Literaturkurs für Harvard-Managerausbildung 15. Juni 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , 3kommentareIm “Harvard Business manager” (Mai 2006) beschreibt in einem Gespräch ein Dozent der Harvard Business School, wie er mit Belletristik Managern Führungsqualitäten vermittelt.
Hier eine Zusammenfassung:
Joseph Badaracco sagt, “MBA-Studenten bräuchten vielleicht etwas weniger Wissen über quantitative Tools und etwas mehr Urteilsvermögen, Selbsterkenntnis sowie ein tieferes Verständnis des menschlichen Wesens”. Formelhafte Managementtools würden vielleicht gut funktionieren, wenn man Techniken zur monetären Bewertung studiert. “Sie sind aber weniger hilfreich, wenn man sich mit Fragen der Führung und Organisation beschäftigt. Studenten könnten wesentlich mehr über diese Themen lernen, wenn sie einen Literaturkurs belegten. Romane können hier so lehrreich sein wie jedes Business-Lehrbuch”, so Badaracco.
Der Dozent nutzt Literatur, um seinen Studenten komplexe Bilder von Führungspersönlichkeiten aus allen Schichten zu liefern. Diese literarischen Personen seien mit Herausforderungen insbesondere psychologischer Art konfrontiert, die denen von Managern gleichen. Texte wie Sophokles “Antigone” helfen, Fragen der Führung, Entscheidungsfindung und der moralischen Wertung besser zu verstehen.
Die Literatur liefere die kraftvollsten und fesselnsten Fallstudien, die je geschrieben wurden. “Denken Sie an Shakespeares “Julius Caesar”: Aus diesem Stück kann man genauso viel über Führung lernen wie aus der Lektüre irgendeines Wirtschaftsbuchs oder einer wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschrift. Seine Lektionen sind mit Sicherheit nicht weniger wertvoll und womöglich ebenso pragmatisch.”
Im Gegensatz zu zeitgenössischer Management-Literatur, die gnadenlos euphorisch daherkommt, sei Belletristik schonungslos realistisch. “Wir finden dort keine schnellen Inspirationstreffer, keine Geschichten von ungetrübtem Erfolg und keine Fünf-Schritte-zum-Glück-Programme. Die in der Literatur dargestellten Führungspersönlichkeiten stürzen zuweilen und müssen oft kämpfen. […] Wenn Manager von den Kämpfen literarischer Figuren lesen, können sie ihre eigenen Konflikte besser verstehen.”
UnternehmensGeist.net: Examensbedingte “Betriebsferien” 8. Juni 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenSo sehr ich auch Themen hätte, die sich zur Diskussion eignen würden, muss ich für die nächsten drei Wochen meine gesamte Energie und Zeit meinem Magisterabschluss und den dafür notwendigen Prüfungen widmen. Für diese Zeit bis Ende Juni steht es aber jedem frei auch eigene Beitrage auf UnternehmensGeist.net zu schreiben. Dass das gar nicht so schwer ist, haben Studenten von der HU Berlin vorgemacht (s. “Immer mehr Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft“).
Wer glaubt, ich würde vom Schreiben abgehalten, weil König Fußball in Deutschland regiert, liegt (leider) falsch. Mein Timing ist in der Tat so geschickt gewählt, dass die schwierigste Prüfungsphase mit den Vorrundenspielen zusammenfällt. Da wollen wir wir mal hoffen, dass “unsere Jungs” in die Playoffs kommen, damit ich die WM auch in vollen Zügen genießen kann.
Zum Schluss ein kleiner Lesetipp am Rande:
Dass Geisteswissenschaftler nicht nur in der Wirtschaft zu gebrauchen sind, sondern auch die WM nach Deutschland geholt haben, zeigt die (wahr oder unwahre?) Geschichte des Titanic-Redakteurs Martin Sonneborn (s. “Der Germanist, der die Fußball-WM nach Deutschland holte“). Lustig, auf welche Weise auch Germanisten geschäftstüchtig sein können :-).
—–
“Erzähl’ doch mal!” Wie sich Geisteswissenschaftler in Unternehmen hineinhören 5. Juni 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , 1 kommentar bisherDurch den Tipp einer UnternehmensGeist-Leserin wurde ich auf die Methode des “Storytelling” aufmerksam. Eigentlich glaubte ich, der Zug für geisteswissenschaftliche “Tools” in der Wirtschaft sei schon abgefahren, aber ein FAZ-Artikel und Bücher zum Thema (hier und hier) haben mich eines Besseren belehrt. Es bedarf eben immer einer kleinen geschäftstüchtigen Gruppe (im FAZ-Artikel ist es die Beratergruppe “System und Kommunikation“), die für die ehemaligen Kommilitonen die Bresche schlägt. Jetzt gilt es die Methoden des Storytelling weiter zu verfeinern und auszubauen. Wenn dadurch der ein oder andere “Exot” auf den Plan gerufen wird, weitere Methoden aus seinem Studium in der Wirtschaft auszuprobieren, sind wir auf einem guten Weg verlorenes Selbstvertrauen zurückzugewinnen.