zur navigation

MBA - Master of Business Apocalypse? 22. Juni 2009

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung, MBA und Promotion, Ausland , einen kommentar schreiben

Master of the Business Apocalypse, so werden Absolventen in Zeiten der Wirtschaftskrise gerne verspottet. Ist an dieser (sehr amerikanischen) Verbalhornung etwas dran?

Mir ging in etwa durch den Kopf: Denk’ ich an Business Schools in der Krise, muss einem nicht wie Heinrich Heine in seinem “Wintermärchen” bange werden. Sie gehören schon seit Jahrzehnten zur festen Größe in der Hochschullandschaft und werden es auch weiterhin bleiben. Eines hat sich jedoch geändert: Ihre Lehrinhalte stehen durch die Finanz- (und erst recht durch die Wirtschafts-)Krise mächtig unter Beschuss. Fallstudien, so die Kritiker, würden das kurzfristige Renditestreben befeuern, unkritisches Verhalten würde gestärkt und Querdenken nicht gefördert. Es würden “gierige Absolventen ohne moralischen Kompass” herangezüchtet. So sieht es in differenzierter Sicht auch der gestrige Kommentar der FAZ (“Der entzauberte MBA”). Die Business Schools sind damit vom Thron gestoßen, möchten die Kritiker sagen.

Es gilt jedoch etwas zu bedenken: Business Schools sind keine wendigen Unternehmensberatungen, die sich in einem Jahr gerade mal neuerfinden. Sie sind Hochschulen, und diese brauchen Zeit, um auf neue Inhalte mit ihrem Lehrangebot reagieren zu können. An der Harvard Business School, dem Branchenprimus, haben 20 Prozent der Abolventen sogar einen “M.B.A.-Eid” (”The M.B.A. Oath”) geleistet. So öffentlichkeitswirksam muss es nicht immer sein. Andere Business Schools, etwa ESMT in Berlin, bieten “Crashkurse in Finanzkrise” an. Dabei kann und wird es aber auch nicht bleiben. Die Interessenten, Studenten und Absolventen eines MBA-Studiums sind nur bei wirklich bösem Willen menschenfeindliche Kostenoptimierer. Sie werden sehr wohl beobachten, wie die einzelnen Schulen auf die Krise reagieren. Gut denkbar, dass die “Reform” von den Top-Schulen auf den restlichen Markt übergreift. So ein Top-Bottom-Ansatz kommt allerdings überzeugten Kritikern nicht in den Sinn. Er hat aber das Zeug, für eine Überraschung unter den Skeptikern zu sorgen.

Angelsächsische Unternehmen als Geheimtipp? 18. August 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Ausland , 2kommentare

Geistes- und Sozialwissenschaftler trifft es doppelt hart. Nicht nur, dass das familiäre Umfeld schon von Beginn an bei den “exotischen” Studienfächern abgewunken hat; das Spiel beginnt auf ein Neues, wenn der Student/Absolvent seine Arbeit nicht mehr nach seinen Professoren, sondern nach den Personalern ausrichtet. Mit einer kleinen Abänderung: Zu dem “Fachfremden-Malus” gesellt sich meist eine leicht abwertende Haltung gegenüber Abschlüssen wie dem Magister hinzu. Gerade in Deutschland, einem Land in dem Titel noch gepflegt und hierarchisiert werden, scheint das “Standing” der Geistes- und Sozialwissenschaftler (schlimmstenfalls M.A.) besonders schlecht zu sein.

Andere Länder, besonders das angelsächsische Ausland, scheinen hier offener für wirtschaftsferne Studiengänge und Abschlüsse. Ich komme zu dieser Ansicht, da ich mich vor ein paar Monaten mit einer Head-Hunterin für Führungskräfte unterhielt und sie zu meinen Chancen als Politik- und Geschichtswissenschaftler in der Wirtschaft befragte. Eine Ihrer Kernaussagen war, dass angelsächsische Unternehmen in Deutschland (!) toleranter und offener gegenüber GSWlern wären. Grund dafür sei, eine liberalere Unternehmenskultur, die Quereinsteiger in die Wirtschaft gezielt anspreche und auch anwerbe. Um erste Kontakte zu knüpfen, riet sie mir Mitglied in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer zu werden.

Mir war bekannt, dass es nichts Ungewöhnliches in GB oder den USA war, als Theologe oder Philosoph in einem Wirtschaftsunternehmen zu arbeiten. Die nötige kaufmännische Grundbildung erfolgte meist im ersten Jahr. Es erstaunte mich jedoch, dass diese Praxis wohl auch in Deutschland zur Anwendung kam. Zu meiner Verwunderung ließ sich allerdings weder in der einschlägigen Literatur noch im Internet dazu finden. Alles doch nur Humbug? Sind angelsächsische Unternehmen nicht auch an die Gepflogenheiten des deutschen Arbeitsmarkts gebunden? Was, wenn dem so ist und was bedeutet das für die persönliche Bewerbungsstrategie?