Geisteswissenschaftler kommen in der Wirtschaft an! 29. April 2007
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein , trackbackEigentlich dürften sich “die” Geisteswissenschaften nicht beschweren. Wo andere wichtige Themen unserer Zeit nur einen Gedenktag bekommen, hat man den “Orchideenfächern” gleich ein ganzes Jahr zukommen lassen. Nur so richtig gemerkt, hat man von dem Werbefeldzug noch nichts.
Anders ein Spezial im Handelsblatt: Mein Herz ging auf, als ich das Handelsblatt vom 18.04.07 auf Seite 9 aufschlug. Bundesbildungsministerin Schavan brach (endlich einmal) eine Lanze für Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft. Und das ganz ohne Selbstmitleid und Opferhaltung, sondern klar, präzise und auf den Punkt wie man es von einer Geisteswissenschaftlerin in Ministerrang erwarten darf. Die entscheidende Stelle aus dem Interview drückt dieses neue Selbstverständnis aus:
Frau Ministerin, Geisteswissenschaften und Wirtschaft scheinen auf den ersten Blick überhaup nicht zusammenzupassen. Wie wichtig sind geisteswissenschaftliche Kompetenzen im Unternehmen?
Geisteswissenschaftler bringen Fähigkeiten mit, die - unabhängig vom Produkt und Markt - in jedem Unternehmen wichtig sind: Sie können sich schnell und selbstständig orientieren , Sachverhalte analytisch erfassen und beherrschen bestimmte Kommunikations- und Darstellungsfähigkeiten. Je wichtiger die Kundenorientierung in Unternehmen wird, desto mehr werden diese Kompetenzen gebraucht. Auch an den Schnittstellen innerhalb des Unternehmens, etwa zwischen Produktion und Marketing, sind Geisteswissenschaftler mit ihrer Übersetzungsleistung gefragt. Entsprechend erfolgreich erobern junge Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler zunehmend ihre Plätze in der freien Wirtschaft.
Bravo, Frau Ministerin! Von diesen Statements kann es ruhig noch mehr geben. Tut es auch, wie das Symposium “UnternehmerGeist” zeigt. Ganz so pragmatisch ging es aber am Tagungsort an der TU Braunschweig nicht zu. Das Symposium war eher eine “interne” Veranstaltung, die auch ohne Vertreter aus der Wirtschaft aus kam. Diskutiert wurde nämlich das Verhältnis von Geisteswissenschaften und der Wirtschaft anhand der Bedeutung von Kommunikation. Wünschenswert ist hier in der Tat ein zweites Symposium im Herbst diesen Jahres, das geziehlt den Kontakt und den Austausch mit der Wirtschaft sucht.
Fazit: Das Interview von Frau Schavan und die gleichzeitige Ankündigung des Symposiums im Haus- und Hofblatt der deutschen Wirtschaft sind ein guter Anfang. Es wird aber (schon jetzt) Zeit weitere Aktionen in Angriff zu nehmen!