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Essayisten und Post-Autisten - die 68er des 21. Jahrhunderts? 7. März 2006

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Studentischer Geist , einen kommentar schreiben

Alles fing im Juni 2000 in einem kleinen Kreis von Pariser Wirtschaftsstudenten an. Sie wandten sich gegen die mathematisch und neoklassisch dominierten Wirtschaftswissenschaften und forderten die Einbeziehung neuerer ökonomischer Theorien. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen und die “neue Denke” hat ihre Anhänger u.a. in Harvard (USA), Cambridge (UK) aber auch in Deutschland gefunden. Der deutsche “Zweig” des “Post-Autistic Economics Network” hat ein ansehnliches Eigenleben entwickelt, das auch deutschlandweite Treffen einschließt. Als Dachverband fungiert das internationales Netzwerk unter paecon.net. Wer Gefallen an dieser studentischen Wirtschaftsbewegung gefunden hat, kann sich mit dem Buch “A Guide to What’s Wrong with Economics” versorgen. Es ist laut paecon.net als Lehrbuch für “undergraduates” und interessierte Leser angelegt.

2003 nahm sich der Soziologie-Professor Holger Rust in seinem Buch “Die sanften Managementrebellen - Wie der Nachwuchs die Chefetagen aufmischen will” der Sache an. Seine These lautete, es gäbe ein den Post-Autisten verwandtes neues “essayistisches” Mentalitätsmilieu, das sich stark von den formalistischen und egoistischen Karrieremustern der derzeitigen Elite unterscheiden würde. Die neue Art der “Essayisten” zeichne sich v.a. durch ihr interdisziplinäres und kommunikatives Weltbild aus. Sie habe dabei durchaus das Potential in den nächsten Jahren zu einer Revolution im Management heranzuwachsen, wenn, ja wenn die Beharrungskräfte des Establishments sich nicht als zu unveränderbar erweisen sollten.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der sich mit einer neuen Sicht auf das Management beschäftigen möchte. Das “Büchlein” ist mit 190 Seiten gut auf dem Weg zur Uni oder Arbeit zu schaffen und lässt seinen Leser fast durchweg mit einem Schmunzeln oder verschähmten Grinsen zurück. Generation Golf ist dagegen wie kalter Kaffee! Wem der Preis für das schlanke Büchlein von Holger Rust allerdings zu hoch ist, der sei auf (s)eine gut gefüllte Universitätsbiliothek verwiesen!

Bleibt die Frage: Haben wir es hier mit einer Bewegung zu tun, die nach den “68ern” der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ihren Stempel aufdrücken wird? Ich meine Ja! Da die “Essayisten” und “Post-Autisten” aber ein äußerst heterogenes und immer noch karrierebewusstes Milieu darstellen, wird sich der Wandel langsamer und unauffälliger vollziehen als es bei den 68ern der Fall war.
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