Vom “exotischen” Soziologen zum “echten” Unternehmensberater 31. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , einen kommentar schreibenOrchideen und geistes-/sozialwissenschaftliche Fächer haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind exotisch und erfreuen den Menschen. Das schien findige Zeitgenossen in der Wirtschaft auf die Idee gebracht zu haben, von “Orchideenfächern” und “Exoten” zu sprechen, wenn sie Absolventen der Anglistik oder Soziologie vor sich hatten. Nun, vielleicht setzt ja ein Umdenken ein, wenn sie von “exotischen” Unternehmensberatungen wüssten!
Einen guten Ruf genießt in Deutschland das Management Zentrum Witten. Als Ausgründung der privaten Universität Witten/Herdecke berät es seit sechs Jahren Unternehmen aber auch Organisationen im Non-Profit-Bereich. Ihre Arbeit begreift die Gruppe um Dirk Baecker, Fritz B. Simon und Rudi Wimmer eher als “Abfallprodukt der Forschung“. Mit ein wenig mehr unternehmerischen Ehrgeiz geht die Unternehmensberatung osb International Consulting AG ans Werk. Sie unterhält neben ihrem Hauptsitz Berlin zwei Standorte in Tübingen und Wien, die aus dem Zusammenschluss der OSB (Berlin) mit der Gesellschaft für Systemische Organisationsberatung (Wien) und der kdw Management Consulting GmbH (Tübingen) herrühren. Eine oberflächliche Suche bei Google ergab, dass sich noch viele andere Beratungen auf dem Markt tummeln (keine Gewähr auf Vollständigkeit):
http://www.systemische-unternehmensberatung-und-coaching.de/
http://www.sticha.de/
http://www.insys-in.de/
http://www.ontus.de/
http://www.bentner.de/
http://www.systemische-unternehmensberatung.com/
In der Schweiz und Österreich sieht die Beraterlandschaft ähnlich aus, wenn nicht sogar ein wenig umfangreicher (Schwerpunkte in Wien und St. Gallen).
Wer kann da noch von “Orchideenfächern” und “Exoten” sprechen?!
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Philosophierende Manager und ihre Spielverderber 26. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 2kommentareNachdem ich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “karriere” (11/2006, S. 152) lesen musste, dass einem Abiturienten von einem Studium á la “Philosophy & Economics” an der Universität Bayreuth abgeraten wurde, da es nicht karrieretauglich sei, wurde ich nachdenklich. Die Erfahrungen der P&E-Absolventen, so die Begründung der Redakteurin, seien einfach nicht überzeugend. Bedenkt man, dass der Studiengang im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben wurde, also gerade mal ein Jahrgang das Studium durchlaufen hat, ist das pauschale Urteil ungerechtfertigt.
Ich konnte nicht umhin mich zu fragen: War da eigentlich noch was? Paradigmenwechsel beim Management-Nachwuchs? Neues Denken in den Unternehmen? Interdisziplinäre Lösungsansätze?
Vermeintliche Antwort deutscher Karriere-Studienfächer-Denker: “Nein, ist uns alles zu unsicher, wir setzen lieber auf lupenreine BWL- und VWL-Master wie früher. Keine Ahnung wie wir mit ihnen den Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bestreiten, aber schließlich hat es ja früher auch geklappt.”
Warum ein Ticken Philosophie in den Köpfen des Management-Nachwuchses gut aufgehoben ist, beantwortete Klaus J. Grün im populärwissenschaftlichen E-Journal “Philosophie & Wirtschaft” (Titel: “Wozu benötigen Führungskräfte Philosophie?“):
Wir benötigen Philosophie, weil sie
- ein kritisches Verständnis der Inhalte unseres eigenen Bewusstseins vermittelt;
- Strategien zur Unterscheidung des Wahren und den Falschen vermittelt und hierbei trotz aller Komplexität verständlich und nutzbringend die Hauptströmungen der Philosophie präsentiert;
- Reflexion über die eigene Methode der Lebensführung - ihre Leistungsfähigkeit und ihre Grenzen befördert;
- die Ausbildung des individuellen Wortschatzes fördert;
- die Verbindung zwischen Denken, Reden und Handeln festigt;
- uns Konzentration auf die Zusammenhänge der Abfolge von Gedanken erleichtert;
- Selbstsicherheit durch methodisch erworbenes Wissen und Verstehen komplexer Zusammenhänge erzeugt;
- in mancher Hinsicht Einblick in das Bildegesetz dessen, was wir überhaupt wissen können gibt;
- schnelleres Verstehen und den Mut Lücken im Wissen zu erkennen und zuzugeben weckt;
- Einblicke verschafft in den Mechanismus unseres religiösen Empfindens, das bei vielen Menschen so leicht verletzt werden kann;
- Verständnis weckt für den gesellschaftlichen, ideologischen und psychologischen Beitrag von Religion;
- behilflich ist bei der Beantwortung der philosophischen Frage: Wer ist der Mensch?
Ein Management-Modell für die gute Sache 10. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : CoCoMa-Kolumne , einen kommentar schreibenNicht nur Unternehmen brauchen Management, auch Non-Profit-Organisationen müssen verwaltet und geführt werden. Einen ganzheitlichen Ansatz liefert das Freiburger Management-Modell, benannt nach dem Verbandsmanagement Institut der Universität Freiburg in der Schweiz. Zur Zielgruppe des systemisch angehauchten Ansatzes zählen Kammern, Genossenschaften, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Vereine, Kirchen, Parteien oder soziale wie kulturelle Organisationen. Wer sich in das etwas andere Management einlesen will, dem sei das Werk von Peter Schwarz, Robert Purtschert und Charles Giroud mit gleichnamigen Titel “Das Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen” ans Herz gelegt. Das Erfreuliche an der Thematik ist: Auch wenn sich “die Wirtschaft” und die Welt der Wohltäter als vermeintliche Gegenpole in der Frage des Profits unterscheiden, funktionieren sie doch beide nach ähnlichen Prinzipien!
Mehr Informationen und Anregungen gibt es unter:
- Kompetenzzentrum im Bereich Forschung und Weiterbildung für Nonprofit-Management:
http://www.vmi.ch
- Umfassendes Portal zur Sozialen Arbeit, Gesundheitswesen und Nonprofit-Management:
http://www.socialnet.de
- Zentrum für Nonprofit-Management, Forschung, Beratung und Weiterbildung für NPOs:
http://www.npm-online.de
- NetBSD-Projekt hat in den USA den Status einer NPO erhalten:
http://www.pro-linux.de/news/2004/6464.html
- FHS Nonprofit-, Sozial- & Gesundheitsmanagement am Management Center Innsbruck (MCI):
http://www.mci4me.at/
- Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit:
http://www.swisscontact.net
- Informationsportal für Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen:
http://www.nonprofit.de
- Center for Social Enterprise, Universität St.Gallen: http://www.cse.unisg.ch
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Uni-Absolventen: Nach dem Examen ist vor dem nächsten Examen! 5. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung , einen kommentar schreibenEine aufmerksame Leserin dieses Business-Weblogs machte mich auf interessante Weiterbildungsangebote der Volkshochschulen aufmerksam. Der Vorteil der sogenannten Xpert-Zertifikate ist das gute Preis-Leistungsverhältnis. Vor allem Studenten und Absolventen haben damit eine günstige Alternative zu den teureren Programmen privater Anbieter. Weiterbildungswillige können sich aus drei Themengruppen unterschiedliche Kurse zusammenstellen:
- “Culture Communication Skills” (CCS) bieten, wie der Name schon sagt, interkulturelles Wissen mit Modulen wie “Eigene Kultur”, “Kulturelle Fremdheit”, “Kulturelle Filter”, “Technik des interkulturellen Umgangs”, u.v.m.
- Der “European Computer Passport” (ECP) unterrichtet den Teilnehmer in Wahlmodulen wie Datenbankanwendung, Tabellenkalkulation, Präsentation und anderen IT-Grundlagen.
- Wer seine persönlichen und sozialen Kompetenzen für den Job auf Vordermann bringen will, kann dies mit dem Zertifikat “Personal Business Skills” (PBS) tun.
Mein Eindruck: Die Zertifikate ersetzen keinesfalls Praxiserfahrung, die in Praktika gesammelt wurde. Da aber Volkshochschulen in den meisten Städten zu finden sind und die Kursgebühren nicht das Einkommen eines Vollzeitjobs fordern, bietet sich hier eine gute Möglichkeit für Studenten/Absolventen am (Weiterbildungs-)Ball zu bleiben!
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Der wahre Kern des Managements 2. Oktober 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Management , einen kommentar schreibenEs gibt Dinge, über die mich immer wieder wundere. Man möchte doch meinen, dass Menschen, die auf Ihrem Fachgebiet als “Guru” bezeichnet werden, entsprechendes Gehör und Aufmerksamkeit bekommen. Nun tat dies Peter Drucker, als er sich (wie so oft und erfolgreich) über das Wesen des Managements äußerte. Das Interessante daran war bzw. ist, dass das Echo in der “Community” heute noch zu wünschen übrig lässt .
Worum geht es?
In seinem Buch “Neue Realitäten - Wertewandel in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft” (Berlin 1989, S. 273 f.) bezeichnet er Management in seinem Kern als eine geisteswissenschaftliche (!) Disziplin:
Im Management geht es um Maßnahmen und Anwendung. Prüfstein für den Erfolg sind die erzielten Ergebnisse. Damit wird Management zur Technik. Management geht aber auch mit Menschen um, mit ihren Werten, ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung - damit wird Management zu einer Geisteswissenschaft. Das gleiche gilt für die Sorge des Managements um seine Auswirkungen auf die gesellschaftliche Struktur und das Gemeinwesen. (…) Management ist daher eine Disziplin, die wir traditionell als Geisteswissenschaft bezeichnen, Geisteswissenschaft deshalb, weil es um die Grundlagen des Wissens, der Selbsterkenntnis, der Weisheit und der Führung geht. Gleichzeitig ist Management eine ‘Kunst’, weil sie Praxis und Anwendung zugleich ist. Manager greifen auf Wissen und Einsichten der Geistes- und Sozialwissenschaften zurück, auf die Psychologie und Philosophie, auf Volkswirtschaftslehre und Geschichte, auf die Physik und auf die Ethik. Sie müssen aber dieses Wissen auf Effektivität und Ergebnisse konzentrieren, sie müssen sich darauf konzentrieren, einen kranken Patienten zu heilen, einem Schüler etwas beizubringen, eine Brücke zu bauen, eine benutzerfreundliche Software zu entwickeln und zu verkaufen. Aus diesen Gründen wird Management zunehmend die Disziplin und Praxis sein, durch die und in der die ‘Geisteswissenschaften’ wieder Anerkennung, Schlagkraft und Bedeutung erwerben.
Gefunden bei Flowmanagement.de (PDF-Dokument, S. 5, 2. Abs.).
Wer kann da noch behaupten, die Geisteswissenschaften hätten keine Erklärungskraft?
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