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Weiterbildung UND Networking - sonst läuft nichts! 1. August 2005

Veröffentlicht von Frank Walzel in : Allgemein , trackback

Die Entwicklung ist durchaus beachtlich: An den meisten deutschen Universitäten sprießen Weiterbildungszentren für Geistes- und Sozialwissenschaftler aus dem Boden. Ob sie nun “Student und Wirtschaft”, heißen, “Magister in den Beruf” oder “Projekt Geist und Wirtschaft”, eins ist allen gemein: Sie versuchen Defizite universitärer Ausbildung auszugleichen und die Attraktivität von Absolventen “weicher Fächer” zu steigern. Ihre Angebote reichen von Projektmanagement, Rhetorik, Informationsveranstaltungen zu einzelnen Berufsbilder bis zu Crashkursen über die Grundlagen der BWL und VWL. Wie aber wird die so erworbene “Kompetenz” von den Personalern der Wirtschaftsunternehmen eingeschätzt? Ist sie nur der berühmte “Tropfen auf den heißen Stein” oder lässt sie eine Anstellung in kaufmännischen Berufszweigen wahrscheinlicher werden?

Es ließe sich gut argumentieren, man bräuchte von einem regulärem BWL-Studium ohnehin nur einen schwindend geringen Anteil und das was man in der Praxis bräuchte, könne von geisteswissenschaftlichen Autodidakten mit ein wenig Eigeninitiative aufgeholt werden. Aus meiner Sicht greift diese Ansicht in dieser Form allerdings zu kurz. Auch bei hohem Zeit- und Geldeinsatz werden aus Geisteswissenschaftlern nach 40 bis 60 Unterrichtseinheiten wirtschaftskundige und verhandlungungssichere Kaufleute oder Betriebswirte. Vielmehr sollte der Apsirant frühzeitig Anschluss an Berufsverbände und wirtschaftsnahe Vereinigungen suchen, um auf persönlichem Wege Vertreter der Branche kennen zu lernen. “Networking” heißt hier das Stichwort. Geisteswissenschaftler - auf den Karriereseiten der Zeitungen stets als kommunikationsstark gerühmt - könnten ihre Neugier und fachliche Flexibilität voll zum Einsatz bringen und so die Distanz zur “Wirtschaft” verkürzen. Leider, so mein Eindruck, scheinen viele zu diesem Schritt am aller wenigsten bereit und beschränken sich auf die Kommunikation via Telefon, Internet oder den Postweg. Das ist schade, verschwenden sie doch Möglichkeiten, durch persönliche Erfahrungen ihr Profil (und Charakter) zu schärfen und an der “Selektionsmauer” vorbei zu Unternehmen Kontakt aufzunehmen. Dass sich die Einstellungen geisteswissenschaftlicher Studenten diesbezüglich ändern werden, bin ich mir sicher - und wenn es aus Angst vor der drohenden Arbeitslosigkeit ist.
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