Vorstand Thomas Sallteberger tat es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 23.05.10 unter dem Titel “Das Ende der klassischen Karriere ist eingeläutet”. Dabei hatte er auch viel Lob für die Geistes- und Sozialwissenschaftler übrig:

Sie kritisieren die pure Reproduktion von Wissen. Sind die jungen Leute nicht mehr fähig, selbst nachzudenken?

Das hängt von den Fächern ab. Mit Freude sehe ich, welche Begabungen in Geistes- und Sozialwissenschaftlern stecken, mit welchem Tiefgang in diesen Fächern gelehrt wird. Das brauchen wir dringend. Unternehmen sind Gebilde, die nicht geistige Routine stupide reproduzieren, sondern wo man substantiell Themen hinterfragen muss. Wir tun gut daran, diese Art von Diversity zu pflegen.

Nach der Frauenquote auch noch eine für Geisteswissenschaftler?

Nein. Aber ich gebe an unsere Rekrutierungsprofis die deutliche Botschaft raus, multidisziplinär zu agieren. Und ich schaue mir das an.

Interessant wird es dann kurz darauf im Interview, als er die betriebswirtschaftliche Ausbildung in Deutschland als zu einseitig beschreibt und einen stärkeren Austausch mit den “Orchideenfächern” fordert!

Und wie alle 68er-Veteranen werfen Sie der Jugend vor, sich nicht politisch zu engagieren?

Nein, die jungen Leute sind politisch ja sehr aktiv. Neulich habe ich nach einem Vortrag vor Mannheimer Studenten intensiv diskutiert, mit Pädagogen, Sozialwissenschaftlern, Geisteswissenschaftlern. Die Betriebswirte waren da nicht dabei.

Sie mögen die BWLer nicht sonderlich, richtig?

Die BWLer als Menschen schon, die klassische BWL weniger. Ich kritisiere seit Jahren, dass dieses Fach die philosophische, soziologische und historische Komponente fast ausradiert hat. Der extreme Ausdruck dieser uniformen Ideologie ist der angelsächsische MBA. Der ist geistig so arm, so einseitig.


Mein Fazit:
Wenn der Personalvorstand eines großen deutschen Dax-30-Unternehmens so klare Rekrutierungsvorgaben für seine Mitarbeiter ausgibt, sollten die größten Kritiker von Quereinsteigern ins Grübeln kommen. Die neue Karrieremuster und damit die neuen Chancen für Geistes- und Sozialwissenschaftler sind zumindest in einem großen Unternehmen auf Vorstandsebene angekommen.

Manager in Ordenstracht 1. März 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Management, Personal, Pressespiegel, Unternehmen, Wirtschaftsethik , einen kommentar schreiben

Wie wir zu unserem Wohlstand kamen, ist eine Geschichte, die in mehr als ein Buch passt. Die Sonntags-FAZ hat in ihrer Reihe “Wie wir reich wurden” nun die Klöster zum Thema (“Unternehmer in göttlicher Mission”). Bei all den schlechten Nachrichten über Jesuitenschulen ist das ein interessanter Gegenpunkt. Erstaunlich daran war aus meiner Sicht: Klöster haben einen weitaus größeren Beitrag zu unserem Wohlstand geleistet als man sich denken mag.

Zwei Fragen stehen in dem Artikel im Fokus:

1. Warum war unter Ordensleuten das Unternehmertum so stark verbreitet?
2. Warum sind aus Klöstern vielfach echte Unternehmen geworden?

Zu der ersten Frage, dem Drang nach Unternehmertum:

Nur effizient wirtschaftende, im ökonomischen Sinne Mehrwert schaffende Klöster waren in der Lage, das Überleben ihrer Mitglieder zu sichern und darüber hinaus auch etwas für die Mitmenschen zu tun. So hat schon ihre Aufgabenstellung die Ordensleute über die Jahrhunderte zum unternehmerischen Erfolg verdammt.

Zu der zweiten Frage, dem unternehmerischen Erfolg:

Fundament klösterlicher Führungsstrukturen sind meist alte Ordensregeln, im Falle der Benediktiner etwa die Regula Benedicti, die auf den Gründer des Ordens, Benedikt von Nursia (480 bis 547), zurückgeht. Sie ist nicht nur eine Art Handlungsanweisung für das klösterliche Leben unter dem Diktum von Demut, Gehorsam und Schweigen, von Beten und Arbeiten, sondern determiniert auch die Führungsstruktur der Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaften. “Die Klöster sind durch diese Regeln auf ein Höchstmaß an Mitbestimmung festgelegt”, sagt Osterloh. Die Äbte würden seit Jahrhunderten von den Mönchen gewählt. Die Mönche ihrerseits kennen ihre Ordensbrüder und wissen genau, für wen sie sich entscheiden. Das wiederum gilt auch in die andere Richtung mit Blick auf den Nachwuchs. “Für die Jahrhunderte überdauernde Stabilität sorgte zudem die starke Sozialisation und Selektion der Ordensbrüder”, meint Osterloh, “die nicht zuletzt eine hohe Identifikation des Einzelnen mit der Sache garantiert.” Das Kloster kennt seine “Mitarbeiter”, seit sie Novizen sind. Informationen aus zweiter Hand wie Zertifikate oder Arbeitszeugnisse zu Fähigkeiten und Charaktereigenschaften spielen keine Rolle.

Die Erfolgsfaktoren fasst der Artikel dementsprechend folgendermaßen zusammen:

Die Sicherung des eigenen Überlebens und die Erfüllung der Aufgaben für den Nächsten machten und machen Ordensleute gerade in unternehmerischer Hinsicht besonders innovativ. Dazu kommen die Form ihrer inneren Organisation, die Corporate Governance also, und ihre Art der Selektion des Nachwuchses.

Kunst und Kommerz – eine Frankfurter Liebesgeschichte 14. Februar 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein, Corporate Communication, Marketing, Pressespiegel, Unternehmen , einen kommentar schreiben

Jede Stadt in Deutschland wünscht sich einen Macher dieser Art: Einen Wanderer zwischen zwei Welten – der Kultur und der Wirtschaft. Jemand, der es versteht die vermeintlichen Widersprüche in eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten umzuwandeln.

Frankfurt hat Glück: Max Hollein bringt als Leiter der Kunsthalle Schirn und des Städel-Museums einen frischen Wind in die Kulturlandschaft. In einem Interview mit dem Branchenportal “Kulturmarken” nimmt er zu seiner Arbeit als Kulturmanager Stellung.

Die Frage, die wohl über allem steht: Stehen Wirtschaft und Kunst im Gegensatz zueinander?

Ganz und gar nicht, auch Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Wir sind insofern ein idealer Partner, mit dem sie dieser Verantwortung gerecht werden können.

Eine Win-Win-Situation sieht er unter folgenden Bedingungen gegeben:

Wenn am Ende beide Partner zufrieden sind und die Kooperation für ihre jeweiligen Ziele nutzen konnten. Für uns bedeutet das, unser Programm realisieren zu können, für den Sponsor, einen Mehrwert zu schaffen, der sich nach außen, aber auch nach innen entfalten kann. Das kann eine gelungene Kundenveranstaltung sein, oder ein attraktives Angebot für die Mitarbeiter des Unternehmens.

Kritiker sprächen immer gerne von einer “Amerikanisierung” des Kultursponsorings. Da hatte er eine interessante Information parat:

Öffentliche Förderung für Museen gibt es da in der Regel gar nicht. Aber die finanzielle Basis für amerikanische Museen ist nicht Sponsoring, sondern Mäzenatentum. Deshalb stimmt es überhaupt nicht, wenn hier immer wieder zu hören ist, wir nähern uns amerikanischen Verhältnissen an. Sponsoring spielt in den Vereinigten Staaten sogar eine geringere Rolle als in Deutschland.

Zu Recht konnte dieser UnternehmensGeist par exellence zwei Preise einheimsen. 2008 wurde die Kunsthalle Schirn zur Kulturmarke 2008 gewählt und im Jahr 2009 wurde er auch noch Österreicher des Jahres im Kulturmanagement. Deutschland braucht noch viel mehr Holleins – zum Wohle der Kultur und der Unternehmen!

Eine deutsche Diskussion 18. Januar 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel, Pressespiegel, Studentischer Geist , einen kommentar schreiben

Es geht wie immer um alles in der Auseinandersetzung: “Bildung ist der Rohstoff der Zukunft!” Diesen Satz kann man sich gar nicht mehr wegdenken. Und dennoch werden die Instutionen der Bildung in einer deutschen Diskussion regelrecht aufgerieben. Beide Lager arbeiten verbissen und laut an der Umsetzung ihrer Ideen, nur die Vertreter der vermittelnden Position sind kaum zu hören.

Im UniSpiegel 06/2009 bezieht der Wirtschaftspädagoge Hermann Ebner, Prorektor für Lehre an der Universität Mannheim, Stellung zur Bologna-Reform.

Sein Fazit:

Die Reform war überfällig…

Man muss das Bologna-Konzept einfach ernst nehmen. Der Bachelor ist ein eigener Abschluss, der Master ist es ebenfalls. Das hat den Vorteil, dass man nach dem Bachelor in BWL sich auch für ein Ingenieurstudium bewerben kann. Wenn Sie früher ein BWL-Diplomstudium angefangen hatten, konnten Sie nach der Zwischenprüfung nicht einfach zu den Ingenieuren wechseln.

…die Umsetzung ist aber technokratisch und daher fehlerhaft.

Was wir jedoch an manchen Stellen versäumt haben, ist, dieses Konzept tatsächlich mit Leben zu füllen und etwas Eigenes daraus zu machen. Nicht zuletzt die Politik, die Kultusadministration, hat das alles eher technokratisch betrieben.

Ein Baustein der Lösung: Den Hochschulen muss erlaubt sein, ihre Freiheit auch wahrzunehmen.

Wenn die Universitäten mehr Freiheiten bekämen – und sie vor allem auch nutzen würden, um intelligent geschnittene Studiengänge auf den Markt zu bringen. Studiengänge sind ja ein Teil unserer Produktpalette, und die müssen sich am Markt durchsetzen. Das heißt, es muss eine Nachfrage da sein bei den Studierenden, es muss eine Nachfrage am Arbeitsmarkt für unsere Absolventen vorhanden sein – und wenn das gegeben ist, sind wir auf dem richtigen Weg.

“Das Management gemeinnütziger Organisationen ist komplexer als das kommerzieller Unternehmen!” 9. Dezember 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Management, Pressespiegel, Wirtschaftsethik , einen kommentar schreiben

So könnte in etwa eine These von Peter Drucker lauten, die er schon in den 80er Jahren vertrat. Gemeinnützige Organisationen gehörten für Drucker schon immer zu seinem Verständnis einer funktionierenden Volkswirtschaft. So beschrieb es ein Artikel im Harvard Business Manager (Was würde Peter Drucker sagen?):

Gemeinnützige Organisationen sind notwendig für eine gute Gesellschaft, in der Unternehmen erfolgreich sein können. Die Aufgabe der Zivilgesellschaft ist es, staatliche Bemühungen zur Wohlfahrt der Bürger zu ergänzen.

Aber wie komme ich zu dem unpopulären Titel dieses Beitrags? Nun, auf dem 1st Global Peter Drucker Forum in Wien (19./20.11.09) wurde eben diese These Druckers anlässlich seines 100. Geburtstags wieder diskutiert.

Warum soll das so sein? Richard Wartzman, Vorsitzender des Drucker Instituts an der Claremont Graduate University in Kalifornien, führt das auf fünf entscheidende Fragen zurück, die sich Unternehmen laut Drucker stellen sollten (Quelle: “Gemeinnützige Unternehmen als Vorbilder”, FAZ, 25.11.09, Nr. 274, S. 15, gefunden bei Knowledge Base der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner):

1. Was ist unsere Mission?
2. Wer ist unser Kunde?
3. Worauf legt der Kunde Wert?
4. Was sind unsere Ergebnisse?
5. Was ist unser Plan?

Das antreibende Motiv ist und bleibt dabei stets die Mission, auch wenn sie auf Geld angewiesen sind. Stefan Wallner, bisheriger Vorsitzender der Caritas Austria bringt es aus meiner Sicht auf den Punkt (s. vorherige Quelle):

Selbst wenn wir wissen, dass jede Minute Hunderte Menschen an Hunger sterben, müssen wir jeden Tag Menschenleben retten.

Arme Denker 15. November 2009

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Das Manager Magazin hat die Zahlen auf den Tisch gelegt, zumindest die Zahlen zu den Gehältern von Akademikern (Gehaltsreport 2009).

Das Ergebnis aus UnternehmensGeist-Sicht lässt sich wie folgt darstellen:

1. Geisteswissenschaftler verdienen weniger als andere Absolventengruppen. Auch in leitenden Positionen liegen sie immer noch ca. 30 Prozent hinter den Spitzenverdienern, den Betriebswirten.

2. In den Führungsetagen liegt der Prozentsatz der Geisteswissenschaftler im einstelligen Bereich.

3. Punkt 1 ist die Folge von Punkt 2. Kein Wunder: Wenn der Anteil an Geisteswissenschaftlern in der Wirtschaft so gering bleibt, wird diese Absolventengruppe auch nicht ihren Exotenstatus verlieren können. Schließlich lernen Studenten in den Hochschulen schon recht früh die Klisches über die Orchideenfächer.

4. Nimmt man sich Punkt 3 wirklich zu Herzen, ist eine Initiative á la “Handelsblatt mach Schule” auf Hochschulebene auch für die Geisteswissenschaften sinnvoll. Nur, welche Institution würde sich für so eine Initiative als “Pate” zur Verfügung stellen?

Any ideas?

Das “Educational Signaling” der Geisteswissenschaftler 2. Oktober 2009

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…ist in etwa das, was geisteswissenschaftlichen Absolventen fehlt. Das fand zumindest eine Studie mit dem Titel “Search (f)or Work: Der Übergang vom Studium in den Beruf” (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 61 Jg., Heft 2/2009) heraus. In einem Artikel in der FAZ vom 29.08.09 wird “educational signaling” als die Produktion von Kriterien für künftige Arbeitgeber, was von einem Absolventen zu halten sei, verstanden. Im Falle der Geisteswissenschaftler sei diese besonders schwach.

Als Faktoren für die Sonderentwicklung führen die Leiterinnen der Studie laut FAZ zwei Punkte ins Feld:

1. “Zum einen halten sie fest, dass die Studentenpopulation hier heterogener ist, weil es praktisch keine Eintrittsbarrieren in die betreffenden Fächer gibt.”

2. “Zum anderen zeigt sich, dass die Abschlussnote der Geisteswissenschaftler in keinem signifikanten Zusammenhang mit ihrer Chance steht, zügig einen Beruf zu finden.”

Das Fazit der Studie: “Vielmehr scheint es, dass die Arbeitgeber über das Abschlusszertifikat hinaus anderer, zusätzlicher Signale bedürfen, um, wie es die Forscherinnen formulieren, ‘Anhaltspunkte hinsichtlich der Leistungsdisposition von Bewerbern’ aus den Geisteswissenschaften zu gewinnen.”


Mein Fazit: Absolventen der Geisteswissenschaften hilft kein Jammern und kein Wehklagen. Sie müssen früher als andere Absolventen Praxiserfahrung sammeln und an ihrem Netzwerk arbeiten!

Von Humboldtianern und Bolognesern 19. April 2009

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Bei Reformprozessen sammeln sich die Lager meist um zwei Hauptmeinungen. Gerade in Deutschland finden sich dafür schnell Initiativen, Vereine und Interessensgemeinschaften. Nur bei der Reform der Hochschulen scheint das nicht so zu sein. Uwe Schimank plädiert in der FAZ (“Humboldt: Falscher Mann am falschen Ort”) dafür, eben diese Lager der “Humboldtianer” und “Bologneser” klar zu benennen.

Das scheint einleuchtend, wenn es daran gehen soll an einer dritten vermittelnden Lösung zu arbeiten. Dann hätten wir in Deutschland sicher auch eine offenere und lebendigere Diskussion über die (Aus-)Bildung zukünftiger Generationen.

Erstens: Humboldt ist der richtige Mann am richtigen Ort: Das hieße, dass die neuen Studiengangsstrukturen das Gebot der Stunde sind, um das nach wie vor gültige klassische universitäre Bildungsverständnis unter veränderten heutigen Bedingungen fortzuführen. Dies ist die Kontinuitätsthese: Das Alte muss und kann erneuert werden.

Zweitens: Humboldt ist der falsche Mann am richtigen Ort: Das bedeutete, dass die neuen Studiengangsstrukturen sachlich geboten sind und das klassische universitäre Bildungsverständnis ablösen müssen. Dies ist die Diskontinuitätsthese in funktionaler Lesart: Das Neue muss her, das Alte muss verschwinden.

Drittens: Humboldt ist der richtige Mann am falschen Ort: Das klassische universitäre Bildungsverständnis wäre, so verstanden, nach wie vor sachgerecht, kann aber in den neuen Studiengangsstrukturen unglücklicherweise nicht mehr zur Geltung gebracht werden. Dies ist die Diskontinuitätsthese in dysfunktionaler Lesart, also die Krisenthese: Das falsche Neue verdrängt das richtige Alte.

Viertens: Schließlich, gegen diese drei Lesarten von Bologna, die meines Titels: Humboldt ist der falsche Mann am falschen Ort. Weder können wir heute das klassische universitäre Bildungsverständnis fortführen, noch sind stattdessen die neuen Studiengangsstrukturen die Lösung. Dies ist die zugespitzte Krisenthese: Das Alte und das Neue prallen aufeinander, aber beide taugen nichts.

Business Schools und Humboldts Erbe 8. März 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreiben

Gerne greife ich an dieser Stelle Themen auf, die den richtigen “UnternehmensGeist” haben, aber in der Flut an Informationen unterzugehen drohen. So auch ein kleines Symposium der Berliner Humboldt-Universität, das den Titel “Business Schools und Humboldts Erbe” trug. Leider “trug” und nicht “tragen wird”, denn gerne hätte ich dafür geworben. Schließlich wurde über die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung des 21. Jahrhunderts sinniert und diskutiert.

Spannendster Vortrag aus unternehmensgeistiger Sicht schien mir die Frage “Manager und Wissenschaftler – sollte eine Universität beide ausbilden?” zu sein. Nicht nur Studenten und Angestellte der HU hätten da aus dem Stand mindestens eine Frage an Dr. Jörg Dräger, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), gehabt. Immerhin gehört Herr Dr. Dräger einer gemeinnützigen Einrichtung an, die seit 2001 das Hochschul-Beratungsunternehmen CHE Consult GmbH unterhält. Diese Beratungsgesellschaft arbeitet “für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsbehörden, die durch strategisch ausgerichtete Projekte ihre Leistungsfähigkeit steigern und sich auf neue Herausforderungen vorbereiten wollen”.

Jede Veranstaltung dieser Art ist daher aus meiner Sicht eine gute Sache, doch warum findet sich so wenig zu den Ergebnissen im Internet? Da drängt sich mir immer wieder das Bild des Elfenbeinturms auf und das Urproblem der deutschen Universitäten: Tolle Ideen, schlechte Öffentlichkeitsarbeit! Der Titel hatte jedenfalls das Zeug zu mehr. Wenn es aber um die Zukunft des Landes geht, sollten wohlfeile Argumente nicht in den Instituten und Gremien kreisen, sondern den Austausch mit der Gesellschaft wagen. Denn eines geht nicht: Über den Bologna-Prozess jammern, die alten Zeiten feiern und bei der Umsetzung zum Schmollen in die Ecke stellen.