Philosophierende Manager und ihre Spielverderber 26. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 2kommentareNachdem ich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “karriere” (11/2006, S. 152) lesen musste, dass einem Abiturienten von einem Studium á la “Philosophy & Economics” an der Universität Bayreuth abgeraten wurde, da es nicht karrieretauglich sei, wurde ich nachdenklich. Die Erfahrungen der P&E-Absolventen, so die Begründung der Redakteurin, seien einfach nicht überzeugend. Bedenkt man, dass der Studiengang im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben wurde, also gerade mal ein Jahrgang das Studium durchlaufen hat, ist das pauschale Urteil ungerechtfertigt.
Ich konnte nicht umhin mich zu fragen: War da eigentlich noch was? Paradigmenwechsel beim Management-Nachwuchs? Neues Denken in den Unternehmen? Interdisziplinäre Lösungsansätze?
Vermeintliche Antwort deutscher Karriere-Studienfächer-Denker: “Nein, ist uns alles zu unsicher, wir setzen lieber auf lupenreine BWL- und VWL-Master wie früher. Keine Ahnung wie wir mit ihnen den Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bestreiten, aber schließlich hat es ja früher auch geklappt.”
Warum ein Ticken Philosophie in den Köpfen des Management-Nachwuchses gut aufgehoben ist, beantwortete Klaus J. Grün im populärwissenschaftlichen E-Journal “Philosophie & Wirtschaft” (Titel: “Wozu benötigen Führungskräfte Philosophie?“):
Wir benötigen Philosophie, weil sie
- ein kritisches Verständnis der Inhalte unseres eigenen Bewusstseins vermittelt;
- Strategien zur Unterscheidung des Wahren und den Falschen vermittelt und hierbei trotz aller Komplexität verständlich und nutzbringend die Hauptströmungen der Philosophie präsentiert;
- Reflexion über die eigene Methode der Lebensführung - ihre Leistungsfähigkeit und ihre Grenzen befördert;
- die Ausbildung des individuellen Wortschatzes fördert;
- die Verbindung zwischen Denken, Reden und Handeln festigt;
- uns Konzentration auf die Zusammenhänge der Abfolge von Gedanken erleichtert;
- Selbstsicherheit durch methodisch erworbenes Wissen und Verstehen komplexer Zusammenhänge erzeugt;
- in mancher Hinsicht Einblick in das Bildegesetz dessen, was wir überhaupt wissen können gibt;
- schnelleres Verstehen und den Mut Lücken im Wissen zu erkennen und zuzugeben weckt;
- Einblicke verschafft in den Mechanismus unseres religiösen Empfindens, das bei vielen Menschen so leicht verletzt werden kann;
- Verständnis weckt für den gesellschaftlichen, ideologischen und psychologischen Beitrag von Religion;
- behilflich ist bei der Beantwortung der philosophischen Frage: Wer ist der Mensch?