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Ihr seid das Orchester! 25. April 2010

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, Management, Consulting, Personal , einen kommentar schreiben

Es gibt kaum jemanden, der sich nicht lebhaft daran erinnern kann - Musik in der Kindheit und Jugend und wie man sich auf Musikintrumenten versucht hat und sei es auch nur die Triangel. Profimusiker haben aus dieser offensichtlich sehr guten Erfahrung auch gleich einen Beruf gemacht und dürfen dies vielleicht in einem renommierten Orchester tun. Eines hätten sie jedoch sicher nicht gedacht: Dass sie einmal als Vorbild für Wirtschaftsunternehmen gelten. Ein Vergleich liegt nahe: Hierarchien, gemeinsame Ergebnisorientierung, Führung. Sogar die Fachzeitschrift “Das Orchester” hatte es zum Schwerpunkt einer Ausgabe gemacht. Zitat: “Jedes soziale System, jede Organisation und damit jedes Orchester braucht Führung, wenn es sich entwickeln will.”

In der Führungskräfteentwicklung gibt es mittlerweile mehrere Möglichkeiten sich als Unternehmen beraten zu lassen:

+ Dirigieren & Führen von Prof. Gernot Schulz und Prof. Manfred Harnischfeger

+ Sinfonisches Consulting von Gansch & Partner

+ Managerdirigierseminar des RIAS Jugendorchesters

Die Führungskräfte erhalten die Möglichkeit mit dem Taktstock in der Hand ein ganzes Orchester zu “führen”. Das müssen sie auch tun, sonst spielen die Musiker nicht oder eher schelcht als recht. Die direkte Rückmeldung auf das eigene Handeln ist die Erfahrung, die die Teilnehmer (hoffentlich) mit nach Hause und im besten Fall mit ins Büro nehmen. “Den Takt angeben” ist aber lange nicht alles, das genaue “Hinhören” ist genauso wichtig. Nur so kann der (Nachwuchs-)Manager auf Veränderungen bei seinen Mitarbeitern reagieren und flexibel bleiben, um die Ziele stets neu anzupassen.

Mein Fazit: Neben all diesen Beratungsansätzen für Unternehmen und Mitarbeiter, die Vergleiche aus den entferntesten Lebensbereichen bemühen, sagt mir die Orchestermetapher am meisten zu. Es hält die meisten Überraschungen bereit. Orchester sind eben NICHT eine Ansammlung verkünstelter Diven mit einem autokratischen Maestro, sondern eine hochprofessionelle Organisation, die es versteht über Führung ihre Individuen zu einem harmonischen Ganzen zu formen. Viele Unternehmen sind davon immer noch sehr weit entfernt.

Hegel- und Hölderlin-Fraktion 30. Oktober 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Consulting , einen kommentar schreiben

Wenn man das Glück hat einen Artikel zu finden, der all das und noch viel mehr hat, was man selber ausdrücken wollte, so aber nicht aufs Papier bekam, bleibt einem nichts anderes übrig als den Autor persönlich sprechen zu lassen.

Wer nach der Lektüre des Artikels aus der Welt vom 04. Juni 2005 mit dem schönen Titel “Exoten-Bonus” immer noch meint, es würden nur ein paar versprengte GSWler in Unternehmensberatungen schaffen, sollte eindeutig an seinem Textverständnis arbeiten. McKinsey plant sogar den Anteil der “Besten der Bunten” auf 15 Prozent zu steigern! Das Schöne dabei: Die “Hegel- und Hölderlin-Fraktion” (s.u.) wird endlich als mathematische Größe (und somit von auch von Personalern) bewusst wahrgenommen und nicht wie sonst üblich als …

Spitzweg-Buecherwurm-gross

Exoten-Bonus
Geisteswissenschaftler verstärken Teams internationaler Unternehmensberatungen

von Margarete Hucht

Traumjob Unternehmensberatung? Nichts für Geisteswissenschaftler! - So denken viele und irren gründlich. Denn vor allem die großen, international aufgestellten Strategieberatungen setzen auf die Vielfalt der Talente. Neben Betriebswirten rekrutieren sie zur Hälfte auch “Exoten”, wie es im Branchenjargon heißt. Neben Ingenieuren, Juristen und Medizinern zählen zum Beispiel Philosophen, Politologen oder Psychologen dazu.

Der überaus smarte Oliver Dany, 33, ist bereits zum Manager bei der Boston Consulting Group (BCG) aufgestiegen und damit auf der letzten Karrierestufe vor dem Geschäftsführer. Sein Job: Er treibt Veränderungen in der Wirtschaft voran. Vorauszusehen war diese Profession nicht. Denn Dany hätte auch als Wissenschaftler, Museumsdirektor oder Lateinlehrer enden können, immerhin ist er promovierter Althistoriker. Doch mit diesem Hintergrund ist er nur einer der bunten Vögel, die sich in den Projektteams der weltweit tätigen Strategieberatung BCG tummeln. Just Schürmann, Recruiting Director im Unternehmen, rechnet vor: “Knapp zehn Prozent unserer Beraterinnen und Berater sind Geisteswissenschaftler. Wir haben Germanisten oder Philosophen. Eine Rechtshistorikerin und ein Konzertpianist sind auch dabei.” Für hoch hält er die Zahl nicht. Im Gegenteil. “Wenn man bedenkt, daß gut ein Viertel aller Absolventen an Universitäten einen geistes- oder sozialwissenschaftlichen Abschluß machen, dann liegt hier noch viel Potential brach.”

Wie andere Unternehmensberatungen auch, so stellt die Boston Consulting Group nach einem simplen Motto ein: Top-Studierende, ganz gleich welcher Fachrichtung, sind immer interessant! Das Wirtschaftsfachwissen könne man sich - nicht zuletzt mit Hilfe spezieller “Exoten-Trainings” - schnell aneignen, heißt es in der Branche. Hauptsache, die Exzellenz ist da. “Geisteswissenschaftler assimilieren sich schnell”, weiß Schürmann, “wenn auch niemand seine Herkunft oder seine bestimmte Denk- oder Herangehensweise leugnen soll. Für unseren Konzertpianisten ist sein früherer Beruf heute fast so etwas wie sein Markenzeichen geworden.”

Eine brillante akademische Karriere und eine internationale Ausrichtung müssen die angehenden Consultants allerdings schon bieten. So wie Oliver Dany. Der startete sein Studium in Oxford und belegte dort die so genannten Classics, “die Königin der Geisteswissenschaften”, wie er sagt. “In England kann man mit einem Abschluß in Classics ganz selbstverständlich in Ministerien oder in Unternehmen arbeiten”, erklärt der Consultant. Entsprechend geschockt war er, als er an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München kam und sich plötzlich in einem typischen Orchideenfach wiederfand. Er fing an, sich umzuorientieren, machte Praktika bei McKinsey und BCG und verabschiedete sich von der Idee einer wissenschaftlichen Laufbahn. Seine Entscheidung für die Wirtschaft besiegelte er damit, daß er - gesponsert von der Boston Consulting Group - ein MBA-Zusatzstudium an der privaten Elite-Wirtschaftshochschule Insead in Frankreich machte.

Überflieger Dany weist aber auch darauf hin, daß der Weg aus den Geisteswissenschaften in die Unternehmensberatung “ein bißchen weiter als für mathematisch geschultere Studiengänge” sei. Nur wer “mit Leidenschaft im Team und gemeinsam mit dem Kunden innovative Lösungswege für komplexe Probleme” suche, der sei im Berater-Business richtig.

“Ob Wachstumsstrategie oder Restrukturierung - kein Projekt läßt sich ausschließlich mit Geisteswissenschaftlern besetzen.” Dieses Statement kommt von Sven Breipohl, der bei den Roland Berger Strategy Consultants verantwortlich für Global Human Resources ist. Doch auch er ergänzt: “Wir arbeiten grundsätzlich mit gemischten Teams. Deshalb suchen wir motivierte, kluge Köpfe aus jedem Fachbereich. Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß wir die aktuelle Geisteswissenschaftler-Quote von fünf bis zehn Prozent auf 15 Prozent steigern werden.” Für herausragende Bachelor-Absolventen bieten die Roland Berger Strategy Consultants inzwischen sogar ein spezielles Programm, den “Consulting Analyst”. Der Consulting Analyst arbeitet zunächst neun bis zwölf Monate in verschiedenen Projekten und wird dann noch einmal auf die Hörsaalbank geschickt, um seinen Master zu machen. “Dabei legen wir Wert darauf, daß betriebswirtschaftliche Kenntnisse nicht zu kurz kommen. Mit dem Master in der Tasche kann er oder sie dann als Junior Consultant wieder einsteigen”, sagt Sven Breipohl, “ohne erneutes Recruitingverfahren”.

Auch McKinsey will sich die “Besten der Bunten” nicht wegschnappen lassen. Entsprechend wohlwollend äußert sich Nina Wessels, Director of Recruiting bei McKinsey & Company. “Die Art des Abschlusses verliert tendenziell an Bedeutung für die Einstellungsentscheidung, während persönliche Eigenschaften und Qualitäten in den Vordergrund rücken”, meint sie. “Intellektuelle Flexibilität, sich schnell in fremde Zusammenhänge einzuarbeiten, und die Fähigkeit zu strukturiertem und konzeptionellem Denken sind entscheidend”, betont sie. Der formale Lebenslauf müsse dennoch stimmen. Für Wessels ist klar: “Fakten wie Noten und Studiendauer werden die Erfolgskriterien bei der Vorauswahl von Bewerbern bleiben. Mit Hölderlin und Hegel allein ist kein Unternehmen zu beeindrucken.”

Wer sich als junger Mensch von all den Ansprüchen und Erwartungen verschreckt fühlt, der kann sich dennoch als Berater oder Beraterin in spe austoben - zumindest auf “Studenten-Niveau”. Allerdings ist auch beim Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e.V. die “Hegel- und Hölderlin-Fraktion” eher schwach vertreten und liegt bei nur siebeneinhalb Prozent, wie Sprecher Florian Jonda mitteilt. Insgesamt hat man rund 1500 aktive Mitglieder.

Karola Hoffmann (22) ist eines von ihnen, denn sie hat sich nicht beirren lassen. Die Studentin der Politologie, Kunstgeschichte und Ethnologie hat inzwischen zwei Praktika in Marketingabteilungen absolviert und hat bei der in München ansässigen studentischen Unternehmensberatung Academy Consult angeklopft. Ohne einen Freund - einen BWLer - wäre sie aber wohl kaum auf die Gruppe aufmerksam geworden. Als studentische Beraterin arbeitet Karola zurzeit in einem Projekt für die ThyssenKrupp-Tochter Peininger Röro. “Das ist weniger langweilig als es sich anhört”, meint sie. In den letzten Wochen ist sie “durch die Republik getingelt”, hat mit Kraftwerksexperten Interviews geführt und Daten für ein Software-Tool gesammelt, das ein Kommilitone aus den Elektroingenieurwissenschaften programmieren wird - einen so genannten “Kraftwerknavigator”.

Bei Tagessätzen von über 200 Euro ist eine solche Nebentätigkeit mehr als attraktiv. Die Studentin findet es daher merkwürdig, daß ihre Kommilitonen nur so selten über den Tellerrand schauen. “Es gibt zwei Lager bei den Geisteswissenschaftlern”, sagt sie, “diejenigen, die eigenständig verschiedene Felder entdecken, und diejenigen, die so vertieft in ihr Fach sind, daß sie gar nicht daran denken, daß sie irgendwann ohnehin in der freien Wirtschaft arbeiten müssen.”
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Lieblingskinder des Consulting? 12. September 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Consulting , einen kommentar schreiben

Würde eine Umfrage unter allen Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) zu Beginn Ihres Studiums durchgeführt, käme die Branche nicht einmal in der Kategorie “Notfalls-arbeite-ich-auch-da” in den einstelligen Prozentbereich. Das Berufsfeld des Unternehmensberaters ist nicht gerade das, was GSWler zu ihrem goldenen Karriereweg machen. Dabei werben Beratungen mitterweile offen und gezielt GSWler an.

Boston Consulting (BCG) scheint von allen Top-Beratungen, die größten Köder auszuwerfen. Ein eigener Workshop für Geisteswissenschaftler mit dem schneidigen Titel Unternehmergeist 2005 soll Querdenker mit Affinität zur Wirtschaft ins Unternehmen bringen. Andere Consulting-Firmen werden auf diesen Zug sicher aufspringen, sollte sich das Einstellungskonzept dauerhaft bewähren. Damit zeigt sich auch nach außen, was in den Personalabteilungen seit Jahren gang und gäbe ist: GSWler stellen (bei ausreichend fachlicher Eignung) mehr als eine exotische Alternative dar. Nicht zuletzt ist dieser Trend auch darauf zurückzuführen, dass die viele Absolventen von “Orchideenfächer” umgedacht haben und die “freie Wirtschaft” nun als echte Chance begreifen.

Das Gros der Absolventen scheint sich allerdings immer noch zu zieren. Entweder schrecken hohe Einstiegshürden oder das vermeintlich schlechte Image des nomadenartigen Workaholic. Beide Einwände haben ihren wahren Kern und sind so doch nicht richtig. Zum einen kann der GSWler hohe Anfoderungen dadurch begegnen, indem er sich darauf vorbereitet und zum anderen fordern Karrieren in vergleichbaren Berufsfeldern heutzutage ähnlich viel Arbeitszeit. Das lässige Verschicken von ein paar Dutzend Bewerbungen auf klassische “Nine-to-five-Jobs” kann sich auf dem gegenwärtigen Arbeitsmarkt kein Akademiker mehr leisten. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist auf allen Gebieten entbrannt und verlangt v.a. GSWlern alles ab. Wer immer noch Zweifel hat, in der Consulting-Branche unterzukommen, sei ein Interivew mit einem Geschäftsführer von BCG aus dem Jahr 1998 ans Herz gelegt.
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