Der Humboldt vom Bodensee

Viele halten die Bodensee-Region für einen Ort, an dem sich fabelhaft Urlaub machen lässt. Ich sehe darin mehr und mehr einen Ort, wo sich neue zukunftsweisende Ideen in Ruhe entwickeln lassen.

Die Zeppelin Universität in Friedrichshafen ist so ein Ort. Ihr Rektor Stephan Jansen, jüngster seiner Art in Deutschland, prägt das Gesicht dieser Reformuniversität. Anders als während der preußischen Bildungsreformen unter Wilhelm von Humboldt geht die Gründung auf eine private Initiative zurück. Für mich ist Stephan Jansen dennoch der “Humboldt vom Bodensee”. Er setzt um, was Andere nur denken: Ein geisteswissenschaftliches Selbstverständnis in der Betriebswirtschaft. Genau wie Humboldt macht er nicht vor Fachgrenzen halt, sondern macht den Studenten zum Mittelpunkt allen Denkens und Handelns. “Der Markt ruft nach Charakteren”, sagte Jansen in einem Interview der Zeitschrift Junge Karriere. Wenn er das sagt, klingt das nicht wie eine hohle Sonntagsphrase. Es ist sein Anspruch an die Studenten der Friedrichshafener Universität – an die mögliche Elite von morgen, die das Erbe von Humboldt zu den Entscheidern tragen kann.

Kommentare

  1. Den Studenten zum Mittelpunkt der Thematik zu machen heißt dann in der Konsequenz auch, daß der Student auch bereit dazu ist über den eigenen Hintergrund zu reflektieren und neue Möglichkeiten zu erschließen. Er muß sich sprichwörtlich über den Tellerrand der eigenen Verschlossenheit hinaus in das Unbekannte wagen. Ein Charakter zu sein, etwas darzustellen bedeutet auch immer etwas zu sein. Anders zu sein als die anderen.

    Nach dem Gedanke Humboldts sollen Individuen geschaffen werden, die nicht an der vorgegebenen gesellschaftliche Schranke haltmachen, sondern sich darüber hinaus an etwas Größerem beteiligen, welches der Amerikaner großspurig als “greater good” oder anders als “diversity” beschreibt.
    Nur leider ist es so, daß aus welchen Gründen auch immer, der deutsche Student aus dem Volk der Dichter und Denker, sich zu gerne in einfachsten Mustern bewegt. Statt die Möglichkeit der gebotenen Interdisziplinarität zu benutzen ergießt er sich im Geschwätz der anderen. Ein Volk von Dummschwätzern ist entstanden, die den Zungenschlag jedes Dahergelaufenen lieber folgen, statt sich auf den eigenen Hosenboden zu setzen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
    Ein System wie das humboldtsche kann nur dann funktionieren, wenn das bestehende System geändert wird. Das System zu ändern bedeutet aber auch sich selbst zu ändern. Zu arbeiten an Dingen, die nicht sofort di ernsthaft e Anerkennung der breiten Masse erhält.
    Es ist von Nöten weiter zu schauen als der Rest und mehr aufzunehmen als der Gewöhnliche. Erst wenn wir es schaffen diesen Zwang abzustreifen und uns aus der Verschwiegenheit und Geborgenheit lösen, kann daran gearbeitet werden, einen individuellen Charakter zu formen!

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