Eine deutsche Diskussion 18. Januar 2010
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel, Pressespiegel, Studentischer Geist , einen kommentar schreibenEs geht wie immer um alles in der Auseinandersetzung: “Bildung ist der Rohstoff der Zukunft!” Diesen Satz kann man sich gar nicht mehr wegdenken. Und dennoch werden die Instutionen der Bildung in einer deutschen Diskussion regelrecht aufgerieben. Beide Lager arbeiten verbissen und laut an der Umsetzung ihrer Ideen, nur die Vertreter der vermittelnden Position sind kaum zu hören.
Im UniSpiegel 06/2009 bezieht der Wirtschaftspädagoge Hermann Ebner, Prorektor für Lehre an der Universität Mannheim, Stellung zur Bologna-Reform.
Sein Fazit:
Die Reform war überfällig…
Man muss das Bologna-Konzept einfach ernst nehmen. Der Bachelor ist ein eigener Abschluss, der Master ist es ebenfalls. Das hat den Vorteil, dass man nach dem Bachelor in BWL sich auch für ein Ingenieurstudium bewerben kann. Wenn Sie früher ein BWL-Diplomstudium angefangen hatten, konnten Sie nach der Zwischenprüfung nicht einfach zu den Ingenieuren wechseln.
…die Umsetzung ist aber technokratisch und daher fehlerhaft.
Was wir jedoch an manchen Stellen versäumt haben, ist, dieses Konzept tatsächlich mit Leben zu füllen und etwas Eigenes daraus zu machen. Nicht zuletzt die Politik, die Kultusadministration, hat das alles eher technokratisch betrieben.
Ein Baustein der Lösung: Den Hochschulen muss erlaubt sein, ihre Freiheit auch wahrzunehmen.
Wenn die Universitäten mehr Freiheiten bekämen - und sie vor allem auch nutzen würden, um intelligent geschnittene Studiengänge auf den Markt zu bringen. Studiengänge sind ja ein Teil unserer Produktpalette, und die müssen sich am Markt durchsetzen. Das heißt, es muss eine Nachfrage da sein bei den Studierenden, es muss eine Nachfrage am Arbeitsmarkt für unsere Absolventen vorhanden sein - und wenn das gegeben ist, sind wir auf dem richtigen Weg.
UnternehmensGeist in der heißen Bewerbungsphase 16. November 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , 2kommentareNahezu jeder, der in Deutschland zur Kategorie Arbeitnehmer gehört, musste sich ihr einmal stellen, der Bewerbungsphase. Als geistes- und soziawissenschaftlicher Absolvent stecke ich momentan mittendrin und arbeite an Projekten für Assessment-Center oder Vorstellungsgespräche. Das nimmt mehr Zeit in Anspruch, als ich dachte. Ich kann deshalb in der Vorweihnachtszeit nicht so viel für UnternehmensGeist.net schreiben, wie ich es gerne tun würde. Ohne ein paar anregende Lesetipps entlasse ich Sie aber dennoch nicht:
UnternehmensGeist.net: Examensbedingte “Betriebsferien” 8. Juni 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenSo sehr ich auch Themen hätte, die sich zur Diskussion eignen würden, muss ich für die nächsten drei Wochen meine gesamte Energie und Zeit meinem Magisterabschluss und den dafür notwendigen Prüfungen widmen. Für diese Zeit bis Ende Juni steht es aber jedem frei auch eigene Beitrage auf UnternehmensGeist.net zu schreiben. Dass das gar nicht so schwer ist, haben Studenten von der HU Berlin vorgemacht (s. “Immer mehr Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft“).
Wer glaubt, ich würde vom Schreiben abgehalten, weil König Fußball in Deutschland regiert, liegt (leider) falsch. Mein Timing ist in der Tat so geschickt gewählt, dass die schwierigste Prüfungsphase mit den Vorrundenspielen zusammenfällt. Da wollen wir wir mal hoffen, dass “unsere Jungs” in die Playoffs kommen, damit ich die WM auch in vollen Zügen genießen kann.
Zum Schluss ein kleiner Lesetipp am Rande:
Dass Geisteswissenschaftler nicht nur in der Wirtschaft zu gebrauchen sind, sondern auch die WM nach Deutschland geholt haben, zeigt die (wahr oder unwahre?) Geschichte des Titanic-Redakteurs Martin Sonneborn (s. “Der Germanist, der die Fußball-WM nach Deutschland holte“). Lustig, auf welche Weise auch Germanisten geschäftstüchtig sein können :-).
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Beratungsangebot an alle wirtschaftsinteressierten “Exoten” 26. Januar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenDie Arbeit an dem Knowledge-Weblog UnternehmensGeist bringt es mit sich, dass ich eine Menge an Informationen über das Verhältnis von Geistes- und Sozialwissenschaften und der Wirtschaft gelesen und gehört habe. Dieses Wissen, von dem ich wahrlich nicht alles in Beiträgen oder Kommentaren unterbringen konnte, würde ich sehr gerne in einer persönlichen Form an alle Interessierten weitergeben. Angeregt durch ein ähnliches Angebot des Coachs Marcel Widmer im JobBlog biete ich auf Anfrage gerne eine Beratung. Hierzu bitte ich folgendes zu beachten:
- Wenn es sich um grundlegende Fragen handelt, helfen meist Beiträge auf UnternehmensGeist weiter. Bei Anliegen von allgemeinem Interesse würde ich es durchaus begrüßen, wenn Ihr einen Beitrag schreibt und in diesem Euer Problem schildert.
- Da es sich bei UnternehmensGeist um ein Knowledge-Weblog handelt, erwarte ich eine gewisse Sachlichkeit und Ernsthaftigkeit. Allgemeine Beiträge oder persönliche Anfragen, die der Netiquette nicht entsprechen, werden von mir ohne Reue gelöscht bzw. nicht beantwortet.
- UnternehmensGeist ist dem öffentlichen Austausch und der Weitergabe von Informationen gewidmet. Ich bitte dies zu beachten, wenn Ihr auf UnternehmensGeist veröffentlicht. “Privatgespräche” zwischen zwei Autoren dienen diesem Zweck nicht.
Diese Anmerkungen sollen Euch aber nicht vom Schreiben abhalten; vielmehr sind sie gedacht als kleines Regelwerk, um jedem von Euch auf UnternehmensGeist hilfreiche Informationen und Erfahrungen bieten zu können.
Ich freue mich auf Eure Fragen und Beiträge!
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Wenn es denn unbedingt sein muss: Magister! 8. Dezember 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenAuf der Homepgage der Karriere-Zeitschrift “high potential CHANCES” stieß ich auf äußerst unterhaltsame Ratschläge (der Titel sagt alles: “What`s hot and what`s not!”), welche Studienfächer/-abschlüsse beruflichen Erfolg versprechen und welche nicht. Soviel sei vorweg genommen: Der Magister gehört nicht dazu.
Von einem Magisterstudiengang ist insbesondere dann abzuraten, wenn ein inhaltsgleicher Studiengang an einer anderen Hochschule mit einem Diplom beendet werden kann.
Magisterstudiengänge haben bei vielen Unternehmen einen noch geringeren Stellenwert als ein Lehramtsstudium. Was vor allem für Lehrer vernichtend klingt, die jedoch beim Staat gefragt wie nie sind, ist für Magister, die sich eben nicht auf ein reichhaltiges Jobangebot im staatlichen Sektor freuen können, noch schwerwiegender. Magister ist natürlich kein Studiengang an sich, sondern ein Titel. Unternehmen schätzen diese Abschlussbezeichnung in der Regel nicht: Diplom-, Master- oder Bachelorabschlüsse sind gefragt bei den Recruitern. Das Diplom ist der deutsche Standardabschluss an den Hochschulen, während Master- und Bachelor-Titel erst vor kurzem im größeren Stil von Hochschulen vergeben werden und bei Unternehmen in Mode gekommen sind. Der Magister gilt oftmals als verstaubt, altbacken und suggeriert (oftmals zu Unrecht) ein inhaltsarmes Studium. Tipp: Wählt für euren Studiengang die Hochschule aus, die dieses Studium mit dem Abschluss eines Diplom-, Master- oder Bachelortitel anbietet. Hierbei handelt es sich zumeist um inhaltsgleiche Angebote, die durch einen höher bewerteten Titel einen weitaus erfolgsträchtigeren Start ins Berufsleben ermöglichen.
Noch schlimmer kommen die Historiker weg:
Historiker haben zweifelsohne das Wissen um die Vergangenheit. Ob ihnen dies aber nach dem Studium ein entsprechendes Einkommen verschafft, darf für die Mehrzahl der Historiker sehr bezweifelt werden.
Studierende der Geschichte haben es sehr schwer, nach dem Studium einen Job zu finden - zu rar gesät sind Institutionen oder Unternehmen, die sich entweder mit der Vergangenheit eingehend befassen oder aus dieser wichtige Schlüsse für Gegenwart und Zukunft ziehen. Egal ob Ministerien, (nicht-universitäre) geschichtliche Institute oder Verbände, sie alle leiden unter knappen Kassen und schaffen auf absehbare Zeit keine neuen Stellen. Ein früherer Hauptabnehmer von Historikern fällt also nahezu komplett weg, und zu wenige neue Nachfragen nach geschichtlich versierten Arbeitskräften sind entstanden. Sicherlich gibt es think tanks, die interdisziplinär denken und das Zukünftige mit Hilfe des Vergangenen prognostizieren. Jedoch sind think tanks in Deutschland bei weitem nicht derart stark verbreitet, wie sie es in ihrem Ursprungsland USA sind. Auch die politische Kaste zu Berlin und deren Parteiapparate werden nicht alle Historiker die aus den Unis strömen aufnehmen können und wollen.
Fazit: Ein Studium, welches sich mit Vergangenheit befasst und wenig Zukunftskraft bietet.
In der Liste der Absteiger werden selbstverständlich auch die Fächer Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziologie und (wer hätte das gedacht) die Veterinärmedizin geführt! Wen wundert es da noch, wenn BWL, VWL, Jura, Informatik (gar nicht mehr wegzudenken), Medizin (!), Logistik (gibt es auch schon als Studienfach!), Bauingenenieur (!), Lehramt (PISA sei Dank) und Elektroingenieur.
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Krise der Geisteswissenschaften im Gespräch 23. November 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenIm Internet fand ich zur (Nicht-)Krise der Geisteswissenschaften einen interessanten Beitrag auf der Homepage der Uni Zürich. Hier hat man sich im Mai diesen Jahres tatsächlich zusammengesetzt, um in alter geisteswissenschaftlicher Tradition über die Krise und die Herausforderungen für diesen Teil der Wissenschaft zu diskutieren. Bis sich allerdings der Nutzen einer derartigen Veranstaltung auch in Deutschland rumspricht, dürfte der Bologna-Prozess wohl zu Ende sein.
Ringvorlesung an der Universität Zürich mit dem Titel “Was ist das - die Hochschule?”
«Geisteswissenschaftler erkennen Strukturen, wo andere oft nur Fakten sehen»
Geisteswissenschaften sind kostengünstig, sie leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und sie widersprechen einem kurzfristigen Nutzendenken. Diese Positionen vertraten die Zürcher Linguistin Angelika Linke und der Tübinger Philosoph Otfried Höffe an einer Diskussionsveranstaltung an der Universität Zürich.
Weshalb die Artes liberales so wichtig, kostengünstig und widerspenstig sind, erörterte die Zürcher Linguistikprofessorin.
Die Fama einer Krise der Geisteswissenschaften hält sich hartnäckig. Leider sind es oft nur die Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler selbst, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Kritische Stimmen etwa aus Politik oder anderen wissenschaftlichen Disziplinen fehlten weitgehend auch an der gestrigen Veranstaltung im Rahmen der von Universität und ETH gemeinsam organisierten, interdisziplinären Ringvorlesung «Was ist das – die Hochschule?». In zwei Eingangsreferaten und einer anschliessenden Diskussion nahmen der Tübinger Philosoph Otfried Höffe und die Zürcher Linguistin Angelika Linke Stellung zum Thema «Artes liberales oder Weshalb die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften so wichtig, kostengünstig und widerspenstig sind».
Die Geisteswissenschaften sind zentral in der Herstellung einer sinn- und orientierungsstiftenden Kultur der Wahrnehmung, betonte der Philosoph Otfried Höffe.
Bildungspolitische «BWL-Mentalität»
Darin, dass die Geisteswissenschaften in der Gesellschaft eine wichtige Funktion innehaben und im Vergleich etwa zur Medizin wenig kosten, waren sich die beiden Referenten einig. Wieso sie sich gegenüber einer an kurzfristigem Nutzendenken orientierten, bildungspolitischen «BWL-Mentalität» (Höffe) widerspenstig verhalten, machten die beiden Wissenschaftler in ihren Vorträgen deutlich. Otfried Höffe hob in seinem Referat mit Bezug auf Aristoteles die nutzenfreie Wissbegier des Menschen hervor, der Rechnung getragen werden müsse. Die Geisteswissenschaften seien zentral in der Herstellung einer sinn- und orientierungsstiftenden Kultur der Wahrnehmung, Erinnerung, Gerechtigkeit und des Urteilens, meinte der Philosoph. Dadurch, dass sie sich gegenüber dem Fremden öffneten und «imperiale Selbstüberschätzungen» relativierten, trügen sie wesentlich zu einer friedlichen Koexistenz in der multikulturellen, globalisierten Gesellschaft bei und seien so geradezu eine Bürgerpflicht.
«Verblüffungsresistenz»
Der Blick, den die Geisteswissenschaftlerauf die ganze Vielfalt der menschlichen Phänomene von der Kunst bis zu sozialen Systemen und ihren Traditionen werfen, führt nach Höffe zu einer positiven «Verblüffungsresistenz»: «Nicht alles, was heute neu ist, ist auch revolutionär.» Dass die Leistungen der Geisteswissenschaften auch in der Berufspraxis gefragt sind, steht für den Tübinger Professor ausser Frage: «Die Abgängerinnen und Abgänger schaffen kein akademisches Proletariat», sagte er.
Die Geistes- und Sozialwissenschaften kosten vergleichsweise wenig und bieten viel, führte die Linguistin Angelika Linke aus.
«Magie des Teuren»
Bezüglich der Kosten sprach Angelika Linke in ihrem Beitrag von einer «Magie des Teuren», die heute üblich sei. «Teure Maschinen und technische Hilfsmittel scheinen - ganz nach dem Motto Qualität kostet - den Glanz von wissenschaftlichen Disziplinen zu erhöhen.» Die Geisteswissenschaften gäben deshalb wohl eher zu wenig Geld aus. Qualität wurde und werde aber dennoch geboten: Institutionen wie die philosophische Frankfurter Schule oder die Gender-Forschung hätten Gesellschaft und Universität wenig gekostet, die Leistungen, die sie für die Allgemeinheit erbracht hätten, seien aber beträchtlich. Ebenso seien geisteswissenschafliche Leitparadigmen wie der «linguistic turn» - das Bewusstsein, dass Sprache unser Denken und Wahrnehmen wesentlich prägt - auch für andere Disziplinen relevant geworden.
Im weiteren bezeichnete Linke die Forderung nach einer berufsbezogenen akademischen Ausbildung «als im Grundsatz falsch». «Uns geht es nicht um die Berufs-, sondern um die Wissenschaftspraxis», sagte die Linguistikprofessorin. Gerade das Reflektieren von gesellschaftlichen Praktiken, sozialen Institutionen und kulturellen Mustern sei aber auch in beruflichen Zusammenhängen eine zentrale Fähigkeit. Eine Qualität der Geisteswissenschaften, so Linke weiter, sei auch deren Vielfalt, zu der auch kleine Fächer wie beispielsweise die Ägyptologie beitragen. «Diese Vielfalt kostet zwar, da wir aber sonst nicht teuer sind, sollte hier investiert werden», schloss die Sprachforscherin.
Krise als Chance
In der anschliessenden Diskussion übernahm Philosophieprofessor Georg Kohler als Moderator die Rolle des advocatus diaboli: Woher stammen die Probleme?, fragte er. Vernebelt der ökonomische Diskurs unser Denken? Sind die Geisteswissenschaften so schlecht messbar? Und: Brauchen wir überhaupt so viele Geisteswissenschaftler – gehört nicht ein grosser Teil der Studierenden an eine Fachhochschule?
Geisteswissenschaftlich geschultes Denken ist in der Berufspraxis wichtig, sagte Otfried Höffe.
Die Orientierung am unmittelbar Messbaren sei bei der Sprechung von Drittmitteln ein Problem, meinte Otfried Höffe. Oft entzögen sich entscheidende Erkenntnisprozesse – man denke beispielsweise an Einstein – aber einer solchen Perspektive. Den Begriff der Krise sollte man ins Positive wenden: «Sie ist das Magma, in dem Kreativität entsteht», sagte Höffe. Linke meinte auf Kohlers letzte Frage Bezug nehmend, die Einführung von Fachhochschulen sei eine sinnvolle Ausdifferenzierung der Bildungslandschaft. Sie betonte aber auch, wie wichtig ein geisteswissenschaftlich geschultes Denken in der Berufspraxis sein könne. «Geisteswissenschaftler können Strukturen erkennen, wo andere oft nur Fakten sehen.» Offen blieb letztlich die Frage aus dem Publikum, wieso die Geisteswissenschaften trotz beträchlichem Potenzial ihre Perspektiven in der Öffentlichkeit nicht besser durchsetzen können. Das habe wohl mit der Geschwindigkeit zu tun, vermutete Angelika Linke. Heute stehe der schnelle Effekt im Vordergrund, die Geisteswissenschaften untersuchten Veränderungen aber mit einer längerfristigen Perspektive.
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GSW = Geist und Gesellschaft? 21. September 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenEigentlich müsste ja der erste vor dem zweiten Schritt folgen. Wissenschaftliches Arbeiten sollte einem gelehrt haben, zuerst die Grundlagen festzulegen und zu definieren (so weit es geht) und dann alle weiteren Fragen abzuhandeln. Woher soll der interessierte “User” wissen, was unter Geistes- und Sozialwissenschaftlern nach meiner Lesart überhaupt zu verstehen ist? Um einem spitzfindigen Leser zuvorzukommen, versuche ich hier eine knappe Begriffsbestimmung.
- Die Geisteswissenschaften sind nach Wikipedia der Inbegriff derjenigen Wissenschaften, die sich mit kulturell-geistigen Schöpfungen wie Wissenschaft, Kunst, Religion, Staat, Recht usw. befassen. Hierzu zählen im engeren Sinne:
* Archäologie
* Geschichte
* Klassische Altertumswissenschaft
* Kunstwissenschaft
* Musikwissenschaft
* Orientalistik
* Ostasienwissenschaften
* Erziehungswissenschaft (Pädagogik)
* Sportwissenschaft
* Sprach- und Literaturwissenschaft (unter anderem Anglistik,
Germanistik, Jiddistik, Romanistik, Sinologie, Slawistik)
* Theaterwissenschaft
* Volkskunde
- Die Sozialwissenschaften oder auch Gesellschaftswissenschaften genannt umfassen jene Wissenschaften, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoretisch untersuchen und empirisch ermitteln.
Auch hier liefert Wikipedia eine interessante Auflistung dessen, was sich dem Begriff unterordnen lässt:
Im weiteren Sinn werden zu den “Sozial-” bzw. “Gesellschaftswissenschaften” folgende gerechnet.
* Anthropologie (Sozial- und Kulturanthropologie)
* Betriebswirtschaftslehre
* Demografie (Bevölkerungswissenschaft)
* Ethnologie (Völkerkunde)
* Medienwissenschaft (Kommunikationswissenschaft)
* Ökotrophologie (interdisziplinäres Studienfach der
Haushalts- und Ernährungswissenschaften)
* Politikwissenschaft (Politologie)
* Sozialgeografie
* Sozialgeschichte
* Sozialpsychologie
* Sozialphilosophie
* Soziologie
* Volkskunde (Europäische Ethnologie)
* Volkswirtschaftslehregelegentlich (auch heftig umstritten) noch
* Kunstwissenschaft(en)
* Pädagogik
* Rechtswissenschaft (Jurisprudenz)
* SprachwissenschaftIm engeren Sinne der “Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultäten” deutscher Universitäten sind die “Sozialwissenschaften” nur Politologie und Soziologie.
Damit dürfte nun eine (vorläufige) Grundlage geschaffen sein. Der GSWler mit Unternehmensgeist wird mit Freude festgestellt haben, dass nach dieser Auslegung BWL - wenn auch umstritten - zu den Gesellschaftswissenschaften gezählt wird.
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Praxisinitiativen an den Unis 7. August 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenEs überrascht doch wie zahlreich die Praxisinitiativen an deutschen Universitäten geworden sind. Neben universitätsnahen Servicegesellschaften etablieren sich immer mehr studentische Initiativen, die zur Mitarbeit und Engagement einladen. Auf studserv fand ich eine ziemlich umfassende Auflistung von Career Centern, Praxisinitiativen und Netzwerken. Nun kann wirklich niemand mehr sagen, es stünden ihm keine Möglichkeiten offen, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren!!
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Umbennung zu “UnternehmensGeist” 1. August 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenNach reiflicher Überlegung habe ich das Weblog von der URL www.unternehmergeist.twoday.net auf www.unternehmensgeist.twoday.net umgestellt. Die Gründe dafür lagen auf der Hand. Zum einen war der Name “UnternehmerGeist” identisch mit einer sozial- und geisteswissenschaftlichen Gründerinitiative der LMU München und zum anderem gab er nicht vollständig den Sinn dieses Blogs wider.
Es soll sich in diesem Blog nicht um Existenzgründungen gehen, sondern um Möglichkeiten von Geistes- und Sozialwissenschaftlern (GSW), in Unternehmen Fuß zu fassen. Die Wortneuschöpfung “UnternehmensGeist” drückt in meinen Augen diese notwendige Geisteshaltung aus, die GSW auf ihrer Werbetour durch die Wirtschaft brauchen. Es ist nichts anderes als das Denken aus der Sicht eines Unternehmens. Die Forderung nach Unternehmergeist greift bei wörtlicher Auslegung dabei zu weit. Von keinem Studenten der GSW kann die (theoretische) Bereitschaft verlangt werden, ein eigenes Unternehmen ins Leben zu rufen. Bringt der Bewerber allerdings diese bemerkenswerte Eigenschaft mit, ist er vielen Kommilitonen aber auch wirtschaftsnahen Konkurrenten einen Schritt voraus.
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Perspektivenwechsel durch den Bologna-Prozess 1. August 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , 2kommentareEuropa bringt viel Neues, besonders gern in die Hochschulen. Der Kernsatz könnte lauten: “Deutschland bekommt neue Studienabschlüsse und Geisteswissenschaftler neue Chancen in der Wirtschaft.” Bei all dem Streit über die Umsetzung der Bologna-Richtlinien und der Trauer um die “deutschen Abschlüsse lassen Beobachter gerne außer acht, dass die seit langem geforderte Interdisziplinarität in den Wissenschaften dadurch ein Stück näher rückt. Studenten von “Exotenfächern” können ihrem Lebenslauf einen “realitätsnäheren” Hut aufsetzen.
Es gibt fast keinen Bereich des Lebens in Deutschland, der nicht Trends aus den USA oder Großbritannien ausgesetzt ist. Auf dem Feld der Nachwuchsrekrutierung laufen viele deutsche Unternehmen der Zeit hinterher. Was in angesächsischen Ländern schon lange üblich ist, scheint bei uns nur langsam Fuß zu fassen: der Manager mit einem geisteswissenschaftlichen Erststudium. Liegt es an unserem notorischen Hang zum “Spartendenken”, das jungen Menschen nur eine möglichst stromlinienförmige, auf einen Schwerpunkt fokussierte Hochschulausbildung gestattet?
Neue Möglichkeiten eröffnen sich mit dem “Bologna-Prozess”, der vergleichbare Studienabschlüsse in Europa bis 2010 fordert. Über verlorengegangene Vorteile deutscher Abschlüsse lässt sich ausgiebig streiten. Unbestritten jedoch ist: Die Neuordnung der Hochschulabschlüsse anhand Bachelor und Master wird die interdisziplinäre Ausrichtung zukünftiger Studenten fördern. Nicht selten ist nach drei Jahren in einem “Exotenfach” der Wunsch vorhanden, realitätsnähere Studienfächer zu ergreifen. Während nach den alten Richtlinien der Weg bis zum Abschluss nach etwa fünf Jahren vorgezeichnet war, kann der Student im “europäischen Modell” die Weichen für den Master neu stellen. Auch ein Geisteswissenschaftler mit Affinität zu wirtschaftlichen Fragestellungen kann jetzt verloren geglaubte Qualifikationen nachholen. Bis dahin werden private und staatliche Weiterbildungsinstitute diese Lücke füllen und ein einträgliches Geschäft damit machen.
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