Karriere-Coach für Studenten? 12. Januar 2006
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Studentischer Geist , 5kommentareWir alle beobachten diese Entwicklung seit Jahren: Da wo die staatlichen Hochschulen aufgrund Personal- und Geldmangels ihre Serviceleistungen zurückfahren, nehmen private Anbieter ihren Platz ein. Die neueste Beratungsleistung, die (gut gestellte oder langfristig denkende) Studenten auf diese Weise nutzen können, ist das Karriere- oder auch Studien-Coaching. Das Spektrum reicht von standardisierten Stärke-Schwäche-Analysen (z.B. vom geva-Institut) bis hin zur Einzelstunde mit dem eigenen Coach (beim “Googeln” fand ich das, das und das). Zwar hatte ich von bereits von Coaches (Heißt es nicht doch Coachs?) gelesen, die Eltern bei der Wahl des richtigen Internats/Privatschule und Führungskräfte auf dem Weg ins Top-Management beraten; auf die Idee, dass es das auch für Studenten geben müsste, kam ich allerdings nicht. Welche Tagessätze und welches Stundenhonorar verlangt man überhaupt bei einem Menschen, der (aller Erfahrung nach) sein gesamtes Geld für Studium und das restliche Leben benötigt? Regelt das der zweite KfW-Kredit neben den Studiengebühren?
Nicht, dass der falsche Eindruck entsteht, ich würde es allen Studenten missgönnen, die eine derartige Beratung in Anspruch nehmen könnten. Einen Coach (besser noch Mentor) sein Eigen nennen zu dürfen, ist genauso wertvoll das Gespräch mit Freunden - es erleichtert das Leben ungemein. Ich frage mich nur, warum es mit unserem staatlichem Hochschulsystem soweit kommen muss, dass mit dem Stillstand an deutschen Universitäten noch Geld verdient wird.
Die Schuld daran trifft sicher nicht die Berater, im Gegenteil, sie springen wenigstens in die Bresche, wo sonst niemand hilft. Aber ein Mindestmaß an Beratung von Hochschulseite sollte jeder Student erhalten können - möglichst über die eingschlägigen veralteten Arbeitsamtbroschüren hinaus. Wer es sich dennoch leisten kann, auf bezahlte Hilfe zurückzugreifen, der sei darum beneidet!