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Geistreich die Öffentlichkeit bearbeiten 1. August 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Corporate Communication , 2kommentare

Eine der wenigen Einfallstore für geisteswissenschaftliche Absolventen ist seit jeher die Unternehmenskommunikation. Als eine der wenigen Bereiche in einem Industrie-/Wirtschaftsunternehmen wirbt sie gezielt Geisteswissenschaftler an. Welche Qualifikationen kommen ihnen für diesen Unternehmensbereich zugute? Könnten “geistreiche” Betriebswirte nicht ein genaueres Bild der Firma in der Öffentlichkeit kommunizieren?

Wer die Klischees nicht schon vor dem Studium kannte, wird spätestens nach dem ersten Semester eines besseren belehrt: Geisteswissenschaftler haben einen Hang zu blumigen Worten, dicken Büchern und dem Feuilleton der ZEIT; BWLer hingegen entwicklen eine Vorliebe für Studienbücher mit vielen Übersichtstabellen, dem Wirtschaftsteil des Handelsblatt und kurzen, prägnanten Sätzen. Ist man nach den eigenen Beobachtungen und abfälligen Bemerkungen an der jeweiligen “Gruppe” nicht überzeugt, sorgen Hochschulmagazine pünktlich zu jedem Wintersemester für die Normierung althergebrachter Studentenmärchen (dass es auch anders geht zeigt das unimagazin). Und da sich Inhalte dem menschlichen Gehirn durch Wiederholungen besonders gut einprägen, ist es keinem zu verübeln, wenn die textproduzierende Unternehmenskommunikation ein Auge auf die “Nicht-BWLer” wirft.

Der gedankliche Schluss scheint einleuchtend: Geisteswissenschaftler arbeiten überwiegend mit einer Unmenge an Literatur, also müssen/sollten sie über ein hohes Maß an Textverständnis verfügen. Denn wer die meiste Zeit seines Studiums vertrackte, wissenschaftliche Satzkonstrkutionen und Sachverhalte knacken muss, sollte doch schließlich schreiben können – egal für wen. BWLer, so die gängige Meinung, würden zu solchen Leistungen nie gefordert, ergo wären sie auch ungeschickter in Schrift und Wort. So weit, so gut. Doch an diesem Punkt reißt die Argumentationskette.

Es wird von niemandem bestritten, dass in beiden Lagern idealtypische Vertreter zu finden sind, die alte Bilder hochhalten. Entscheidend für die spätere Arbeit in der Unternehmenskommunikation ist jedoch die Bereitschaft, sich in verschiedene Sachverhalte schnell und gründlich einzuarbeiten und diese nach journalistischen Grundsätzen zu kommunizieren. Dem Geisteswissenschaftler mögen seine vielen Stunden der Lektüre dabei ein Vorteil sein; die Kunst, für verschiedene Adressaten verständlich und interessant zu schreiben, ist allerdings keine Domäne der “Buchwissenschaften”. Sie ist vielen Unkenrufen zum Trotz ein Handwerk, das viel Übung bedarf. Genau betrachtet hat jede Gruppe für sich an eigenen Schwächen zu arbeiten: Geisteswissenschaftler müssen sich angewöhnen, knapp und präzise zu formulieren; BWLer stehen vor der ungewohnten Aufgabe, Sprache mit einem kritischeren Blick zu sehen. Beim schriftlichen Ausdruck können somit beide mit unterschiedlichen Stärken punkten.

Nicht viel anders sieht es bei den “Soft Skills” aus. Powerpiontpräsentationen gehören in beiden Studienrichtungen genauso zum festen Bestandteil der akademischen Ausbildung, wie die selbstständige Arbeit an Studienprojekten. Über divergierende Details ließe sich trefflich streiten; die hohen Anforderungen an das “Eigen-Marketing” in nahezu allen Studienfächern lassen eine Diskussion aber unsinnig erscheinen. Die Unterschiede – dies sollte herausgestellt werden – sind im Ringen um Arbeitsplätze in der Unternehmenskommunikation weitaus geringer als man annehmen möchte. Geisteswissenschaftler besitzen kein exklusives Bewerberprofil, das nicht auch von BWLern in Anspruch genommen werden könnte. Alle Bewerber müssen den Nachweis einer schriftlichen und mündlichen Kommunikationskompetenz nachweisen. BWLer wie Geisteswissenschaftler bewegen sich dabei aus unterschiedlichen Richtungen auf das gleiche Ziel zu.

Was sagt die Wissenschaft? 1. August 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein , einen kommentar schreiben

Es klingt schon reichlich widersprüchlich, wenn ich sage: Wenn man etwas über die (Berufs-)Praxis wissen willst, befrage die akademische Theorie. Wo doch jeder weiß, dass die Berufswelt anderen Regeln gehorcht als die idealistische akademische Lehre. Wenn aber die Suche in den gängigen Medien (Internet, Sachbücher) nicht den gewünschten Erfolg verspricht – die ZEIT und das Manager Magazin machen hier eine Ausnahme – muss das Problem auf wissenschaftlichem Wege angegangen werden.

Eher durch einen Zufall stieß ich auf auf zwei Dissertationen, die exakt der Fragestellung dieses Weblogs nachgegangen sind. Erstere von Heiko Konrad (“Sozial- und Geisteswissenschaftler in Wirtschaftsunternehmen”) beschäftigt sich u.a. mit dem Berufsbild des General Managers. Dessen Kompetenz sollte darin bestehen zu erkennen, wann er welches Fachwissen braucht und die Mittel dieses Wissen dann auch zu bekommen. Zuallererst sei er nämlich ein Generalist, der keine spezifisches Fachwissen benötige. Für einen Geisteswissenschaftler, der sich betriebswirtschaftliche Grundlagen angeeignet habe, käme dieses Anforderungsprofil sehr zupass, da er ja gewohnt sei, themenübergreifend zu arbeiten. Den entscheidenden Punkt stellte Konrad, wie ich meine, heraus, als er einen General Manager mit soziologischer Ausbildung sprechen ließ:” Der General Manager muss über die Fähigkeit verfügen, die Angst, es in der Praxis nicht zu schaffen, überwinden. In der Praxis komme es nicht darauf an, zu wissen, sondern zu machen, die protestantische Ethik nicht zu zitieren, sondern zu leben.” Die bei Geisteswissenschaftlern oft angemahnten fehlenden BWL-Kenntnisse bewertete Konrad in seinen Untersuchungen gering. Welche Chancen Geisteswissenschaftlern offenstünden, ist für Konrad somit eher in ihren Köpfen zu suchen, als in den Rahmebedingungen der Personalabteilungen.

Die zweite, weitaus interessantere Arbeit von Birgit Wannewitz (“Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft”) geht über eine reine Situationsanalyse hinaus und entwirft sogar ein Modell zur Verbesserung der Berufseintrittschancen. Sie sieht sich in ihrer Hypothese bestätigt, dass Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) die höchsten Einstellugnschancen haben in Unternehmen, die Assessment Center (AC) zur Personalauswahl verwenden. Da vor allem Unternehmen mit über 50 akademischen Nachwuchskräften pro Jahr ACs ausrichten, seien große Unternehmen für GSWliche Bewerber eher geeignet als kleinere Unternehmen. Belegt werden die Thesen mit Umfragen in verschiedenen Branchen und Unternehmen unterschiedlicher Größe.

Die Argumentation leuchtet mir ein, spielt sie doch dem “typischen” Qualifikations- und Persönlichkeitsprofil eines GSWlers in die Hand. Dem stellt Wannewitz aber auch ein erhebliches Qualifikationsdefizit auf seiten der GSWler entgegen, sowohl in fachlicher Hinsicht als auch bei den Persönlichkeitsmerkmalen. Dem kann, so Wannewitz, nur entgegnet werden, indem fachliche Kompetenzen frühzeitig Praktika, Zusatzkurse und Seminararbeiten wirtschafts- und unternehmensnah ausgerichtet werden und unternehmensfördernde Persönlichkeitsmerkmale in Studenteninitiativen und als Werkstudent aufgebaut werden. Hat man diese Vorgaben so gut es geht erfüllt, warte auf den Bewerber eine weitaus schwierigere, weil unerwartete Hürde – der “Mythos” der Unvereinbarkeit von GSW und betrieblicher Praxis. In den Umfragen von Wannewitz gingen Personaler von der Annahme aus, GSWler könnten nicht zur Lösung betrieblicher Probleme beitragen, da ihnen fachliche Grundlagen und Management-Skills fehlten. Die Antwort der GSWler darauf müsse darin bestehen, die “Marke” Geisteswissenschaftler gegenüber den Personalern zu stärken. Gerade weil GSWler einen anderen akademischen Hintergrund haben bereichern sie die Unternehmenskultur durch neue Lösungswege, teamorientierte Führung und ausgereifte Kommunikation. Damit tragen sie als Generalisten dazu bei, den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern.

Genau hier könnte aber für viele GSWler das größte Hindernis verborgen liegen. Zu wenige sind von sich und ihrem Studium überzeugt, schaffen es also nicht sich zu “verkaufen”. Dabei gibt ihnen ihre Ausbildung Werkzeuge (neudeutsch auch “Tools” genannt) an die Hand, die sie für diese Situation bestens wappnet. Ist die Erkenntnis gereift, verschließen sich keinem GSWler mit einer ordentlichen Brise Unternehmergeist auf ewig die Tore der Unternehmen. Ich habe mich durch die Lektüre der hier vorgestellten Arbeiten in meinen Annahmen bestätigt gesehen und daraus Mut geschöpft, den Weg in die “freie Wirtschaft” fortzusetzen (siehe auch Artikel in der ZEIT). Dies mit Interessierten zu teilen, war mein Antrieb für diesen Artikel.
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Umbennung zu “UnternehmensGeist” 1. August 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreiben

Nach reiflicher Überlegung habe ich das Weblog von der URL www.unternehmergeist.twoday.net auf www.unternehmensgeist.twoday.net umgestellt. Die Gründe dafür lagen auf der Hand. Zum einen war der Name “UnternehmerGeist” identisch mit einer sozial- und geisteswissenschaftlichen Gründerinitiative der LMU München und zum anderem gab er nicht vollständig den Sinn dieses Blogs wider.

Es soll sich in diesem Blog nicht um Existenzgründungen gehen, sondern um Möglichkeiten von Geistes- und Sozialwissenschaftlern (GSW), in Unternehmen Fuß zu fassen. Die Wortneuschöpfung “UnternehmensGeist” drückt in meinen Augen diese notwendige Geisteshaltung aus, die GSW auf ihrer Werbetour durch die Wirtschaft brauchen. Es ist nichts anderes als das Denken aus der Sicht eines Unternehmens. Die Forderung nach Unternehmergeist greift bei wörtlicher Auslegung dabei zu weit. Von keinem Studenten der GSW kann die (theoretische) Bereitschaft verlangt werden, ein eigenes Unternehmen ins Leben zu rufen. Bringt der Bewerber allerdings diese bemerkenswerte Eigenschaft mit, ist er vielen Kommilitonen aber auch wirtschaftsnahen Konkurrenten einen Schritt voraus.
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