Lieblingskinder des Consulting? 12. September 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Consulting , einen kommentar schreibenWürde eine Umfrage unter allen Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) zu Beginn Ihres Studiums durchgeführt, käme die Branche nicht einmal in der Kategorie “Notfalls-arbeite-ich-auch-da” in den einstelligen Prozentbereich. Das Berufsfeld des Unternehmensberaters ist nicht gerade das, was GSWler zu ihrem goldenen Karriereweg machen. Dabei werben Beratungen mitterweile offen und gezielt GSWler an.
Boston Consulting (BCG) scheint von allen Top-Beratungen, die größten Köder auszuwerfen. Ein eigener Workshop für Geisteswissenschaftler mit dem schneidigen Titel Unternehmergeist 2005 soll Querdenker mit Affinität zur Wirtschaft ins Unternehmen bringen. Andere Consulting-Firmen werden auf diesen Zug sicher aufspringen, sollte sich das Einstellungskonzept dauerhaft bewähren. Damit zeigt sich auch nach außen, was in den Personalabteilungen seit Jahren gang und gäbe ist: GSWler stellen (bei ausreichend fachlicher Eignung) mehr als eine exotische Alternative dar. Nicht zuletzt ist dieser Trend auch darauf zurückzuführen, dass die viele Absolventen von “Orchideenfächer” umgedacht haben und die “freie Wirtschaft” nun als echte Chance begreifen.
Das Gros der Absolventen scheint sich allerdings immer noch zu zieren. Entweder schrecken hohe Einstiegshürden oder das vermeintlich schlechte Image des nomadenartigen Workaholic. Beide Einwände haben ihren wahren Kern und sind so doch nicht richtig. Zum einen kann der GSWler hohe Anfoderungen dadurch begegnen, indem er sich darauf vorbereitet und zum anderen fordern Karrieren in vergleichbaren Berufsfeldern heutzutage ähnlich viel Arbeitszeit. Das lässige Verschicken von ein paar Dutzend Bewerbungen auf klassische “Nine-to-five-Jobs” kann sich auf dem gegenwärtigen Arbeitsmarkt kein Akademiker mehr leisten. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist auf allen Gebieten entbrannt und verlangt v.a. GSWlern alles ab. Wer immer noch Zweifel hat, in der Consulting-Branche unterzukommen, sei ein Interivew mit einem Geschäftsführer von BCG aus dem Jahr 1998 ans Herz gelegt.
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