Die Mär vom guten und schlechten Geld 26. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , 1 kommentar bisherEs spricht zwar niemand aus, aber gedacht wird es in geisteswissenschaftlichen Studenten- und Absolventenkreisen dennoch: Gehalt ist nicht gleich Gehalt, nein, da gibt es gutes Geld (dem Gemeinwohl oder den Künsten dienend) und da gibt es schlechtes Geld (lediglich der eigenen Wohlstandsmehrung dienend). Das gute Geld wird in sozial-karitativen, kulturellen Berufen wie etwa Museen, Verlagen und Bibliotheken gemacht und das schlechte Geld bei Handel, Banken, Versicherungen und der Industrie. Wie ich darauf komme? Na ja, zum einen gehe ich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und zum anderen ist dies ein oft gehörter Spruch von Geisteswissenschaftlern, die in der Wirtschaft Fuß gefasst haben. Lesenswert in diesem Zusammenhang ist das Interview von Gunter Person, einem freien Kunstvermittler und Gründer der Initiative “Geist und Wirtschaft” in der taz aus dem Jahr 2000 (Die-Maer-vom-schlechten-Geld (pdf, 27 KB)).
Jemand dagegen?
An den Grenzen von Wirtschaft und Philosophie 17. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , einen kommentar schreibenDa ein Artikel auf UnternehmensGeist zur Wirtschafts- und Unternehmensethik (”Die Wirtschaft und ihr schlechtes Gewissen“) auf ein großes Interesse stieß, wollte ich Interessierten eine hervorragend kommentierte Linkliste zum Thema nachreichen. Um sich in der blühenden Landschaft der Unternehmensethik zurecht zu finden, empfiehlt sich das Internet-Portal “philosophers today“. Fröhliches Browsen!
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Heidelberger Geisteswissenschaftler als “weißer Ritter” 16. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , 4kommentareWer glaubt, es gehe nur den Geisteswissenschaftlern an den Kragen, hat sich getäuscht. In Heidelberg wurden Pläne, das traditionsreiche Alfred-Weber-Institut zu schließen und mit Mann und Maus an die Universität Mannheim abzugeben, erst in letzter Minute zu den Akten gelegt. Jetzt soll es ein neuer interdisziplinärer Bachelor-Studiengang richten, der u.a. den Anschluss an geisteswissenschaftliche Fächer wie Politologie, Soziologie, Geschichte und Psychologie sucht. Er hört auf den schönen Namen “Politische Ökonomik” und wird sich in den Methoden hauptsächlich an der Institutionenökonomik und der Verhaltensökonomik ausrichten.
Mir waren bisher nur Fälle bekannt, in denen geisteswissenschaftliche Fächer den Kontakt zu den Wirtschaftswissenschaften suchten. Schön, dass der Trend zu “Interdisziplinärem” auch anders herum funktioniert. Hier der FAZ-Artikel von der Homepage der Fachschaft VWL:
Die Heidelberger Ökonomen frohlocken
Die Universität trennt sich doch nicht von den Wirtschaftswissenschaften, sondern modernisiert sie und stockt das Personal auf
Wenn das Stuttgarter Wissenschaftsministerium das neue Konzept billigt, dann wird sich die Volkswirtschaftslehre in Heidelberg künftig auf die wissenschaftlichen Methoden der Institutionenökonomik und der Verhaltensökonomik spezialisieren. Dafür sind sogar neue Lehrstühle geplant.
orn. HEIDELBERG, 9. Februar. An der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg herrscht Aufbruchstimmung. Ein knappes Dreivierteljahr nach der für alle Beteiligten überraschenden Ankündigung des Rektorats, die Wirtschaftswissenschaften würden “im Rahmen der seit 1998 bestehenden Kooperation” vollständig an die Universität Mannheim verlagert, hat sich die Lage nach umfangreichen Protesten von Professoren und Studenten komplett gewendet. Das traditionsreiche Alfred-Weber-Institut (AWI) wird nun nicht wie ursprünglich geplant geschlossen oder zumindest drastisch verkleinert, sondern der volkswirtschaftliche Studiengang soll gemäß dem Entwurf einer internationalen Kommission unter dem Label “Politische Ökonomik” neu ausgerichtet und die Fakultät personell sogar gestärkt werden.
Inhaltlich wird sich die Volkswirtschaftslehre in Heidelberg künftig auf die wissenschaftlichen Methoden der Institutionenökonomik und der Verhaltensökonomik (”Behavioral Economics”) spezialisieren. Als Themenschwerpunkte sind dabei Umwelt und Ressourcen, Arbeit und Humankapital, Entwicklung und Transformation sowie “Governance” geplant. Die Besonderheit des neuen, sechs Semester umfassenden Bachelor-Studiengangs - ein Master-Studiengang soll mittelfristig folgen - liegt vor allem in dem geplanten interdisziplinären sozialwissenschaftlichen Ansatz. “Das ist jetzt der Studiengang, den ich hätte studieren wollen, wenn es ihn denn damals schon gegeben hätte”, schwärmt Jörg Oechssler, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftstheorie, der sich nunmehr gemeinsam mit Professoren und Studentenvertretern um die konkrete Umsetzung der Kommissionsempfehlungen bemüht.
Neben Vorlesungen aus dem eigentlichen Feld der Wirtschaftswissenschaften und den üblichen Zulieferungen aus der Mathematik, der Statistik und den Rechtswissenschaften sind für die Zukunft auch Vorlesungen aus der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Geschichte und der Psychologie sowie in dem noch zu konzipierenden Fach “Interdisziplinäre Institutionenanalyse” geplant. Die “interdisziplinären Verknüpfungen” machten rund ein Drittel des neuen Studienganges aus, heißt es. “Bisher war die Volkswirtschaftslehre in Heidelberg zu traditionell, mit diesen Verknüpfungen wird sie moderner und auch attraktiver für die Wirtschaft”, freuen sich die Studenten Cosima Steck und Matthias Eitenbenz von der Fachschaft.
Diese “Vernetztheit” sei zudem eine Besonderheit, die es an der Universität Mannheim nicht gebe und auch in Zukunft nicht geben werde, betont ebenfalls der Heidelberger Rektor Peter Hommelhoff. Mit diesem Argument hofft er auch das baden- württembergische Wissenschaftsministerium von den neuen Plänen überzeugen zu können. “Wir glauben berechtigt die Grundforderung zu stellen, daß es sowohl in Heidelberg als auch in Mannheim Volkswirtschaftslehre geben muß.” Ob das Wissenschaftsministerium dann aber nicht wieder mit neuen Kooperationsideen kommt, dürfte dahingestellt sein.
Hommelhoff sagt, man könne nicht gerade über einen Mangel an Nachfrage nach der Volkwirtschaftslehre in Heidelberg klagen: Derzeit sind rund 2000 Studenten eingeschrieben. Um angesichts der geringen Zahl besetzter Lehrstühle ein angemessenes Lehrangebot aufrechterhalten zu können, hat die Universität sogar für das kommende Sommersemester einen Einschreibestopp verhängt.
Für den Rektor bedeutet das neue Konzept eine radikale Kehrtwendung. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte er sich im vergangenen Mai mit dem Mannheimer Rektor Hans-Wolfgang Arndt über die vollständige Verlagerung der Wirtschaftswissenschaften bis zum Jahr 2010 verständigt; das AWI-Direktorium war nicht informiert und trat im Protest geschlossen zurück. Studenten organisierten Demonstrationen in der Altstadt. Im Juni indes verweigerte sich der Universitätssenat der Schließung der Fakultät - und Hommelhoff machte sich nunmehr zum Anwalt eines neuen, tragfähigen Konzepts für die Wirtschaftswissenschaften. Nun hieß es, das AWI solle zwar von nominal 13 auf 6 Lehrstühle verkleinert, aber interdisziplinär neu ausgerichtet werden - gemäß den Prinzipien, die von einer neu einberufenen, externen Kommission festzulegen seien. Die Kommission, der unter anderem die Ökonomen Bruno Frey (Universität Zürich) und Lars-Hendrik Röller (Europäische Kommission) angehörten, legte dann im November ihre Empfehlungen vor. Gleich in der Präambel des Papiers erteilen die Fachleute den ursprünglichen Schließungsplänen eine Abfuhr. So heißt es, angesichts der “strategischen Herausforderung” der Heidelberger Hochschule, sich als ” international ausgerichtete Eliteuniversität zu profilieren”, seien “entsprechend aufgestellte Wirtschaftswissenschaften als integrativer Bestandteil unverzichtbar”. Heute gesteht Hommelhoff, der die neuen Pläne nunmehr mit Begeisterung und Engagement verficht, “auch das Rektorat” habe “erst lernen müssen, wie wichtig die Wirtschaftswissenschaften sind”. Wenn es wieder einmal Pläne gebe, die Wirtschaftswissenschaften zu schließen, dann gehe “diesmal der Rektor mit auf die Barrikaden”. Das Verhältnis zur Universität Mannheim scheint unter dem Gezerre zwar etwas gelitten zu haben, aber Hommelhoff setzt auf “intelligente Lösungen”.
Auch mit Blick auf die personelle Ausstattung der Wirtschaftswissenschaften ließ die Kommission keinen Stein auf dem anderen. Dem zwischenzeitlichen Vorhaben, die Zahl der Lehrstühle auf 6 zu reduzieren, hält sie in ihrem Gutachten entgegen: “Wenn das angestrebte interdisziplinäre Profil und das gewünschte hohe wissenschaftliche Niveau erreicht werden sollen, benötigen die Heidelberger Wirtschaftswissenschaften mindestens 10 Professuren.” Derzeit sind nur 8 Lehrstühle besetzt; allerdings werden die beiden betriebswirtschaftlichen Professuren voraussichtlich kurzfristig nach Mannheim abgegeben, so daß in Heidelberg nur noch 6 besetzte Lehrstühle verbleiben - und von denen werden drei schon in den Jahren 2008 und 2009 frei. Wenn das neue Konzept greifen soll, steht die Fakultät jetzt somit unter erheblichem Zeitdruck, für eine Aufstockung des Personals zu sorgen. Zupaß kommt ihr dabei die jüngste Entscheidung über die Exzellenzinitiative, bei der Heidelberg hat punkten können: Aus deren dritter Säule sollen der Universität 10 Forschungsprofessuren finanziert werden. Hommelhoff überlegt, mit diesen Mitteln auch “Brückenprofessuren” einzurichten, die den Wirtschaftswissenschaften interdisziplinär verbunden sein könnten, zum Beispiel für das Fach “Law and Economics”.
Um die neuen Lehrstühle für Makroökonomik und für Finanzwissenschaft und Institutionenökonomik möglichst rasch zu besetzen, wird jetzt kurzerhand auf thematisch verwandte Berufungslisten zurückgegriffen, die noch aus jenen Neubesetzungsverfahren stammen, die im vergangenen Jahr auf Eis gelegt wurden. Die Verhandlungen mit dem Makroökomen Andreas Irmen (Universität Bozen) und dem Finanzwissenschaftler Lars Feld (Universität Marburg) seien weit fortgeschritten, sagt Hommelhoff - und bemüht sich jetzt um eine Freigabe aus dem Wissenschaftsministerium des Landes. Er erhofft sich eine Zustimmung zum Gesamtkonzept und zur Besetzung der beiden Lehrstühle noch vor der Landtagswahl. Erste Gespräche scheinen recht aussichtsreich verlaufen zu sein. Die Studenten indes sind noch unruhig: “Unsere einzige Sorge ist jetzt Stuttgart”, sagt Cosima Steck.
Der Stern der Geisteswissenschaften ist noch nicht gesunken 15. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , einen kommentar schreibenDer Leserkreis von UnternehmensGeist wird immer größer und damit auch die Hinweise und Informationen, die von Euch als Besuchern eingehen. So gelangte ich auch an einen Beitrag des Deutschlandradio Kultur, der sich dem noch erkennbaren aber verblichenen Glanz der Geisteswissenschaften widmet.
Geisteswissenschaften
Der gesunkene Stern der Gelehrten
Ein Stichwort von Ellen Häring
Vorbei ist die Zeit, als der Gelehrte hohes Ansehen in der Gesellschaft genoss und problemlos eine öffentlich bezahlte Anstellung erhielt.
Heute steht der Geisteswissenschaftler im Ruf, als Langzeitstudent die Universitäten zu blockieren, um dann als Taxifahrer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Denn die brotlose Kunst des Denkens hat auf dem Arbeitsmarkt keine Chance.
Germanisten, Linguisten, Philosophen, Theologen und viele andere Disziplinen, die zu den Geisteswissenschaften und damit zu den “interpretierenden” Wissenschaften gehören, stehen gegenüber den Naturwissenschaften unter gehörigem Druck.
Physiker, Chemiker oder Biologen arbeiten an einer konkreten Sache, forschen und experimentieren und können im besten Fall am Ende mit einem zukunftsweisenden Ergebnis aufwarten: sie helfen, neue Medikamente zu entwickeln, die Entstehungsgeschichte der Menschheit zu verstehen oder entdecken krebserregende Stoffe in Lebensmitteln - Ergebnisse, die sich in bare Münze umsetzen lassen und der Gesellschaft nachvollziehbaren Nutzen einbringen.
Die Geisteswissenschaften haben es ungleich viel schwerer, ihren Nutzwert zu definieren. Konkrete Ergebnisse können sie oft nicht vorweisen, denn ihre Aufgabe ist es, Diskussionen in der Gesellschaft anzustoßen und Entwicklungen zu untersuchen. “Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern, wenn die Lebenserwartung weiter steigt?”
“Welche Modelle friedfertiger Gesellschaften gibt es und was können wir daraus lernen?” Das sind zum Beispiel Fragen, mit denen sich Geisteswissenschaftler in NRW gerade im Rahmen eines Forschungsstipendiums beschäftigen. Ob diese Forschungsarbeiten jemals ökonomische Früchte tragen werden, kann heute keiner sagen.
In Zeiten knapper Kassen investieren öffentliche Geldgeber aber lieber in handfeste Forschungsbereiche, also in die Naturwissenschaften. Und deshalb wurde das Budget für Forschung und Lehre in den Geisteswissenschaften in den letzten Jahren immer magerer.
An der mangelnden öffentlichen Anerkennung sind die Geisteswissenschaftler indessen nicht ganz unschuldig. Lange zogen sie sich in den Elfenbeinturm der Universitäten zurück, blieben unter sich und entwickelten einen Fachjargon, den die Öffentlichkeit nicht verstand. Das geisteswissenschaftliche Studium wurde zum Refugium für Studenten, die eigentlich nicht so richtig wussten, was sie wollten und brachte eine Abbrecherquote hervor, die an manchen Universitäten zeitweise bei fast 50 Prozent lag.
Heute erkennt man den Wert der Geisteswissenschaften wieder neu. So hat zum Beispiel die Bildungsforschung ein wesentlich größeres Gewicht bekommen, ein Gebiet, auf dem überwiegend Geisteswissenschaftler arbeiten. Die PISA-Studie wurde in Deutschland maßgeblich von Pädagogen und Erziehungswissenschaftlern durchgeführt. Auch gilt es heute als selbstverständlich, dass sich Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler ergänzen und im besten Fall zusammenarbeiten sollten.
Der Ethikrat - eingesetzt von der Bundesregierung - wirkt als Korrektiv allzu euphorischer Forscherinteressen und konfrontiert die Naturwissenschaftler mit ethisch-moralischen Fragen. Im Ethikrat diskutieren Theologen, Philosophen und andere Geisteswissenschaftler - teilweise öffentlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung - u.a. über die Frage, wie weit die moderne Forschung gehen darf und wo ihre Grenzen liegen. Hier zeigt sich, welche wichtige Funktion die “modernen Gelehrten” einnehmen können und auch, dass die Gesellschaft ein offenes Ohr für die Argumente der Geisteswissenschaftler hat - vorausgesetzt sie drücken sich verständlich aus.
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Geistes- und Sozialwissenschaftler sind ganz vorne dabei - bei den Studienabbrechern! 6. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreiben45 Prozent bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern (Platz 1) und 36 Prozent bei den Sozialwissenschaftlern (Platz 3) - so sehen die Spitzenplätze in der Rangliste der Studienabbrecher aus. An der knallharten Auslese kann es anders als bei den Medizinern wohl kaum liegen. Dennoch finde ich die Zahlen auch nach mehrmaligem Hingucken gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar schockierend. Wer da keine Eignungstests fordert, sollte sich nochmal immatrikulieren.

Die Grafik verdanke ich dem Spiegel.
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Nie mehr zweite Liga … 6. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : GeistesWissenSchaft , einen kommentar schreiben… sollte das Credo der Geisteswissenschaften in Deutschland lauten. Jetzt wo der erste Kampf um die Forschungsmillionen ausgestanden ist, da scheint neben den nichtbedachten Bundesländern ein klarer Verlierer festzustehen: die Geisteswissenschaften. Und weil dem chronisch versetzungsgefährdeten Schüler geholfen werden muss, hält der Spiegel eisern die Fahnen für ihn hoch. Das haben wir zwar alles schon mal irgendwo gelesen und gehört; der Allgemeinheit können die Vorteile dieser Fächer aber nicht häufig genug vorgesetzt werden. Dass im gleichen Atemzug die enormen Probleme bei Forschung, Lehre und Berufseinstieg diskutiert werden, gibt Anlass zur Hoffnung.
Ehrenrettung für den Denker
Von Jan Friedmann
Sie sind ein bisschen schief ins Leben gebaut und laufen beim Arbeitsamt unter “schwer vermittelbar”. Jetzt kuriert der Wissenschaftsrat das lädierte Image der Philosophen, Historiker, Romanisten: Kulturell und politisch wichtig seien sie - und nützlich ebenso.
Geisteswissenschaftler verzetteln sich gern in den Verästelungen ihrer Disziplinen und vergraben sich so lange im Studierstüblein, bis sie für den Arbeitsmarkt nicht mehr zu gebrauchen sind. Schaffen sie nicht den Sprung auf einen der raren Professorenposten, enden die Schöngeister als mittellose Exzentriker, deren gesellschaftliches Prestige knapp über dem von Sozialhilfeempfängern liegt.
Soweit das gängige Klischee über Geisteswissenschaftler - zugespitzt zwar, aber in abgeschwächter Form durchaus salonfähig. Die Geisteswissenschaften, einstmals die akademische Königsdisziplin, haben in der gegenwärtigen Debatte um den Wert einzelner Hochschuldisziplinen einen schweren Stand.
Der unmittelbare wirtschaftliche Nutzen von Ingenieur-, Wirtschaft- und Naturwissenschaften scheint auf der Hand zu liegen, die Geisteswissenschaften gelten dagegen als Verlustbringer. Während jeder 08/15-BWLer seinen vermeintlichen Marktwert mit stolz gegeltem Kamm vor sich her trägt, bekommen angehende Germanisten, Soziologen und Historiker schon im ersten Semester eingeredet, sie sollten besser neben den Seminar- auch einen Taxischein erwerben.
Grundlose Panik
Dass solche Panikmache Humbug ist, merken die meisten Geisteswissenschaftler erst, wenn sie dann doch den Sprung in den Beruf schaffen. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftsrates ist jedoch dazu geeignet, dass lädierte Ego der Geisteswissenschaftler schon früher aufzurichten. “Die Leistungen der Geisteswissenschaften sind in der Forschung ebenso wie in der Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses sehr gut und international anerkannt”, resümiert eine Arbeitsgruppe von deutschen und internationalen Experten, die sich der geschmähten Disziplinen angenommen hat.
Das 160 Seiten starke Positionspapier mit dem Titel “Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland” wurde Montag in Berlin vorgestellt. “Unser zentrales Anliegen ist die Stärkung der Geisteswissenschaften in den Universitäten”, sagt Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates.
Die renommierte Wissenschaftsorganisation verwehrt sich gegen eine “deplatzierte Krisenrhetorik” und verweist auf Erhebungen, wonach 73 Prozent der geisteswissenschaftlichen Absolventen fünf Jahre nach ihrem Abschluss einen festen Job haben. Das liegt nicht allzu weit unter dem Mittelwert aller Studienfächer von 87 Prozent. Das “Tätigkeitsspektrum” von Geisteswissenschaftlern habe sich erheblich erweitert. Der Wissenschaftsrat führt als Arbeitsfeld “Hochschul-, Forschungs- und Kultureinrichtungen” an, die Medien sowie “Dienstleistungen bis hin zu Handel, Transport oder Wirtschaftsberatung”.
“Kulturelle und politische Selbstvergewisserung”
Die scheinbar nutzlosen Fächer bereiten aber nicht nur auf den Beruf vor. Der Wissenschaftsrat weist ihnen auch eine höhere Aufgabe zu: Die Geisteswissenschaften wirkten “gleichermaßen an der kulturellen und politischen Selbstvergewisserung Deutschlands und an der ökonomischen Wertschöpfung mit”, heißt es in dem Papier.
Willkommener Zuspruch für gebeutelte Disziplinen, stehen die Geisteswissenschaften doch auf den Streichlisten klammer Finanzminister ganz oben. Auch bei der Verteilung von neuen Geldern haben sie einen schweren Stand. Vor rund einer Woche mussten die Geisteswissenschaften ihren jüngsten Dämpfer erdulden: Die Liste der Projekte, die im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert werden, führt hauptsächlich Eingaben aus Technik und Naturwissenschaften.
So werden die Geisteswissenschaften gleich von zwei Seiten bedrängt: Ihre breite Basis wird in Frage gestellt, indem man ihnen die Mittel entzieht. Und in die Spitze heben will sie auch niemand so recht. Der Wissenschaftsrat ermahnt deshalb die Bildungspolitiker mit gutem Grund, einen “Kernbestand geisteswissenschaftlicher Disziplinen” zu erhalten. Dazu zählen die Experten folgende fünf Kompetenzbereiche, die unbedingt zu einer Volluniversität gehören sollten: Erstens Sprachen und Texte, zweitens Bild, Musik und Theater, drittens Geschichte und Gesellschaft, viertens Erkenntnis, Ethik und Religion und fünftens außereuropäische Wissensbereiche.
Betreuung verschlechtert sich weiter
Um ihre Kräfte zu bündeln, sollten Geisteswissenschaftler aber stärker interdisziplinär arbeiten und sich auf ihre Kernkompetenzen und zentralen Methoden besinnen. Zusätzlich regt der Wissenschaftsrat an, nach angelsächsischem Vorbild bis zu 20 “Institutes for Advanced Studies” einzurichten, in denen sich Hochschullehrer und Gastwissenschaftler der Forschung widmen können.
Das alles geht nicht ohne zusätzliches Geld. Ohne “substantielle Mittelzuwächse”, so der Wissenschaftsrat, seien die Forschungsleistungen bedroht. Der Sparkurs belastet vor allem die Lehre: In geisteswissenschaftlichen Studiengängen kam im Jahr 2003 ein Professor auf 93,7 Studenten, während es vier Jahre zuvor noch 75,3 Studenten waren. Ein Zehntel des gesamten Wissenschaftspersonals an Hochschulen unterrichtet ein Viertel der gesamten Studenten. Die Fächergruppe der Geisteswissenschaften muss dabei mit einem Zehntel der Hochschulausgaben auskommen.
Rund 45 Prozent der potentiellen Geisteswissenschaftler brechen ihr Studium ab, fast doppelt so viele wie in den anderen Fächern. Diese Quote wird sich in den kommenden Jahren eher noch verschlechtern: Die Fakultäten erwarten weitere Stellenkürzungen, bei gleichzeitig steigenden Studentenzahlen.
Die Werbeoffensive fällt mit einer Personalie zusammen, die ebenfalls die Geisteswissenschaften stärken könnte: Neuer Vorsitzender des Wissenschaftsrates wird der Münchner Altgermanist Peter Strohschneider. Er löst den Neurologen Karl Max Einhäupl an der Spitze des Expertengremiums ab.
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BWL-Weiterbildung für Quereinsteiger 1. Februar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Weiterbildung , 4kommentareEs soll ja durchaus Berufseinsteiger geben, die Kurs auf das Management nehmen und keinen kaufmännischen Hintergrund haben. Auf diese Notwenigkeit, sich betriebswirtschaftliches Wissen anzueignen, reagierten verschiedene Weiterbildungsinstitutionen mit den unterschiedlichsten Programmen. Eine (unvollständige) Auswahl von Anbietern habe ich im folgenden zusammengetragen. Über Ergänzungen oder Berichtigungen bin ich jederzeit dankbar.
Eine interessante Alternative ist das Kurs- und Zertifikatssystem von Xpert Business sowie das e-Trainingsprogramm “BWL für Geisteswissenschaftler” von BEGA Tools & Training.