Wert-Orientiertes Management
“Manager sind auch nur Menschen”, möchte man manchmal gerne sagen, wenn die Elitenkritik mal wieder durch die Decke geht. Aber immer weniger kann es als Entschuldigung für “”herzloses” gewinnorientiertes Handeln herhalten. Eine neue Generation von Führungskräften hinterfragt Ihr Handeln und das nicht nur in Sonntagsreden. Unter dem hochoffiziellen Namen “Wertekommission – Werte Bewusste Führung e.V.” hat sich eine Gurppe junger Führungskräfte zusammen getan, um eine eben solche “werte-bewusste” Führung zu definieren und sie anschließend in die Öffentlichkeit zu tragen.
Zielgruppe ist das “Rückgrat der Gesellschaft” und das sind laut ihrer Definition die “Generation der 25- bis 45-Jährigen” (!).
Bei solch schmeichelnden Worten (immerhin schließt mich ihre Definition ein) beginnt man sehr schnell nach der Absicht dieser Initiative zu fragen. Obwohl sie jeder irgendwo einmal gehört hat, lesen sich die Worte ganz gut:
Wir wollen denjenigen, die sich noch nicht sicher sind, wie sie führen und entscheiden sollen, klar machen,
… dass der Ehrliche und der Integre nicht der Dumme ist,
… dass Manager nicht Heuschrecken sein müssen,
… dass man mit werteorientierten Lebensprinzipien kein Einzelkämpfer ist (auch wenn es einem manchmal so vorkommt),
… und dass man profitiert, wenn man als Führungskraft Werte lebt.Je früher, desto besser.
Das klingt nun wirklich zu schön. Bald ist also die zweite Frage zur Stelle: Wie setzen sie es in die Praxis um? Das wiederum klingt dann doch sehr wohl durchdacht: “Offene Veranstaltungen, Diskussion über einzelne Werte und ihre Umsetzung, Impulsgeber aus Wirtschaft und Gesellschaft als Referenten”. Und wenn man sich die Liste der Unterstützer ansieht, staunt man nicht schlecht über die Bandbreite der dort vertretenen Manager.
Am besten gefielen mir jedoch ihre sechs Thesen, die als Basis ihrer Aktivitäten verstanden werden sollten. Ein wirtschaftsnaher Geistes- und Sozialwissenschaftler hätte es nicht schöner formulieren können:
Nachhaltigkeit
* Einklang von ökonomischen, ökologischen und sozialen Parametern
* Entwicklungschancen künftiger Generationen als unternehmerischer Handlungsmaßstab
* Ausgewogenheit zwischen Quartalsgewinnen und langfristiger ProfitabilitätIntegrität
* Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst und anderen
* Konsistente Orientierung an geltenden Gesetzen, Normen und RegelnVertrauen
* Verhalten, das dem Gegenüber Sicherheit vermittelt
* Subjektive Überzeugung der Richtigkeit bzw. Wahrheit von Handlungen und Einsichten
* Vermögen, Anderen Spielraum zu ermöglichenVerantwortung
* Bereitschaft oder Verpflichtung, für etwas einzutreten und die Folgen davon zu tragen
* Bereitwilligkeit, Eigennutz hinter das unternehmerische Gesamtinteresse zu stellenMut
* Bereitschaft, Neues zuzulassen und anzunehmen
* Fehlerfreundlichkeit (“trial & error”)
* Kraft zur Entscheidung und VeränderungRespekt
* Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung der Persönlichkeit
* Achtung von Verhaltensweisen und Leistungen (z.B. Kollegen, Mitarbeiter)
* Verzicht auf Dominanz der eigenen Denkweisen
Auch wenn Kritiker der Initiative vorwerfen mögen, dass das doch alles furchtbar kitschig klingt, wünsche ich den Machern den größtmöglichen Erfolg. Das ist UnternehmensGeist wie er ihm Buche steht!
delphilog schrieb am 24 Jul 2007 um 10:13 pm ¶
“Werteorientierung” – dieser und ähnliche Begriffe werden derzeit auf allen Ebenen der Gesellschaft bzw. in der Politik, in der Wirtschaft, in den nicht nur geistewissenschaftlichen Wissenschaften sowie multimedial in der Öffentlichkeit diskutiert und bewußt oder unbewußt nahezu inflationär ge- und mißbraucht, sodass Begriffe wie Werte, Normen, Traditionen und gesellschaftliche Konventionen kaum noch sinnvoll (!) zu benutzen sind.
Bei den “Thesen” bzw. den Wertmaßstäben, die die genannte “Wertekommission – Werte Bewusster Führung e.V.” artikuliert und für sich in Anspruch nimmt handelt es sich mithin um sog. ‘Abstrakta’, die kein außersprachliches Referenzobjekt besitzen, sondern erst per definitionem “festgelegt” und konventionalisiert werden müssen. Zudem kommt hinzu, dass “Werte” stets und immer nur zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und innerhalb einer “Wertegemeinschaft” Gültigkeit besitzen und kein raum- und zeitübergreifendes Kontinuum aufweisen.
Kurz gesagt: Die “ideellen Ziele”, die die Kommission in’s Auge fasst, sind zunächst einmal zu diskutieren, zu KONKRETISIEREN und durch eine allgemeine Konsensentscheidung definitorisch festzulegen…
Und DANN ERST ist eine operative und strategische Planung bezüglich deren Umsetzung vorzunehmen, um diese integrativ in die laufenden Unternehmensprozesse einfließen zu lassen.
Entscheidend erschwert wird dieser Prozess allerdings dadurch, dass sich wohl kaum alle am Wirtschaftsprozess Teilnehmenden in dieses ethische Wertekonzept des Wirtschaftens einbinden lassen.
Hatten wir bislang nicht nur das Problem, innerhalb Deutschlands oder der EU, wirtschaftliche, wissenschaftlich und vor allem sozialpolitische Ziele ethischen Handelns zu formulieren und verbindlich festzulegen, so wird sich diese Problematik aufgrund der Globalisierungseffekte und der aktiven Partizipation anderer Länder, anderer Staaten, anderer Kulturen (Ethnien & Religionen) zunehmend verschärfen und internationale Kompromisse und Konsensenscheidungen erheblich erschweren…
Werteorientierte Wirtschaftsethik – klingt gut!
Spannend bleibt es jedoch, wie und vorallem wie lange diese ethischen Ansprüche – national und international – erfolgreich umgesetzt werden können. Besonders vor dem Hintergrund, dass die von der Kommission genannten “Werte” größtenteils dem europäisch-abendländischen Denken und mithin einer christlich-religiösen bzw. philosophisch-humanistischer Tradition entspringen.
Ob und inwieweit Asiaten und insbesondere die Chinesen einem solchen Denken zugänglich sind, möchte ich allerdings bezweifeln