Die “sozio-logische” Karriere 5. September 2005
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , trackbackWenn man lange genug wartet, sind sie wieder mal dran: Artikel zu Karrierechancen von Geistes- und Sozialwissenschaftlern. In der aktuellen Ausgabe des Magazins Karriere (09/2005) widmete man sich den Soziologen in einem sechsseitigen Spezial. Die Aufforderung an die Zielgruppe lautete wenig überraschend: Breit qualifizieren und flexibel sein!
Angesichts der beigefügten Statistiken und Grafiken schien dieser Zuruf bitter nötig. Steigende Studentenzahlen (Verdoppelung der Absolventenzahlen im Zeitraum von 1995 bis 2003!) und eine langsam aber stetig wachsende Arbeitslosigkeit unter den Soziologen trägt nicht gerade zu ihrem Selbstbewusstsein bei. In einer Statistik der Universität Konstanz rangieren Kultur- und Sozialwissenschaftler mit 19 bzw. 17 Prozent auf Platz zwei und drei der Zukunftsängsteskala hinter den Juristen. Vielleicht erklärt sich so das hohe Alter der Graduierten mit 29,6 Jahren; warum einen zügigen Hochschulabschluss anstreben, wenn mit dem Zeugnis die Probleme anfangen. Ein Aufbaustudium verschlimmert die Situation dann meist nur noch. Kaum verwunderlich, dass eine Karriere an der Hochschule zu den Top drei der Berufswünsche zählt.
So umfassend das Soziologen-Spezial auch wirkt, so sehr irrierte mich, dass man sich in der karriere-Redaktion mit der bloßen Feststellung des (ohnehin) Bekannten begnügnete. Wo bleiben die Links, Tipps und Bücherempfehlungen, die über die Problemdarstellung hinausgehen? Ganz selbstverständlich werden bei den spezifischen Berufsfeldern Marketing/Vertrieb, PR, Personalwesen, Consulting und andere wirtschaftsnahe Sparten aufgelistet. Außer den persönlichen Portraits zweier “Young Professionals” aus der Marktforschung und der PR ließ sich nichts Konkreteres finden. Wenn Artikel der Zeitschrift einen Zweck dringend erfüllen müssen, dann doch den, dass sie Orientierung geben und weiterführende Informationen liefern! Es hilft dem (neugierigen) Leser nicht zu lesen, man solle sich mit EDV-, Sprachen- und v.a. BWL-Kenntnissen wappnen, wenn die “Anschlussinformation” fehlt. Hat man in den Karriere-Ressorts Angst davor sein Pulver (Insider-Wissen) zu verschießen, so dass es in ein paar Wochen zu einem ähnlichen Spezial nicht mehr reicht? Sozio-logisch, so macht es den Anschein!