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Die Pädagogik der Priviligierten 30. September 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik, Weiterbildung, Management, MBA und Promotion , einen kommentar schreiben

Jeder kennt das von sich selber: Zu gewissen Zeiten treiben einen gewisse Themen um und nach einer Zeit x bzw. “t” glaubt man mit allem Wichtigen “durch” zu sein. So ist es auch bei mir mit dem Master of Business Administration. Doch dann fiel mir ein Artikel im Economist (September 26th-October 2nd 2009, p. 72) ins Auge:

Der Beitrag in der Schumpeter-Kolumne mit dem Titel “The pedagogy of the pivileged” warf den Business Schools vor, in der Finanzkrise zu wenig für ihre eigene Erneuerung getan zu haben. Der ansonsten wirtschaftsliberale Economist erhebt schwere Vorwürfe gegenüber den Management-Schulen:

The real question is not whether business schools need to change, but how. One of the most common stances—often heard outside and sometimes within the schools themselves—is that management education needs to start again from scratch. On this view, these institutions are little more than con-tricks at the moment, built on the illusion that you can turn management into a science and dedicated to the unedifying goal of teaching greedy people how to satisfy their appetites.

Was könnten Business Schools also konkret tun, um Ihre “Performance” in einem nachhaligen Sinn zu verbessern? Die Antwort hat mich als Historiker sehr gefreut: Wirtschaftsgeschichte!

More history classes would help. Would-be business titans need to learn that economic history is punctuated with crises and disasters, that booms inevitably give way to busts, and that the business cycle, having survived many predictions of extinction, continues to prey on the modern economy.

Eine Handlungsempfehlung hat der Artikel auch parat: Professoren, Studenten und Absolventen der Master-Studiengänge sollten auch mal die Hand beißen, die sie füttert.

Business schools need to make more room for people who are willing to bite the hands that feed them: to prick business bubbles, expose management fads and generally rough up the most feted managers. Kings once employed jesters to bring them down to earth. It’s time for business schools to do likewise.

Richtig ist m.E. immer noch den Reformwillen der Business Schools herauszustellen - so wie ich es auch in den vorangegangenen Beiträgen getan habe. Wichtig ist aber auch zu betonen, dass das Erreichte oder Erdachte bei Weitem noch nicht reicht!

Grüne Schulen der Wirtschaft 30. August 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, Initiativen, MBA und Promotion , einen kommentar schreiben

Nachhaltigkeit und ökologisches Denken meint der gemeine Mitteleuropäer erstmal nicht in den USA zu finden. Was aber Postgraduierten-Studiengänge wie den MBA betrifft, hilft es einen Blick über den Teich zu werfen.

Das Aspen Institute zusammen mit dem World Resources Institute erstellt alle zwei Jahre ein Top-100-Ranking aller Business Schools. Neu an dieser Rangliste ist die Ausrichtung an der Frage, wie gut es den Hochschulen gelingt, soziale und ökologische Themen in ihr Curriculum zu integrieren. Die Studie mit dem Namen “Beyond Grey Pinstripes” läuft ganze 18 Monate und baut auf ca. 40.000 Datenblättern auf.

Die Ziele dieser Initiative könnten so auch in Europa formuliert worden sein:

1. Promote and celebrate innovation in business education. The School Rankings call attention to places that do this work well.
2. Inform Prospective students about environmental and social impact management programs.
3. Raise the bar by challenging business schools to incorporate social and environmental impact management topics into their curricula.
4. Inform corporate recruiters of business schools that are providing training in social and environmental skills as part of business decision making.
5. Disseminate best practices in teaching, research, and extracurricular activities. The Search function on the website provides access to detailed information-often including syllabi-on thousands of courses, journal articles, and more.
6. Facilitate Conversation – Real change only comes after students, faculty, administrators and business leaders begin to discuss these issues.

Schade aus deutscher Sicht: Unter die besten 100 hat es keine Business School aus Deutschland geschafft. Die beste europäische Hochschule kam auf Platz 10 und dürfte die Spanier freuen.

MBA - Master of Business Apocalypse? 22. Juni 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, MBA und Promotion, Ausland , einen kommentar schreiben

Master of the Business Apocalypse, so werden Absolventen in Zeiten der Wirtschaftskrise gerne verspottet. Ist an dieser (sehr amerikanischen) Verbalhornung etwas dran?

Mir ging in etwa durch den Kopf: Denk’ ich an Business Schools in der Krise, muss einem nicht wie Heinrich Heine in seinem “Wintermärchen” bange werden. Sie gehören schon seit Jahrzehnten zur festen Größe in der Hochschullandschaft und werden es auch weiterhin bleiben. Eines hat sich jedoch geändert: Ihre Lehrinhalte stehen durch die Finanz- (und erst recht durch die Wirtschafts-)Krise mächtig unter Beschuss. Fallstudien, so die Kritiker, würden das kurzfristige Renditestreben befeuern, unkritisches Verhalten würde gestärkt und Querdenken nicht gefördert. Es würden “gierige Absolventen ohne moralischen Kompass” herangezüchtet. So sieht es in differenzierter Sicht auch der gestrige Kommentar der FAZ (“Der entzauberte MBA”). Die Business Schools sind damit vom Thron gestoßen, möchten die Kritiker sagen.

Es gilt jedoch etwas zu bedenken: Business Schools sind keine wendigen Unternehmensberatungen, die sich in einem Jahr gerade mal neuerfinden. Sie sind Hochschulen, und diese brauchen Zeit, um auf neue Inhalte mit ihrem Lehrangebot reagieren zu können. An der Harvard Business School, dem Branchenprimus, haben 20 Prozent der Abolventen sogar einen “M.B.A.-Eid” (”The M.B.A. Oath”) geleistet. So öffentlichkeitswirksam muss es nicht immer sein. Andere Business Schools, etwa ESMT in Berlin, bieten “Crashkurse in Finanzkrise” an. Dabei kann und wird es aber auch nicht bleiben. Die Interessenten, Studenten und Absolventen eines MBA-Studiums sind nur bei wirklich bösem Willen menschenfeindliche Kostenoptimierer. Sie werden sehr wohl beobachten, wie die einzelnen Schulen auf die Krise reagieren. Gut denkbar, dass die “Reform” von den Top-Schulen auf den restlichen Markt übergreift. So ein Top-Bottom-Ansatz kommt allerdings überzeugten Kritikern nicht in den Sinn. Er hat aber das Zeug, für eine Überraschung unter den Skeptikern zu sorgen.

MBA, was sonst?! 27. März 2006

Veröffentlicht von Frank Walzel in : MBA und Promotion , einen kommentar schreiben

Bei aller Kritik, die der Dreibuchstaben-Management-Abschluss einstecken musste (prominentester Vertreter: Henry Mintzberg), noch ist er neben dem Doktor einer der renommiertesten postgradualen Abschlüsse.

Geisteswissenschaftler können in einem Junior-Programm (in der Regel ohne Führungserfahrung) und einem Executive-Programm (nach ca. fünf Berufsjahren) eventuelle Lücken gegenüber ihren betriebswirtschaftlich ausgebildeten Kollegen Boden gut machen. Angesichts des inflationären Zuwachses an seriösen wie unseriösen Programmen, dürfte aber auch klar sein, dass auf den Karrierewilligen nicht überall die Harvard Business School wartet. Kritik an den drei Buchstaben war dementsprechend schnell zur Hand (s. “Wertloser MBA?“). Kein Weiterbildungsmarkt dürfte so unübersichtlich sein, wie der des MBAs. Informationen sind daher im Vorfeld das wichtigste Gut: Eine unabhängige Anlaufstelle ist das von Dokoranden und MBA-Absolventen betreute MBA-Gate. Hier lassen sich die ersten und wichtigsten Fragen beantworten. Stimmen aus der Tagespresse gibt es von der FAZ, sowie der Süddeutschen. Jobpilot und Monster liefern auch kleine Appetitanreger. Das MBA-Spezial des Wiwi-Treffs dürfte v.a. Studenten sehr ansprechen. Ausreichend Material ist also vorhanden, um sich eine umfassende Meinung zu bilden.

Auf lange Sicht hin gesehen wird daher, so denke ich, der anglo-amerikanische Titel seine Gültigkeit als Management-Abschluss behaupten können. Welcher deutscher/europäischer (Master-)Lehrgang sollte hier Paroli bieten? Mir ist in diesem Zusammenhang nur die Managementausbildung aus St. Gallen bekannt, zumindest gibt sie sich nicht das Dreibuchstabenkürzel. Aber auch hier zanken sich verschiedene Anbieter um den Markennamen des kleinen schweizerischen Städtchens (pdf) zwischen Zürich und Bodensee. Auch wenn es einen der wenigen prominenten MBA-Kritiker wie Fredmund Malik die Zornesröte ins Gesicht treiben muss: Es gibt im “alten Europa” keine vergleichbare und verbreitete Management-Ausbildung! Bis etwas Hoffnungsvolles nachwächst, müssen wir wohl noch der MBA-Norm folgen.
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Wertloser MBA? 15. September 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : MBA und Promotion , 4kommentare

Für alle Geistes- und Sozialwissenschaftler gilt er als das Eintrittszeugnis in die Wirtschaft: der Master of Business Administration. Doch im Gegensatz zur Promotion türmt sich bei der Wahl der richtigen Hochschule ein Berg von Angeboten auf. Mit einiger Verzögerung machen es deutsche Hochschulen ihren angelsächsischen Vorbildern nach, jedoch größtenteils mit zweifelhaftem Erfolg und bescheidenem Renommé.

Dieses weltweite Überangebot an MBAs (in Deutschland bis in Fachhochschulen und Berufsakademien hinein) rief nun die ersten Kritiker auf den Plan. Der Vorwurf: falsche Lehrpläne, sinkende Akzeptanz, unverhältnismäßige Kosten. In einem Beitrag auf Jo’s Jobwelt - einem Business-Weblog der Wirtschaftswoche - wurde der Rückzug auf sogenannte Executive MBAs vorgezeichnet, da hier eine gewinnbringende Weiter- und Ausbildung der Führungskräfte gewährleistet wäre. Teilnehmer dieser Programme seien im Schnitt 35 Jahre und brächten Berufs- und Führungserfahrung mit in den Unterrichtungsalltag. Das Urteil über einen Junior-MBA (Zulassung auch ohne bzw. mit nur geringer Berufserfahrung) fällt in den seltensten Fällen gut aus.

Als weitere Alternative wird ein berufsbegleitender MBA ins Gespräch gebracht. Das brächte den Vorteil mit sich, dass der Kursteilnehmer für den Arbeitgeber nicht völlig ausfällt und der Austausch zwischen der Seminartheorie und dem praktischen Unternehmensalltag erhalten bleibt. Das Gesamtbild, das von den Kritikern gezeichnet wird, bleibt dennoch trist. Zu groß sei die Auswahl an Programmen und zu gering bei aussagekräftigen Qualitätssiegeln.

Das macht mich stutzig: Wieso wird mit Vorliebe in Deutschland nach Möglichkeiten gesucht, die Besten vom Bodensatz der Blender herauszufiltern? Der Wettbewerb und die Nachfrage nach den Spitzeninstituten wird in ein paar Jahren seine Wirkung auf dem Bildungsmarkt entfaltet haben. Hervorragende und international geschätzte Abschlüsse werden durch beständige Leistung von Hochschulen über viele Jahre aufgebaut und nicht durch irgendwelche Rankings. Wer in der Branche einen guten Ruf genießt, bekommt das durch erfolgreiche Absolventen gezeigt. Pauschal von einem wertlosen MBA zu besprechen ist somit falsch. Wie immer gilt für Bewerber wie für den Anbieter der alte Grundsatz: Augen auf und hingeschaut!