MBA – Master of Business Apocalypse?
Master of the Business Apocalypse, so werden Absolventen in Zeiten der Wirtschaftskrise gerne verspottet. Ist an dieser (sehr amerikanischen) Verbalhornung etwas dran?
Mir ging in etwa durch den Kopf: Denk’ ich an Business Schools in der Krise, muss einem nicht wie Heinrich Heine in seinem “Wintermärchen” bange werden. Sie gehören schon seit Jahrzehnten zur festen Größe in der Hochschullandschaft und werden es auch weiterhin bleiben. Eines hat sich jedoch geändert: Ihre Lehrinhalte stehen durch die Finanz- (und erst recht durch die Wirtschafts-)Krise mächtig unter Beschuss. Fallstudien, so die Kritiker, würden das kurzfristige Renditestreben befeuern, unkritisches Verhalten würde gestärkt und Querdenken nicht gefördert. Es würden “gierige Absolventen ohne moralischen Kompass” herangezüchtet. So sieht es in differenzierter Sicht auch der gestrige Kommentar der FAZ (“Der entzauberte MBA”). Die Business Schools sind damit vom Thron gestoßen, möchten die Kritiker sagen.
Es gilt jedoch etwas zu bedenken: Business Schools sind keine wendigen Unternehmensberatungen, die sich in einem Jahr gerade mal neuerfinden. Sie sind Hochschulen, und diese brauchen Zeit, um auf neue Inhalte mit ihrem Lehrangebot reagieren zu können. An der Harvard Business School, dem Branchenprimus, haben 20 Prozent der Abolventen sogar einen “M.B.A.-Eid” (“The M.B.A. Oath”) geleistet. So öffentlichkeitswirksam muss es nicht immer sein. Andere Business Schools, etwa ESMT in Berlin, bieten “Crashkurse in Finanzkrise” an. Dabei kann und wird es aber auch nicht bleiben. Die Interessenten, Studenten und Absolventen eines MBA-Studiums sind nur bei wirklich bösem Willen menschenfeindliche Kostenoptimierer. Sie werden sehr wohl beobachten, wie die einzelnen Schulen auf die Krise reagieren. Gut denkbar, dass die “Reform” von den Top-Schulen auf den restlichen Markt übergreift. So ein Top-Bottom-Ansatz kommt allerdings überzeugten Kritikern nicht in den Sinn. Er hat aber das Zeug, für eine Überraschung unter den Skeptikern zu sorgen.
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