Grüne Schulen der Wirtschaft 30. August 2009
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, Initiativen, MBA und Promotion , einen kommentar schreibenNachhaltigkeit und ökologisches Denken meint der gemeine Mitteleuropäer erstmal nicht in den USA zu finden. Was aber Postgraduierten-Studiengänge wie den MBA betrifft, hilft es einen Blick über den Teich zu werfen.
Das Aspen Institute zusammen mit dem World Resources Institute erstellt alle zwei Jahre ein Top-100-Ranking aller Business Schools. Neu an dieser Rangliste ist die Ausrichtung an der Frage, wie gut es den Hochschulen gelingt, soziale und ökologische Themen in ihr Curriculum zu integrieren. Die Studie mit dem Namen “Beyond Grey Pinstripes” läuft ganze 18 Monate und baut auf ca. 40.000 Datenblättern auf.
Die Ziele dieser Initiative könnten so auch in Europa formuliert worden sein:
1. Promote and celebrate innovation in business education. The School Rankings call attention to places that do this work well.
2. Inform Prospective students about environmental and social impact management programs.
3. Raise the bar by challenging business schools to incorporate social and environmental impact management topics into their curricula.
4. Inform corporate recruiters of business schools that are providing training in social and environmental skills as part of business decision making.
5. Disseminate best practices in teaching, research, and extracurricular activities. The Search function on the website provides access to detailed information-often including syllabi-on thousands of courses, journal articles, and more.
6. Facilitate Conversation – Real change only comes after students, faculty, administrators and business leaders begin to discuss these issues.
Schade aus deutscher Sicht: Unter die besten 100 hat es keine Business School aus Deutschland geschafft. Die beste europäische Hochschule kam auf Platz 10 und dürfte die Spanier freuen.
Viele, viele MINT-Bachelors! 23. Mai 2009
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen, Unternehmen, Industrie, KMU, Personal , einen kommentar schreibenGroße deutsche Industrieunterehmen stehen, kurz nachdem es das Wort “demografischer Faktor” gab, vor einem Nachwuchsproblem: Woher die Fach- und Führungskräfte der Zukunft nehmen, wenn nicht bei Anderen stehlen? Da die Industrie Letzteres nicht tun kann - außer vielleicht über Headhunter - ergeben sich genau genommen vier Probleme. So formuliert es jedenfalls eine Initiative aus Arbeitgeberverbänden und “Personalverständen führerender Unternehmen aus Deutschland zum strukturellen Mangel an Hochschulabsolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)”:
1. Bereits in der Schule ist die Heranführung an Naturwissenschaften und Technik gering.Dies liegt häufig auch am mangelnden Angebot dieser Fächer durch die Schule und der zum Teil wenig attraktiven Ausgestaltung der Fächer.
2. Immer weniger junge Menschen interessleren sich für ein MINT-Studium an den Hochschulen.
3. Die Abbrecherquoten In den MINT-Fächern sind im Vergleich zu anderen Studienfächern sehr hoch.
4. Die MINT-Potenziale bei den Frauen werden nicht ausgeschöpft: Viel zu wenig Frauen studieren ein MINT-Fach.
Hier sehe ich ein Dilemma: Zum Einen benötigen die Konzerne am besten vorgestern viele gut ausgebildete technische Akademiker, zum Anderen jedoch ist zu fragen, was mit kleineren Unternehmen ist, die sich nicht eine ähnliche umfangreiche Personalentwicklung leisten können wie die Großunternehmen. Bekannt ist, dass 80 Prozent der Wirtschaftsleistung vom Mittelstand getragen wird. Deshalb ist es mehr als recht zu fragen, woran die Bachelor-Programme in Zukunft ausgerichtet werden sollen: An Quantität ausgerichteten Praktikern oder auf Qualität bedachten Denkern.
PS: Von dieser Fragestellung sind die “Geiwi-Bachelors” übrigens weit entfernt. Für sie hat leider noch niemand einen derart markigen Begriff entworfen!
Die Humboldts und die deutsche Wirtschaft 30. Dezember 2008
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft, Initiativen , einen kommentar schreibenIst es seine Sache der Wirtschaft und Ihrer Führungskräfte, wenn über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses entschieden und über ein Humboldt-Forum diskutiert wird? Ich meine ja. Die Verbindung zu den Ideen der Brüder Humboldt sind nicht nur für unsere heutige Gesellschaft aktueller denn je, sie sind für unseren wirtschaftlichen Wohlstand überlebensnotwendig.
Viele Unternehmen haben dies erkannt und sich eine der privaten Initiativen angeschlossen: dem Förderverein Berliner Schloss, der Initiative Humboldt-Forum, der Stadtschloss Berlin Initiative und der Gesellschaft Berliner Schloss. Gerade die Verbindung aus der (nicht immer friedseligen) preußischen Geschichte unseres Landes und dem humanistischen Kultur-Kosmos der Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt ist es doch, die das Selbstbewusstsein der deutschen Wirtschaft in Zeiten der weltweiten Finanzkrise stärken sollte.
Der Humboldt vom Bodensee 7. Juli 2008
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, Initiativen , 1 kommentar bisherViele halten die Bodensee-Region für einen Ort, an dem sich fabelhaft Urlaub machen lässt. Ich sehe darin mehr und mehr einen Ort, wo sich neue zukunftsweisende Ideen in Ruhe entwickeln lassen.
Die Zeppelin Universität in Friedrichshafen ist so ein Ort. Ihr Rektor Stephan Jansen, jüngster seiner Art in Deutschland, prägt das Gesicht dieser Reformuniversität. Anders als während der preußischen Bildungsreformen unter Wilhelm von Humboldt geht die Gründung auf eine private Initiative zurück. Für mich ist Stephan Jansen dennoch der “Humboldt vom Bodensee”. Er setzt um, was Andere nur denken: Ein geisteswissenschaftliches Selbstverständnis in der Betriebswirtschaft. Genau wie Humboldt macht er nicht vor Fachgrenzen halt, sondern macht den Studenten zum Mittelpunkt allen Denkens und Handelns. “Der Markt ruft nach Charakteren”, sagte Jansen in einem Interview der Zeitschrift Junge Karriere. Wenn er das sagt, klingt das nicht wie eine hohle Sonntagsphrase. Es ist sein Anspruch an die Studenten der Friedrichshafener Universität - an die mögliche Elite von morgen, die das Erbe von Humboldt zu den Entscheidern tragen kann.
Maschinenbauer lernen Griechisch 20. April 2008
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik, Pressespiegel, Initiativen , 2kommentareDer Austausch zwischen Geisteswissenschaften und der Wirtschaft wurde hier bei UnternehmensGeist.de reichlich diskutiert. Wie aber steht es eigentlich mit “der Technik” und den Geisteswissenschaften? Schließlich sind auch viele Ingenieure in Führungspositionen in der Wirtschaft.
Die TU Darmstadt bietet ihren zukünftigen Maschinenbauern Vorlesungen in Philosophie. Die FAZ hat diesem Novum (zum Glück) in ihrer Samstagsausgabe einen Artikel gewidmet: “Philosophie für Maschinenbauer” FAZ 19./20.04.08, Nr. 92, S. C13!
Aristoteles hätte da seine wahre Freude daran gefunden; sind doch viele Begriffe im Maschinenbau aus dem Griechischen!
Sprich Deutsch mit mir! 9. Juli 2007
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen , 2kommentareDeutschtümelei oder Sprachbewahrer - das fragte ich mich, als ich über den durchschnittlichen Sympathisanten des Vereins Deutscher Sprache (VDS) sinnierte. Bei fast 30.000 Mitgliedern mag sich der ein oder andere Sprach-Pendant verbergen, aber die Liste prominenter Unterstützer ist lang und verspricht Seriösität.
Wie viele Führungskräfte aus der Wirtschaft sich dem Verein angeschlossen haben, lässt sich nicht feststellen. Wünschenswert wäre es schon, wenn junge und etablierte Manager grundsätzlich mehr Feingefühl für Ihre Muttersprache an den Tag legten. Die Grundsätze des VDS sind es durchaus wert, dass sie bei zukünftigen Master-Studiengängen und Weiterbildungen zur Sprache kommen. Im Alltag muss dann jeder selbst entscheiden, was er wie sagen und schreiben will.
“Generation Praktikum” ist Thema im Bundestag! 16. Mai 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen , 6kommentareNa, wer hätte das gedacht: Da hat doch tatsächlich eine Bundestagsabgeordnete freie Journalistin den Mut aufgebracht, eine Petition einzubringen, die dem Unwesen “Generation Praktikum” ein Ende bereiten soll. Frau Désirée Grebel, so heißt die tapfere Frau, richtete am 6. April folgende Bitte an den Bundestag:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Praktika von Hochschulabsolventen, die länger als drei Monate dauern und in dem Berufsbild abgeleistet werden, für das der Hochschulabsolvent ausgebildet wurde, in ein reguläres Arbeitsverhältnis umgewandelt werden.
Begründung:
Unzählige hochqualifizierte Menschen arbeiten ohne Entlohnung oder gegen einen Lohn, der unter dem Existenzminimum liegt. Solche so genannten Praktika dienen nicht der Aus- oder Weiterbildung.
Dem nicht genug: Wer will, kann die Petition sogar unterstützen, indem er sich in eine Liste einträgt. Abschlusstermin ist der 14.06., also sputet Euch und mobilisiert Kommilitonen und Arbeitskollegen!
Den Hinweis verdanke ich dem Marketingblogger.
Neues Forum “Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft” bei openBC 9. Mai 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen , 1 kommentar bisherWer Weblogs als virtuelle Quasselbuden abtut, in denen außer heißer Luft und vielleicht noch erhitzten Gemütern nichts passiert, vergisst bei Business- und Knowledge-Weblogs die “Ausstrahlungseffekte” auf die Leserschaft. So geschehen letzte Woche, als Vanessa Dippel (s. Artikel zur Gründung einer studentischen Kommunikationsagentur) ein Forum auf openBC ins Leben rief, das exakt die Themen von UnternehmensGeist zum Gegenstand hat. Ich sehe darin eine große Bereicherung für die Thematik, die jede Aufmerksamkeit braucht, die sie nur bekommen kann. Das gute daran: Über UnternehmensGeist hinaus werden auch “Professionals” auf das Thema aufmerksam!
Einen ersten Eindruck kann man sich auch ohne Registrierung machen. Wer auch was beitragen will, muss sich allerdings anmelden. Zum Forum “Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft” geht es hier: https://www.openbc.com/net/gewiwiwi
Die Moderation der Gruppe teile ich mir mit Vanessa Dippel und Simone Janson. Wir freuen uns auf jeden UnternehmensGeist im neuen Forum!
Grundeinkommen für alle - und schon geht’s bergauf? 2. April 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen , 9kommentareDurch das Lesen anderer Blogs stößt man in den Blogrolls bzw. Linklisten auf sehr eigenwillige “rebellische” Interessengruppen, so wie die Initiative “Freiheit statt Vollbeschäftigung“. Die Forderungen sind radikal (Aufmerksamkeit ist ein teures Gut!), aber auch nicht völlig von der Hand zu weißen. Um die persönliche Meinung gegen den Strich zu bürsten und ein bisschen ins Grübeln zu kommen, sind sie aber allemal gut.
Wie es sich für eine Gruppe mit politischem und volkswirtschaftlichem Anliegen gehört, haben sie ihre Kernbotschaft in Thesen und Forderungen zusammengepackt:
Thesen der Initiative “Freiheit statt Vollbeschäftigung”
1. Arbeitsleistung zur Grundlage der Teilhabe am Wohlstand zu machen, ist gerecht, solange Wohlstand überwiegend durch menschliche Arbeitskraft erzeugt wird. Heute aber wird menschliche Arbeitskraft mehr und mehr durch „Maschinen“ (Automaten, Computersoftware) ersetzt. Halten wir dennoch an der ausschließlichen Verteilung von Einkommen über Arbeitsleistung fest, führt das entweder zu steigender Arbeitslosigkeit oder zu sinkenden Einkommen.
2. Der Wohlstand unseres Landes ist der Wohlstand aller Bürger. Er geht auf die Leistungen aller Bürger zurück, auch auf die Leistungen vorangehender Generationen. Deshalb gebietet es die Gerechtigkeit, alle Bürger an diesem Wohlstand zu beteiligen.
3. Unser Wohlstand ist das Ergebnis erfolgreicher Innovationen. Innovationen steigern die Produktivität und befördern die Wertschöpfung: Sie ermöglichen es, Arbeitsabläufe zu automatisieren und menschliche Arbeitskraft einzusparen.
Arbeitslosigkeit ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Ausdruck der Produktivität und des Vermögens unseres Landes.
4. Verzicht auf Innovationen ist Verzicht auf Wohlstand und damit auf Freiheit von unnötiger Arbeit. Freiheit der Bürger ist auch Freiheit von unnötiger Arbeit, die durch programmierbare Automaten verrichtet werden kann.
5. Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zur Arbeit zu zwingen, mißtraut ihrer Gemeinwohlbindung und schränkt die bürgerlichen Freiheiten ein.
6. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Arbeitslose und Arbeitnehmer für die wirtschaftliche Produktivität unseres Landes bestraft werden. Sie werden gezwungen, ihre Arbeitskraft zu sinkenden Löhnen und Gehältern bei reduzierter sozialer Absicherung zu verkaufen, obwohl ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird.
7. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Bürger – ohne Not – dauerhaft zu Tätigkeiten gezwungen werden, die automatisierbar sind. Automatisierbare Arbeit ist ersetzbare Arbeit; ersetzbare Arbeit kann nicht sinnstiftend sein. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung geht somit für eine steigende Anzahl von Bürgern mit dem Verlust beruflicher Sinnstiftung einher.
8. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung zieht eine Verschwendung von Lebenszeit der Bürger nach sich, weil sie an geisttötende, unwürdige Arbeiten gebunden werden. Die Zeit wird sinnlos „abgesessen“ und kann nicht für sinnvolle Tätigkeiten genutzt werden; die Würde des Menschen wird mißachtet.
9. Wenn Würde und Integrität von Menschen nicht mehr die oberste Richtschnur politischer Entscheidung sind, wird das politische Gemeinwesen in seinen Grundfesten erschüttert.
Wir schlagen vor:
Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger …
… stärkt die Familie. Sie kann sich der Erziehung und der Fürsorge für ihre Kinder widmen, ohne sich um ihre Einkommenssicherung zu sorgen.
… fördert Innovation in allen gesellschaftlichen Bereichen und ermöglicht die dazu erforderliche Muße. Innovative Ideen können frei entwickelt werden, ohne daß sie vom Absatz an einem Markt abhängig sind.
… stärkt die Unternehmen. Sie können automatisieren, ohne sich Sorgen um entlassene Mitarbeiter zu machen. Sie können auf leistungsbereite Mitarbeiter setzen, denn Erwerbsarbeit wird freiwillig geleistet.
… stärkt die Volkswirtschaft. Unproduktive Industrien und Wirtschaftszweige müssen nicht mehr subventioniert werden.
… ermöglicht einen umfassenden Abbau von Bürokratie, auch in den Sozialsystemen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ersetzt weitestgehend bestehende Sozialleistungen.
Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger stärkt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und gibt ihnen die Freiheit dazu.
Ute Fischer, Stefan Heckel, Axel Jansen, Sascha Liebermann, Thomas Loer