Geisteswissenschaften- das ABC der Wirtschaft? 23. Februar 2007
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein , 2kommentareWenn Underdogs gefeiert werden, freuen sich irgendwie alle mit. Ist die Aufmersamkeit dann wieder weg, interessiert sich plötzlich niemand für sie. Genau so wird es den Geisteswissenschaften in Deutschland ergehen.
Da 2007 für die Gutmenschen staatlich organisierte Freude angesagt ist - wir schreiben das Jahr der Geisteswissenschaften - scheinen die Probleme der Orchideenfächer bei all der Böllerei unterzugehen. Jeder Feuilleton, der was auf sich hält, wird mindestens eine flammende Verteidigungsrede auf das ABC der Menschheit halten. Wirklich jeder geistiger Vertreter der Zunft spricht der Öffentlichkeit wieder ins schlechte Gewissen. Und warum? Weil sie alle hoffen, die PISA-geschockte Kulturnation Deutschland aus dem Wachkoma zurückzuholen? Wohl kaum.
Zwei Zeitungen haben immerhin Online-Specials ins Leben gerufen: die Rheinische Post und die ZEIT. Eines bleiben aber auch diese Angebote schuldig. Niemand befasst sich mit dem Nutzen für die Wirtschaft. ABC der Wirtschaft? Fehlanzeige. Was früher mal gut und sinnvoll war, muss einfach noch lauter durch die Gegend gebrüllt werden. Neue Ansätze, ja sogar Lösungen, darf man auch dieses Mal nicht erwarten. Wieso sollen sich dann eigentlich zukünftige Führungskräfte mit den Geisteswissenschaften auseinandersetzen? Ein Artikel in der ZEIT spricht es dann doch aus: Wenn die Geisteswissenschaften es zu etwas bringen wollen, muss endlich “Schluss mit lustig!” sein
Viel Zeit bleibt nicht. 2008 kommt das Jahr der Mathematik :-)!
Wert-Orientiertes Management 20. Februar 2007
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein , 1 kommentar bisher“Manager sind auch nur Menschen”, möchte man manchmal gerne sagen, wenn die Elitenkritik mal wieder durch die Decke geht. Aber immer weniger kann es als Entschuldigung für “”herzloses” gewinnorientiertes Handeln herhalten. Eine neue Generation von Führungskräften hinterfragt Ihr Handeln und das nicht nur in Sonntagsreden. Unter dem hochoffiziellen Namen “Wertekommission - Werte Bewusste Führung e.V.” hat sich eine Gurppe junger Führungskräfte zusammen getan, um eine eben solche “werte-bewusste” Führung zu definieren und sie anschließend in die Öffentlichkeit zu tragen.
Zielgruppe ist das “Rückgrat der Gesellschaft” und das sind laut ihrer Definition die “Generation der 25- bis 45-Jährigen” (!).
Bei solch schmeichelnden Worten (immerhin schließt mich ihre Definition ein) beginnt man sehr schnell nach der Absicht dieser Initiative zu fragen. Obwohl sie jeder irgendwo einmal gehört hat, lesen sich die Worte ganz gut:
Wir wollen denjenigen, die sich noch nicht sicher sind, wie sie führen und entscheiden sollen, klar machen,
… dass der Ehrliche und der Integre nicht der Dumme ist,
… dass Manager nicht Heuschrecken sein müssen,
… dass man mit werteorientierten Lebensprinzipien kein Einzelkämpfer ist (auch wenn es einem manchmal so vorkommt),
… und dass man profitiert, wenn man als Führungskraft Werte lebt.Je früher, desto besser.
Das klingt nun wirklich zu schön. Bald ist also die zweite Frage zur Stelle: Wie setzen sie es in die Praxis um? Das wiederum klingt dann doch sehr wohl durchdacht: “Offene Veranstaltungen, Diskussion über einzelne Werte und ihre Umsetzung, Impulsgeber aus Wirtschaft und Gesellschaft als Referenten”. Und wenn man sich die Liste der Unterstützer ansieht, staunt man nicht schlecht über die Bandbreite der dort vertretenen Manager.
Am besten gefielen mir jedoch ihre sechs Thesen, die als Basis ihrer Aktivitäten verstanden werden sollten. Ein wirtschaftsnaher Geistes- und Sozialwissenschaftler hätte es nicht schöner formulieren können:
Nachhaltigkeit
* Einklang von ökonomischen, ökologischen und sozialen Parametern
* Entwicklungschancen künftiger Generationen als unternehmerischer Handlungsmaßstab
* Ausgewogenheit zwischen Quartalsgewinnen und langfristiger ProfitabilitätIntegrität
* Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst und anderen
* Konsistente Orientierung an geltenden Gesetzen, Normen und RegelnVertrauen
* Verhalten, das dem Gegenüber Sicherheit vermittelt
* Subjektive Überzeugung der Richtigkeit bzw. Wahrheit von Handlungen und Einsichten
* Vermögen, Anderen Spielraum zu ermöglichenVerantwortung
* Bereitschaft oder Verpflichtung, für etwas einzutreten und die Folgen davon zu tragen
* Bereitwilligkeit, Eigennutz hinter das unternehmerische Gesamtinteresse zu stellenMut
* Bereitschaft, Neues zuzulassen und anzunehmen
* Fehlerfreundlichkeit (”trial & error”)
* Kraft zur Entscheidung und VeränderungRespekt
* Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung der Persönlichkeit
* Achtung von Verhaltensweisen und Leistungen (z.B. Kollegen, Mitarbeiter)
* Verzicht auf Dominanz der eigenen Denkweisen
Auch wenn Kritiker der Initiative vorwerfen mögen, dass das doch alles furchtbar kitschig klingt, wünsche ich den Machern den größtmöglichen Erfolg. Das ist UnternehmensGeist wie er ihm Buche steht!