Die Frage der Brotgelehrten 3. Juni 2007
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , 3kommentareEines müssen Geistes- und Sozialwissenschaftler - ob nun in der Universität oder im Unternehmen - früh lernen: Schlagfertigkeit! Schlagfertigkeit bei der immer wiederkehrenden Frage: “Wieso hast Du nicht etwas studiert, von dem Du auch leben kannst?” Nun, die Antwort überlasse ich Friedrich Schiller. In seiner Antrittsvorlesung an der Universität Jena im Jahr 1789 bringt er ziemlich deutlich zum Ausdruck, was er von der Frage der Brotgelehrten hält:
Anders ist der Studierplan, den sich der Brotgelehrte, anders derjenige, den der philosophische Kopf sich vorzeichnet. Jener, dem es bei seinem Fleiß einzig und allein darum zu tun ist, die Bedingungen zu erfüllen, unter denen er zu einem Amte fähig und der Vorteile desselben teilhaftig werden kann, wird beim Eintritt in seine akademische Laufbahn keine wichtigere Angelegenheit haben, als die Wissenschaften, die er Brotstudien nennt, von allen übrigen, die den Geist nur als Geist vergnügen, auf das Sorgfältigste abzusondern.
Jede Erweiterung seiner Brotwissenschaft beunruhigt ihn, weil sie ihm neue Arbeit zusendet oder die vergangene unnütz macht; jede wichtige Neuerung schreckt ihn auf, denn sie zerbricht die alte Schulform, die er sich so mühsam zu eigen machte, sie setzt ihn in Gefahr, die ganze Arbeit seines vorigen Lebens zu verlieren.
[…]
Darum kein unversöhnlicherer Feind als der Brotgelehrte. Je weniger seine Kenntnisse durch sich selbst ihn belohnen, desto größere Vergeltung heischt er von außen; für das Verdienst der Handarbeiter und das Verdienst der Geister hat er nur einen Maßstab, die Mühe. Darum hört man niemand über Undank mehr klagen als den Brotgelehrten; nicht bei seinen Gedankenschätzen sucht er seinen Lohn, seinen Lohn erwartet er von fremder Anerkennung, von Ehrenstellen, von Versorgung. Schlägt ihm dieses fehl, wer ist unglücklicher als der Brotgelehrte? Er hat umsonst gelebt, gewacht, gearbeitet; er hat umsonst nach Wahrheit geforscht, wenn sich Wahrheit für ihn nicht in Gold, in Zeitungslob, in Fürstengunst verwandelt.
(Auszug aus dem Artikel “Platons Erben”, UniSPIEGEL 03/2007, S. 10f.)
FAZIT: Wer solche Mitstreiter hinter sich weiß, kann “dieser einen Frage” gelassen entgegen sehen!