Holt mir die, die selber denken können! 23. Mai 2010
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel, Industrie, Personal , einen kommentar schreibenSo gerade heraus und klar habe ich selten einen Personalverantwortlichen zu der veränderten Arbeitswelt sprechen hören. Telekom-Vorstand Thomas Sallteberger tat es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 23.05.10 unter dem Titel “Das Ende der klassischen Karriere ist eingeläutet”. Dabei hatte er auch viel Lob für die Geistes- und Sozialwissenschaftler übrig:
Sie kritisieren die pure Reproduktion von Wissen. Sind die jungen Leute nicht mehr fähig, selbst nachzudenken?
Das hängt von den Fächern ab. Mit Freude sehe ich, welche Begabungen in Geistes- und Sozialwissenschaftlern stecken, mit welchem Tiefgang in diesen Fächern gelehrt wird. Das brauchen wir dringend. Unternehmen sind Gebilde, die nicht geistige Routine stupide reproduzieren, sondern wo man substantiell Themen hinterfragen muss. Wir tun gut daran, diese Art von Diversity zu pflegen.
Nach der Frauenquote auch noch eine für Geisteswissenschaftler?
Nein. Aber ich gebe an unsere Rekrutierungsprofis die deutliche Botschaft raus, multidisziplinär zu agieren. Und ich schaue mir das an.
Interessant wird es dann kurz darauf im Interview, als er die betriebswirtschaftliche Ausbildung in Deutschland als zu einseitig beschreibt und einen stärkeren Austausch mit den “Orchideenfächern” fordert!
Und wie alle 68er-Veteranen werfen Sie der Jugend vor, sich nicht politisch zu engagieren?
Nein, die jungen Leute sind politisch ja sehr aktiv. Neulich habe ich nach einem Vortrag vor Mannheimer Studenten intensiv diskutiert, mit Pädagogen, Sozialwissenschaftlern, Geisteswissenschaftlern. Die Betriebswirte waren da nicht dabei.
Sie mögen die BWLer nicht sonderlich, richtig?
Die BWLer als Menschen schon, die klassische BWL weniger. Ich kritisiere seit Jahren, dass dieses Fach die philosophische, soziologische und historische Komponente fast ausradiert hat. Der extreme Ausdruck dieser uniformen Ideologie ist der angelsächsische MBA. Der ist geistig so arm, so einseitig.
Mein Fazit: Wenn der Personalvorstand eines großen deutschen Dax-30-Unternehmens so klare Rekrutierungsvorgaben für seine Mitarbeiter ausgibt, sollten die größten Kritiker von Quereinsteigern ins Grübeln kommen. Die neue Karrieremuster und damit die neuen Chancen für Geistes- und Sozialwissenschaftler sind zumindest in einem großen Unternehmen auf Vorstandsebene angekommen.
Arme Denker 15. November 2009
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel, Unternehmen, Industrie, Personal , einen kommentar schreibenDas Manager Magazin hat die Zahlen auf den Tisch gelegt, zumindest die Zahlen zu den Gehältern von Akademikern (Gehaltsreport 2009).
Das Ergebnis aus UnternehmensGeist-Sicht lässt sich wie folgt darstellen:
1. Geisteswissenschaftler verdienen weniger als andere Absolventengruppen. Auch in leitenden Positionen liegen sie immer noch ca. 30 Prozent hinter den Spitzenverdienern, den Betriebswirten.
2. In den Führungsetagen liegt der Prozentsatz der Geisteswissenschaftler im einstelligen Bereich.
3. Punkt 1 ist die Folge von Punkt 2. Kein Wunder: Wenn der Anteil an Geisteswissenschaftlern in der Wirtschaft so gering bleibt, wird diese Absolventengruppe auch nicht ihren Exotenstatus verlieren können. Schließlich lernen Studenten in den Hochschulen schon recht früh die Klisches über die Orchideenfächer.
4. Nimmt man sich Punkt 3 wirklich zu Herzen, ist eine Initiative á la “Handelsblatt mach Schule” auf Hochschulebene auch für die Geisteswissenschaften sinnvoll. Nur, welche Institution würde sich für so eine Initiative als “Pate” zur Verfügung stellen?
Any ideas?
Viele, viele MINT-Bachelors! 23. Mai 2009
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Initiativen, Unternehmen, Industrie, KMU, Personal , einen kommentar schreibenGroße deutsche Industrieunterehmen stehen, kurz nachdem es das Wort “demografischer Faktor” gab, vor einem Nachwuchsproblem: Woher die Fach- und Führungskräfte der Zukunft nehmen, wenn nicht bei Anderen stehlen? Da die Industrie Letzteres nicht tun kann - außer vielleicht über Headhunter - ergeben sich genau genommen vier Probleme. So formuliert es jedenfalls eine Initiative aus Arbeitgeberverbänden und “Personalverständen führerender Unternehmen aus Deutschland zum strukturellen Mangel an Hochschulabsolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)”:
1. Bereits in der Schule ist die Heranführung an Naturwissenschaften und Technik gering.Dies liegt häufig auch am mangelnden Angebot dieser Fächer durch die Schule und der zum Teil wenig attraktiven Ausgestaltung der Fächer.
2. Immer weniger junge Menschen interessleren sich für ein MINT-Studium an den Hochschulen.
3. Die Abbrecherquoten In den MINT-Fächern sind im Vergleich zu anderen Studienfächern sehr hoch.
4. Die MINT-Potenziale bei den Frauen werden nicht ausgeschöpft: Viel zu wenig Frauen studieren ein MINT-Fach.
Hier sehe ich ein Dilemma: Zum Einen benötigen die Konzerne am besten vorgestern viele gut ausgebildete technische Akademiker, zum Anderen jedoch ist zu fragen, was mit kleineren Unternehmen ist, die sich nicht eine ähnliche umfangreiche Personalentwicklung leisten können wie die Großunternehmen. Bekannt ist, dass 80 Prozent der Wirtschaftsleistung vom Mittelstand getragen wird. Deshalb ist es mehr als recht zu fragen, woran die Bachelor-Programme in Zukunft ausgerichtet werden sollen: An Quantität ausgerichteten Praktikern oder auf Qualität bedachten Denkern.
PS: Von dieser Fragestellung sind die “Geiwi-Bachelors” übrigens weit entfernt. Für sie hat leider noch niemand einen derart markigen Begriff entworfen!
Vom Studium fundamentale zum guten Manager? 13. April 2008
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein, Industrie , 2kommentareWahre Sätze
Hochschulen müssen in der Ausbildung verdeutlichen, dass man sich moralisch zu verantworten hat. Es greift aber zu kurz, nur einen Ethikkurs anzukoppeln. Werteerziehung funktioniert am besten im Rahmen einer breiten Ausbildung – auch mit einem gewissen Zwang, in andere Wissenschaftsbereiche hinein zu schauen, etwa über ein Studium fundamentale.
Burkhard Schwenker im Handelsblatt-Interview vom 11. April 2008
Unis können Philosophie und Ethik lehren. Aber sie erreichen damit nicht die 100 bis 200 Manager, die aus der Reihe tanzen. Die überwältigende Mehrheit verhält sich verantwortungsvoll, insbesondere die Eigentümer.
Kurt Biedenkopf im selben Interview
Arbeitskräftemangel in der Industrie 7. Oktober 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Industrie , einen kommentar schreibenIn einer Unternehmensumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHT) von 2001 tauchen doch glatt Geistes- und Sozialwisenschaftler auf. Und in welchem Zusammenhang?
Auf die Frage, welchen beruflichen Hintergrund zukünftige Bewerber haben sollten, antworteten 9,5 Prozent der befragten deutschen Industrieunternehmen: Geisteswissenschaftler. Ingenieure (79,9%), Wirtschaftswissenschaftler (49,7%), Naturwissenschaftler (34,1%) und Juristen (16,8%) liefen den GSWlern den Rang ab. Dazwischen haben sich noch “Sonstige” (15,6%), Naturwissenschaftler mit Promotion (13,4%) und Ingenieure mit Promotion (10,6%) gedrängelt. Bedenkt man, dass eine der Hauptaussagen der Untersuchung, der akute Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel in der Industrie ist, überrascht die niedrige Zahl ein wenig. Immerhin haben 57% der befragten Unternehmen im Jahr 2001 vergeblich versucht ihre freie Stellen zu besetzen. Bei den leitenden Angestellten haben sogar 77,4% der Unternehmen Stellen nicht besetzen können, weil sie keine geeingeten Bewerber fanden.
Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass für viele Positionen ein naturwissenschaftliches Profil gefragt ist, macht der abgeschlagene achte Platz auf der Industriepersonaler-Rangliste stutzig. Wer “soft skills” bei klassischen Bewerbergruppen vermisst und unter dauerhaftem Mangel an Fach- und Führungspersonal leidet, kann auch techniknahen GSWlern die Tore öffnen.
Andererseits sind 10% für eine technisch geprägte Branche auch nicht zu verachten. Den GSWler muss es schon zufrieden stimmen, wenn er überhaupt als Absolventengruppe in der Wirtschaft wahrgenommen wird.
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