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Managementliteratur: Die hohe Kunst des Fragens oder “Wär hat’s erfund’n?” 7. September 2006

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Management , einen kommentar schreiben

Geht es nach einem neuen Ratgeber für (richtiges) strategisches Denken, sollten Führungskräfte neben den einschlägigen Standardwerken der BWL zu Werken der Weltliteratur greifen. Ganz oben dabei: Hänsel und Gretel. Spätestens ab diesem Zeitpunkt würden ernsthafte Manager und solche die es werden wollen, das Interesse an jeder weiteren Information verlieren, wenn, ja wenn der Autor Bolko von Oetinger nicht Senior Vice President der Boston Consulting Group (BCG) sowie Gründer und Direktor des BCG-Strategieinstituts wäre.

Bolko von Oetinger will in seinem “Hänsel und Gretel und die Kuba-Krise” Geschichte und Metaphern dazu benutzen, unangenehme Fragen zu stellen und um die Unternehmung so vor strategischen Fehlentscheidungen zu bewahren. Diese, so die Buchbesprechung bei perspektive blau, fördere das assoziative Denken, fördere ungewöhnliche Sichtweisen zutage und werfe somit immer wieder neue Fragen auf. Da drängt sich bei mir sofort die Frage auf: Kennen wir das nicht schon längst? Dass Klassiker der Weltliteratur als Erfahrungsschatz weit über das alltägliche Leben hinaus gelten, sollte trotz “Pisa-Schock” und finanzschwacher (Hoch)Schulen selbstverständlich sein. Von Nachholbedarf bei Managern berichtete hingegen Vanessa Dippel. Sie schrieb auf UnternehmensGeist von einem Literaturkurs an der Harvard Business School. Ich will jetzt nicht in kulturpessimistischer Art über einen Verfall der Allgemeinbildung bei Führungskräften jammern. Im Zweifel würde ich vielen von ihnen sicher Unrecht tun. Wenn wir aber “andere” Strategien, neue Managementstile und weitsichtige Entscheidungen fordern, sollten wir die Ursprünge dessen nennen: Es sind die Geisteswissenschaften! Sie gehören nicht nur in die Sonntagsreden der Manager, sondern in das Alltagsgeschäft der Unternehmen. Damit meine ich Nachwuchsrekrutierung, Weiterbildung und Management-/Unternehmensphilosophie. Dies von einem Unternehmensberater und “Exoten” wie Oetinger (er studierte Politikwissenschaft in Berlin) zu hören, ist da allerdings schon ein guter Anfang.
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