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Geistes- und Sozialwissenschaftler: Munition fürs Vorstellungsgespräch 29. Mai 2006

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreiben

Warum wird Bewerbern in Assessment-Centern nicht mal die Frage gestellt: Welchen Beruf würden Sie als Geistes- und Sozialwissenschaftler ausüben und was könnten Sie Unternehmen als zukünftige Mitarbeiter bieten? Selbst rhetorisch versierte “Exoten” dürften da (wenn sie unvorbereitet sind) ins Grübeln geraten und nach Worten ringen. Eine Argumentationshilfe für das Vorstellungsgespräch liefert der SZ-Artikel “Argumente für Geisteswissenschaftler” (21.10.2002).

Was also haben Geisteswissenschaftler der Wirtschaft prinzipiell zu bieten?

Empathie für „humanes Kapital“. Da Mehrwert immer weniger aus Rohstoffen, Energie und herkömmlicher Arbeit entsteht, müssen Mitarbeiter auf eine neue Art und Weise betrachtet werden. „Wer als einziges Instrument einen Hammer hat, neigt dazu, alles wie einen Nagel zu behandeln“, warnte einst der Motivationspsychologe Abraham Maslow. Wer Mitarbeiter nur durch die betriebswirtschaftliche Brille betrachtet, kann der Realität nicht gerecht werden.

Eine eher ganzheitliche Betrachtung von Strukturen und Prozessen. Genau hier gibt es in vielen Betrieben erhebliche Defizite, denn Mitarbeiter und Führungskräfte sind vorrangig immer noch auf Organisationseinheiten und Aufgaben fixiert („Kästchendenken“).

Beherrschung von Komplexität. Wer beispielsweise als Student/in der Geschichte gelernt hat, Ereignisse in ihren Neben-, Fern- und Wechselwirkungen zu betrachten, könnte dieses dringend notwendige Know-how auch auf ein komplexes Wirtschaftsgefüge übertragen.

Der Faktor Kultur bestimmt zunehmend den Geschäftsverlauf. Immer mehr Firmen müssen sich mit fremden Kulturen auseinandersetzen, wenn sie die Zukunft gewinnen wollen. Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, die zunehmend an Bedeutung gewinnt und mit der sich im Zweifelsfall insbesondere Geisteswissenschaftler empfehlen können.

Wie soll es auch anders sein: Die Krise des einen (homo oeconomicus) ist der Aufwschung des anderen (homo sociologicus) :-).
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