Rebellion gegen die Mainstream-Ökonomie 14. April 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Studentischer Geist , einen kommentar schreibenDa mich einige Fragen erreichten, was es mit den “Postautisten” denn auf sich habe, will ich an dieser Stelle nochmal einen Artikel aus der Süddeutschen nachreichen. Obwohl die Bewegung bereits fünf jahre auf dem Buckel hat, sind gute Überblicksartikel noch immer schwer zu finden. Falls Ihr um Material wisst, würde ich mich über einen Hinweis in einem Kommentar freuen. Was viele User vergessen: Auf UnternehmensGeist kann grundsätzlich jeder Beiträge zu relevanten Themen verfassen!
Also, haut in die Tasten!
Postautisten gegen Mainstream-Ökonomie
…Spätestens, seit anno 2000 Pariser Ökonomiestudenten öffentlich protestierten und gegen den mathematisch fixierten Formel-Autismus der herrschenden neoliberalen Lehre zu Felde zogen, wächst das Unbehagen an der universitär gelehrten Mainstream-Ökonomie. „Wir wünschen nicht länger, dass uns eine autistische Wissenschaft aufgezwungen wird”, lautet der Schlachtruf der so genannten Postautisten, die sich nun, einige Jahre später, auch an deutschen Almae matres formieren (www.pecon.net oder www.paecon.de). Das neue Unbehagen an der herrschenden Nationalökonomie geht indes tiefer als die sattsam bekannten Richtungskämpfe zwischen angebots- und nachfrageorientierten Wirtschaftswissenschaftlern. Die zentrale Kritik der Postautisten richtet sich gegen die lebensfremde, mathematische Verengung einer Wissenschaft, die letztlich mehr Sozial- als Naturwissenschaft ist. Manche behaupten sogar, die Ökonomik sei inzwischen mathematischer als die Physik, versuche, ökonomische Gesetze wie Naturgesetze aufzudecken und zu analysieren. Dabei schrecken Vertreter der herrschenden Lehre selbst vor Modellkonstruktionen nicht zurück, in denen sie zwei Menschen unter der Annahme, dass sie unendlichlange leben und keine Nachkommen zeugen, auf eine Insel verfrachten, um Verteilungsfragen rechnerisch auf die Spur zu kommen. Einer der beredtesten Kritiker gegen solche technizistisch-blutleeren Ansätze ist der Schweizer Ökonom Bruno S. Frey. Dieser beklagt sich bitter, dass sich die Volkswirtschaftslehre immer stärker zu einer Analyse „formaler und selbstdefinierter Probleme” entwickele und dass sie sich auf bestem Wege befinde, zur „Unterabteilung der angewandten Mathematik” zu degenerieren…
Quelle: Dagmar Deckstein in der SZ/Feuilleton am 17.01.2005
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