Wertloser MBA? 15. September 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : MBA und Promotion , 4kommentareFür alle Geistes- und Sozialwissenschaftler gilt er als das Eintrittszeugnis in die Wirtschaft: der Master of Business Administration. Doch im Gegensatz zur Promotion türmt sich bei der Wahl der richtigen Hochschule ein Berg von Angeboten auf. Mit einiger Verzögerung machen es deutsche Hochschulen ihren angelsächsischen Vorbildern nach, jedoch größtenteils mit zweifelhaftem Erfolg und bescheidenem Renommé.
Dieses weltweite Überangebot an MBAs (in Deutschland bis in Fachhochschulen und Berufsakademien hinein) rief nun die ersten Kritiker auf den Plan. Der Vorwurf: falsche Lehrpläne, sinkende Akzeptanz, unverhältnismäßige Kosten. In einem Beitrag auf Jo’s Jobwelt - einem Business-Weblog der Wirtschaftswoche - wurde der Rückzug auf sogenannte Executive MBAs vorgezeichnet, da hier eine gewinnbringende Weiter- und Ausbildung der Führungskräfte gewährleistet wäre. Teilnehmer dieser Programme seien im Schnitt 35 Jahre und brächten Berufs- und Führungserfahrung mit in den Unterrichtungsalltag. Das Urteil über einen Junior-MBA (Zulassung auch ohne bzw. mit nur geringer Berufserfahrung) fällt in den seltensten Fällen gut aus.
Als weitere Alternative wird ein berufsbegleitender MBA ins Gespräch gebracht. Das brächte den Vorteil mit sich, dass der Kursteilnehmer für den Arbeitgeber nicht völlig ausfällt und der Austausch zwischen der Seminartheorie und dem praktischen Unternehmensalltag erhalten bleibt. Das Gesamtbild, das von den Kritikern gezeichnet wird, bleibt dennoch trist. Zu groß sei die Auswahl an Programmen und zu gering bei aussagekräftigen Qualitätssiegeln.
Das macht mich stutzig: Wieso wird mit Vorliebe in Deutschland nach Möglichkeiten gesucht, die Besten vom Bodensatz der Blender herauszufiltern? Der Wettbewerb und die Nachfrage nach den Spitzeninstituten wird in ein paar Jahren seine Wirkung auf dem Bildungsmarkt entfaltet haben. Hervorragende und international geschätzte Abschlüsse werden durch beständige Leistung von Hochschulen über viele Jahre aufgebaut und nicht durch irgendwelche Rankings. Wer in der Branche einen guten Ruf genießt, bekommt das durch erfolgreiche Absolventen gezeigt. Pauschal von einem wertlosen MBA zu besprechen ist somit falsch. Wie immer gilt für Bewerber wie für den Anbieter der alte Grundsatz: Augen auf und hingeschaut!