Philosophische Unternehmensführung 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 3kommentareKlaus Esser, Jürgen Schrempp, Ferdinand Piech, Josef Ackermann … die Liste der Vorstände und Aufsichtsräte, die durch Ihr fragwürdiges Führungsverhalten aufgefallen sind, ist v.a. in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Affäre um Volkswagen ist das aktuellste Beispiel mangelnder Transparenz und Kontrolle.
Die Ausarbeitung eines Corporate-Governance-Kodex im Frühjahr 2002 sollte dem entgegen wirken und darüber hinaus ein Regelwerk zur Unternehmensleitung und auch -überwachung bereit stellen. Warum aber sperren sich (manche) Unternehmen gegenüber dieser Selbstverpflichtung? Liegt es an der Unternehmensphilosphie, die eben den Teil der Philosophie zu kurz kommen lässt? Wäre im Sinne von UnternehmensGeist.net ein höher Anteil von Geistes- und Sozialwissenschaftlern in Unternehmen eine probates “Gegenmittel”?
An der Universität Bayreuth wagte man zumindest als Erster den Brückenschlag zwischen geistes- und betriebswirtschaftlicher Welt. Der Studiengang “Philosophy & Economics” scheint einen richtigen Schritt in der Ausbildung zu wagen und auf den Bedarf von geisteswissenschaftlichen Lerninhalten im kaufmännischen Studium zu reagieren. Anhänger der “puristischen Lehre” (BWL in Reinform) sollten mit Kritik vorsichtig sein. Einen erfolgreichen Trend als bedeutungslos abzutun, zwingt bei abwartender Haltung meist viel zu spät zum “Update”.
Managment als Handwerk 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Management , einen kommentar schreibenEs gehört sicherlich zu den Musts eines Sachbuch-Autoren sich mit einer knackigen These aus der Masse der Mitschreiber abzuheben. So geschehen bei Fredmund Malik (Verwaltungspräsident des gleichnamigen Malik Management Zentrums in St. Gallen), der mit seiner neuen Buchreihe im FAZ-Verlag mit dem Titel “Management. Das A und O des Handwerks” gegen verkünstelte Management-Philosophien zu Felde zieht.
Aus seiner Sicht sind für gutes Management weder BWL noch eine MBA notwendig, eben weil es von jedem erlernt und anschließend gelehrt werden kann. In einem Gespräch mit der FAZ vom 31.10.05 (S. 22) ging er sogar noch weiter und meinte man könne bis auf wenige Ausnahmen (Drucker, Collins, Simon und Sprenger) die Managementliteratur der letzten 15 Jahre vergessen. Vor allem störte ihn, dass “alle zwei Wochen eine neue Art von Management erfunden wurde”. Richtiges Management richte sich nach der Frage, was funktioniere. Man lerne Management einmal im Leben und dafür richtig. Ein weiterer Kritikpunkt Maliks ist die falsche akademische Ausbildung. Zwar bekämen die Studenten “Wortschäume” wie Leadership, Visionen und Global Governance beigebracht, Techniken wie man sie umsetzen kann, lernten sie allerdings nicht.
Es tut gut diese Meinung so klar und direkt von Fredmund Malik zu hören, räumt sie doch mit der inflationären Verwendung der Vokabel auf. Ein weiterer erfreulicher Punkt ist der Seitenhieb auf die abgehobenen Management-Autoren, die ihr Fach als wissenschaftliche Königsdisziplin begreifen wollen. Nichts ist schlimmer als gesagt zu bekommen, das eigene mühevoll aufgeblähte Thema reduziere sich letzen Endes auf einfach nachzuvollziehbare Grundsätze. Oder noch besser: Ihr Job als Autor und der von ihnen beschriebene Manager ist nicht nur das Produkt wirtschaftswissenschaftlicher Elite-Schmieden (bei allem Respekt für Ihre erstklassige Ausbildung), sondern kann auch von Geistes- und Sozialwissenschaftlern erledigt werden. Dafür gebührt Fredmund Malik seit Jahren Dank.
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Seine Lieblinge bei Amazon 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenUm über dieses Knowledge-Weblog hinaus, Geistes- und Sozialwissenschaftlern (inkl. allen anderen nichtkaufmännischen Absolventen) Literaturtipps für den Einstieg in die Wirtschaft zu geben, habe ich bei Amazon eine sogenannte “Lieblingsliste” angelegt. Unter dem Titel “Karrierebücher für Geisteswissenschaftler” sind nun einem größerem Publikum meine Empfehlungen zugänglich.
Die Erstellung einer derartigen Liste kann ich jedem Business- oder Knowledge-Weblogbetreiber nur wärmestens ans Herz legen. Neben der PR für das eigene Weblog führt es auch zu einer besseren Vernetzung über die Blogosphäre hinaus.
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(Existenz-)Krise der Geisteswissenschaften 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenAls ich die Artikelserie in der ZEIT (22.04.05, Nr. 18) zur Krise der Geisteswissenschaften im April las, war die Idee für UnternehmensGeist.net noch nicht geboren und daher wanderte die Ausgabe ungenutzt in den Papierkorb. Durch einen Bericht bei Perlentaucher wurde ich wieder darauf gestoßen. Der ehrliche Artikel von Martin Spiewak muss jedem Geistes- und Sozialwissenschaftler aus dem tiefstem Herzen sprechen. Da die Adressaten des Artikels zufäligerweise auch gleichzeitig die Zielgruppe der Wochenzeitung sind, ist sicher gestellt, dass die Botschaft auch ankommt!
Rettet euch selbst, sonst tut es keiner
Die Geisteswissenschaften sind für die Zukunft schlecht gerüstet. Sie müssen sich ändern. Oder untergehen
Von Martin Spiewak
Nichts ist für die Geisteswissenschaften so beständig wie die Krise. Die Schriften zum Thema „Krise und Zukunft der Geisteswissenschaften“ sind mittlerweile zu einem eigenen literarischen Genre geworden. Und dennoch leben sie noch immer, die Germanisten, Historiker und Philosophen, die Altsprachler und Theologen. Und das nicht schlecht. Betrachtet man die Zahlen, könnte man gar von einer Blüte sprechen. Von Jahr zu Jahr sind die Studentenzahlen in den Sprach-, Kultur- sowie Sozialwissenschaften stetig gestiegen. Nie waren sie so hoch wie heute. Das Gleiche gilt für das Personal: Mehr als 20000 Beamte und Mitarbeiter für geisteswissenschaftliche Angelegenheiten leistet sich Deutschland. Am forschenden Nachwuchs mangelt es ebenso wenig. 2500 Dissertationen entstehen jährlich an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Allein bei den Historikern warten 250 Privatdozenten auf eine Professorenstelle.
Welche Krise also?, könnte man fragen – und antworten: Allein die Finanzen stecken in einer Krise. Mehr Geld für Lehre und Forschung, und dann lasst uns in Ruhe. Viele Professoren denken so, vielleicht die Mehrheit. Sie sind die Totengräber ihrer Disziplin. Denn die Rechnung wird nicht aufgehen. Weder wird man die Geistes- und Sozialwissenschaften in Ruhe lassen noch ihnen mehr Geld geben. Die akademischen und gesellschaftlichen Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens sind nämlich dabei, sich grundlegend zu verändern. Früher konnten sich Geisteswissenschaftler auf eine kulturelle Prägung verlassen, die Politik und Gesellschaft verband. Wer wollte damals bestreiten, dass das Studium Hölderlinscher Gedichte per se sinnvoll ist? Heute jedoch existiert ein kultureller Kanon nicht mehr, der Distinktionswert historischer oder literarischer Bildung verblasst. Einem Helmut Kohl war die „Geschichte“ noch eine politische Kategorie; für seinen Nachfolger ist sie nicht viel mehr als ein Redeversatzstück.
Heute muss Wissenschaft etwas nützen und dafür selbst den Beweis erbringen. Das war früher anders. Da stellten Staat und Gesellschaft ihren Forschern Stellen und Räume zur Verfügung, ohne dafür Rechenschaft zu verlangen. Man vertraute auf die inneren Spielregeln des akademischen Systems und meinte, dass Wissenschaft dann den größten Gewinn für die Allgemeinheit bringt, wenn man sie mit sich allein lässt. Dieser „Gesellschaftsvertrag für die Wissenschaft“ steht heute zur Disposition, sagt der Bielefelder Soziologe Peter Weingart.
Versuchens Sie es doch mal!
Alle Disziplinen sehen sich mit der Frage konfrontiert: Was gibt die Wissenschaft der Gesellschaft zurück? Wer seine Existenzberechtigung nicht begründen, die Qualität von Forschung und Lehre nicht belegen kann, dem drohen Sanktionen. Denn unter dem Druck des Wettbewerbs und der leeren Kassen werden die Hochschulen nicht mehr das gesamte Fächerspektrum anbieten können. Sie werden einige Fachbereiche stärken, andere ausdünnen oder völlig schließen. Welche Schwerpunkte gesetzt werden, zeigen jüngste Beispiele.
Für die Hamburger Hochschulen schlug die Dohnanyi-Kommission vor, die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer um ein Viertel ihrer Studenten zu erleichtern. Als man den Berliner Finanzsenator fragte, wo er bei den Hochschulen seiner Stadt noch Sparpotenziale sehe, fielen ihm die Geistes- und Sozialwissenschaften zuerst ein. In Zukunft wird es nicht einmal mehr die böse Politik brauchen, um die einen Disziplinen zu fördern und die anderen zu stutzen. Ausgestattet mit mehr Autonomie und globalen Budgets, werden die Universitätsleitungen das Geschäft übernehmen. Würden sie es nicht tun, hätten sie ihren Job verfehlt.
Es fehlen sogar Grundfertigkeiten
Man mag diese Trends kritisieren, umdrehen kann man sie nicht. Und wie verhalten sich die deutschen Geisteswissenschaften? Bestenfalls abwehrend und defensiv. Wie sind sie gerüstet für den Wettbewerb um Geld, Aufmerksamkeit und einen bedeutenden Platz in der Universität? Denkbar schlecht. Ihre Wirkung nach außen ist gering. Ihre Bereitschaft zur Qualitätskontrolle scheint ebenso minimal wie ihr Veränderungswille. Dabei hätten sie mehr als alle anderen Fächer Anlass zur Reform. Zum Beispiel in der Lehre. Jeder zweite Student der Geistes- und Sozialwissenschaften braucht deutlich länger bis zum Examen als vorgesehen. Philosophen und Historiker bleiben rund 14 Semester an der Universität. Germanisten und Soziologen ein Semester weniger – wenn sie es denn so weit bringen. Denn auf der Rangliste der Fächer mit den höchsten Abbrecherquoten besetzen Geistes- und Sozialwissenschaften die ersten fünf Plätze; vorneweg die Philosophie: Hier gelangt nur einer von acht Studienanfängern zum Examen.
Die Bildungspolitik trifft an diesem Missstand große Mitschuld. Sie bürdete den billigen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern die Hauptlast der Bildungsexpansion auf. Auch die Studenten machen es ihren Fächern nicht immer leicht. Viele Sprach- und Kulturwissenschaftler wählen ihr Fach aus Verlegenheit. Zudem arbeiten sie „seltener für das Studium“, wie eine vom Bundesbildungsministerium herausgegebene Studie formuliert. So hatten von den Anglisten nur 37 Prozent den festen Willen zu studieren, während die Studenten der Soziologie die 30-Stunden-Woche verwirklichen – im laufenden Semester wohlgemerkt.
Die Hauptverantwortung liegt jedoch bei den Fachbereichen und ihren Professoren. Selbst nach 20 Jahren haben sie aus den Missständen keine Konsequenzen gezogen. Der Studienplan für angehende Historiker oder Literaturwissenschaftler ist weiterhin auf den Lehrerberuf oder die Universitätskarriere zugeschnitten. Dabei beenden zwei Drittel der Geschichtsstudenten ihre Unijahre nicht mit dem Staatsexamen, sondern mit dem Magister. Einen Einstieg in einen Beruf außerhalb von Schule und Hochschule bietet dieser Abschluss nicht.
Selbst fünf Jahre nach ihrem Examen besetzen nur 42 Prozent aller Geistes- und Sozialwissenschaftler eine unbefristete Vollzeitstelle, zeigt eine Absolventenstudie des Hochschul-Informations-System (HIS). Als HIS-Mitarbeiter Magisterabsolventen nach dem Wert ihrer Universitätsausbildung fragten, gab nur ein Viertel an, das Studium habe ihnen Berufskenntnisse vermittelt. Dabei wünscht sich die Mehrzahl der Studenten mehr Praxisbezug und eine bessere Berufsorientierung. Die Universität ignoriert diess weitgehend. In der Regel bekommt der Student noch nicht einmal Grundfertigkeiten wie gutes Schreiben, Argumentieren oder Präsentieren von Ergebnissen vermittelt. Wer es nicht schon vorher kann, lernt es weder im Studium noch – wenn er der Wissenschaft treu bleibt – bei Promotion oder Habilitation.
Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass die Früchte geistes- und sozialwissenschaftlichen Schaffens einem größeren Publikum verschlossen bleiben. Zwar erfreuen sich historische Themen großer Beliebtheit. Doch die deutsche Geschichtswissenschaft profitiert davon kaum. Wo bleiben die populären Bücher deutscher Historiker? Nun könnte man einwenden, kein Universitätsprofessor wolle auf dem Niveau von Guido Knopp schreiben. Doch es geht auch anders. Ian Kershaws Hitler-Biografie zum Beispiel wurde ein großer Erfolg, geschrieben von einem britischen Universitätshistoriker.
Erfolgreiche Außenseiter
Die letzte große historische Debatte hat ein Publizist angestoßen, einer ohne Studium übrigens: Jörg Friedrich mit seinem Buch Brand (Propyläen Verlag). Und auch die Wehrmachtsdebatte wurde von einem Institut initiiert, das nur eine lose Verbindung zur Universität hält. Dabei steht die Geschichte, was Resonanz und Relevanz angeht, noch vergleichsweise gut da. Wo liest man von Deutschlands Germanisten außer in ihren Fachjournalen? Kants Welt (Rowohlt Verlag) erschließt Leben und Denken des Philosophen einem breiten Publikum. Sein Autor, Manfred Geier, hat zwar ein „Prof.“ vor dem Namen. Mit der Universität hat er jedoch längst nichts mehr zu schaffen.
Nun sollen nicht alle habilitierten Geisteswissenschaftler versuchen, Bestseller zu schreiben. Den ein oder anderen würde man sich indes schon wünschen. Insbesondere verbeamtete Forscher haben den Auftrag, ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und sich aktuellen Fragen zu widmen. Sie nutzen damit der Stellung ihres Faches wie sich selbst. Doch bis auf Ausnahmen sind die großen Themen der Zeit – die neuen Erkenntnisse der Gen- und Hirnforschung, der kulturelle und soziale Zerfall der westlichen Gesellschaften, die Folgen von Migration und Globalisierung – noch nicht im Zentrum der Kultur- und Sozialwissenschaften angekommen. „Engagement und Schärfe werden nur aufgeboten, wenn es um die Wissenschaftspolitik geht, also pro domo“, schreibt der Sozialpsychologe Harald Welzer in der SZ über seine Kollegen.
Wie es um die Qualität der geisteswissenschaftlichen Forschung bestellt ist, darüber können sich Außenstehende kaum ein Urteil bilden. Naturwissenschaftler haben Nobelpreise und Patente. Ihre Beiträge müssen sich einem internationalen Expertenurteil stellen, bevor sie in einer Zeitschrift gedruckt werden. In den Geistes- und Sozialwissenschaften fehlen solche Bewertungsmerkmale. Drittmittel wären ein Kriterium. Doch anstatt dieses Kriterium anzuerkennen, polemisieren viele Vertreter der Zunft gegen die „Diktatur der Drittmittel“ und tun so, als ob es für Geisteswissenschaftler keine Fördergelder gebe. Das Gegenteil ist der Fall: Die Förderquote bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stagniert seit vielen Jahren bei rund 15 Prozent – nicht weil es an Geld, sondern weil es an aussichtsreichen Anträgen mangelt.
Es besteht die Gefahr, dass sich die Geistes- und Kulturwissenschaftler so lange allen Evaluationsbestrebungen verweigern, bis andere das Geschäft für sie übernehmen. So läuft es bei der Reform der Studienstrukturen, so lief es bei der Habilitation. Die Probleme bei der Ausbildung des akademischen Nachwuchses, zum Beispiel das hohe Alter der Privatdozenten, waren seit Jahren bekannt. Getan hat sich nichts. Erst als Bildungsministerin Edelgard Bulmahn die Habilitation abschaffte und den Juniorprofessor installierte, war das Wehklagen groß. Auch die Umstellung auf Bachelor und Master ist angesichts der beschriebenen Probleme der Lehre eine historische Chance für die Geisteswissenschaften. Doch anstatt sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, verharren die meisten Fakultäten in einer Duldungsstarre. Schuld haben ohnehin stets die anderen: die Gymnasien, die die Abiturienten schlecht ausbilden. Die Studenten, die nicht lesen. Die Politiker, weil sie zu wenig Stellen schaffen.
Doch selbst wenn alle diese Vorwürfe stimmten: Die Antwort der Universität darf niemals Attentismus sein. Wenn die Studenten lesefaul sind: Warum führt man keinen Lesekanon ein und prüft ihn? Wenn die Erstsemester schlecht vorbereitet aus den Schulen kommen: Warum verordnet man wie in den USA keine Lese- und Schreibkurse? Viel wurde in der Vergangenheit über den Sinn der Geisteswissenschaften diskutiert, ob sie Orientierung bieten oder Modernisierungsschäden kompensieren sollen. Solche theoretischen Debatten sind überflüssig, wenn die Geisteswissenschaften ihre Aufgaben erfüllen. Dann werden sie kein Problem haben, ihre Bedeutung zu verteidigen. Der Schmollwinkel ist dafür nicht geeignet.
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Ein Bachelor für die Geistes- und Sozialwissenschaften 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Grundsatz-Artikel , einen kommentar schreibenWer hätte das gedacht: Unbemerkt von der (allgemeinen) Öffentlichkeit trafen sich im April vergangenen Jahres Hochschulverantwortliche und Personaler auf einer Konferenz um über den Bachelor in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu diskutieren. Organisiert vom Stifterverband der deutschen Wirtschaft und der Universität Bayreuth als Gastgeber beriet man über Schlüsselqualifikationen, Einstiegsprogramme in der Wrtschaft und natürlich der Qualitätssicherung des noch jungen Abschlusses.
Schade nur, dass es auf der Homepage keinerlei Informationen zu den Arbeitsergebnissen und Empfehlungen der Konferenzteilnehmer gab. Es hätte sicherlich den ein oder anderen Studenten interessiert, wie denn nun Wirtschaft und Hochschule darüber denken und wie ihre Empfehlungen lauten. Derartige Veranstaltungen müssten in jährlichem Turnus stattfinden, um ein bisschen Schwung in die überfällige Debatte zu bringen. Soweit ich weiß gab es 2002 sogar eine Konferenz in Köln mit dem Namen “Fatal Attraction” nur für Geistes- und Sozialwissenschaftler, auf der die Wirtschaft diese Abolventgruppe gezielt umworben hatte.
Auch hier muss die Frage gestellt werden: Wo bleiben die Nachfolger? Wurde das Angebot wegen mangelnder Nachfrage eingestellt? Es zeugt von einem gewissen Maß an Nachlässigkeit seitens der Wirtschaft als auch der Hochschulen, dass man keine klar erkennbaren Strukturen aufbaut.
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Die Wirtschaft und ihr schlechtes Gewissen 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 3kommentareNicht erst seit den Ackermanns, Sommers und Essers beschäftigen sich Unternehmen, Universitäten und gesellschaftliche Gruppen mit der Frage, was “gutes”und “richtiges” Handeln in der Wirtschaft ist. In Deutschland gewannen die Debatten erst durch das Verhalten dieser Vorstände zunehmend an Schärfe, zu einer Zeit als die USA mit Enron ihren “unternehmensethischen Super-Gau” schon hinter sich hatten.
Die Berliner Politik ergriff daraufhin zusammen mit Wirtschaftsvertretern die Initiative und erarbeitete den Deutschen Corporate Governance Kodex. Dass es damit nicht getan ist, zeigen die gleichmäßig hohen Zahlen an Wirtschaftsprozessen in Deutschland und auch in allen anderen Industriestaaten. Die Existenz von ethischen Maßstäben sichert noch nicht ihre Umsetzung in den Führungsgremien der Unternehmen. Es braucht auch die Köpfe, die das (Ge-)Wissen in die Unternehmen tragen und sich v.a. in der Welt der Wirtschafts- und Unternehmensethik auskennen.
Ein erster “Bodensatz” an Vereinen, Gruppen und Initiativen hat sich bereits gebildet. Aus der Wirtschaft selbst heraus gründete sich der Ethikverand der deutschen Wirtschaft, der als Anlaufstelle für interessierte Unternehmen fungieren will. Älter und auch größer in ihrem Informationsangebot ist das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik, das sogar mit dem ZfW (Zentrum für Wirtschaftsethik ) ein eigenes Forschungsinstitut vorweisen kann. Für viele Leser von UnternehmensGeist dürfte es hilfreich sein zu hören, dass auch ein studentisches Netzwerk gibt. Anders als die Mehrzahl studentischer Initiativen ist sneep (Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik) national organisiert wie man es von einem “Netzwerk” auch erwarten darf. Die von sneep angebotene Linkliste und eine Auflistung der bekanntesten Informationsquellen sind wirklich sehr umfangreich und erlaubt einen guten Einstieg in dieses hochspannende Thema.
Bleibt ganz nach UnternehmensGeist-Manier nur die Frage: Wer sollte für diesen Job besser geeignet sein als wirtschaftsnahe Geistes- und Sozialwissenschaftler mit einer gehörigen Portion UnternehmensGeist?!
Managermoral nach Malik 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreibenWeil es so schön war und vielen wirtschaftsnahen Geistes- und Sozialwissenschaftlern aus der Seele spricht, hier nochmal der Beitrag von Fredmund Malik aus der ZEIT vom 01.12.2005 zur Managermoral. Die Antwort auf seinen Beitrag von Gunter Tichy sollte danach unbedingt folgen.
Sie denken in Zahlen und glauben nur ans Geld: Warum viele Manager heute versagen
Von Fredmund Malik
Von Ausnahmen abgesehen, fehlt es Managern nicht an Moral, sondern an der richtigen Ausbildung. Wer ein typisches amerikanisch geprägtes Programm zum Master of Business Administration (MBA) absolviert hat, ganz gleich, an welcher Universität, kommt mit den denkbar schlechtesten Voraussetzungen in eine Führungsposition. Kritische Reflexion hat in dieser in den vergangenen Jahren so populären Ausbildung keinen Platz, weil sie weder in den Theorien noch in ihrem didaktischen Vehikel, der Fallstudie, vorkommt. Die Frage, was richtig für die Unternehmen, für Manager und deren Aufgabe ist, wurde zuletzt nicht mehr gestellt; es genügte, dass etwas modern war. Eine ganze Managergeneration wird umlernen müssen.
Kern der Fehlentwicklung sind die beiden größten Irrlehren der Wirtschaftsgeschichte: Shareholder-Value und Wertsteigerung als oberste Zwecke und Ziele eines Unternehmens. In einem makabren globalen Eroberungszug haben diese Irrlehren die Köpfe vieler, vor allem auch jüngerer Führungskräfte erreicht. Nicht weil sie richtig wären – sondern weil sie die einzigen Managementtheorien waren, die auf Englisch verfügbar waren und noch immer sind.
Selbst im deutschsprachigen Raum, der in wichtigen Punkten deutlich Besseres zu bieten hatte und in entscheidenden Aspekten der Unternehmensführung – der Corporate Governance – sehr viel höher entwickelt war, wurden die angelsächsischen Heilslehren bereitwillig übernommen. Die kritische Auseinandersetzung damit haben die Volks- und Betriebswirte in den neunziger Jahren mit wenigen Ausnahmen versäumt. Womöglich waren sie mit der Verbreitung der Irrtümer schon genug ausgelastet.
Nicht die Moral ist defekt, sondern es fehlt das richtige Wissen über Unternehmensführung. Dieser Mangel kann auch durch edelste Moral nicht kompensiert werden. Umgekehrt kann richtiges Managementwissen explizite Moral durchaus entbehrlich machen, weil sie nämlich darin bereits enthalten ist.
Der beste Beweis dafür sind die zahlreichen ausgezeichnet geführten Unternehmen Deutschlands, die immun gegen die amerikanischen Irrlehren waren, weil sie längst gezeigt hatten, dass sie es besser können. Dazu gehören praktisch alle unternehmerisch geführten Firmen, unabhängig von Größe, Branche, Rechtsform, Finanzierung und auch unabhängig davon, ob sie an der Börse gelistet sind oder nicht. Es sind Firmen wie BMW, Porsche, Boehringer Ingelheim, Otto, Würth, Haniel oder Stihl, ein Gutteil des Genossenschaftssektors, wie die Bausparkasse Schwäbisch Hall und viele andere. Ihre Maßstäbe sind kompromisslose Kundenorientierung und Wettbewerbsfähigkeit. In den Medien wird über diesen Unternehmenstyp kaum berichtet, weil er nicht für auflagenträchtige Schlagzeilen taugt. Durch einseitige Berichterstattung entsteht der – falsche – Eindruck, in Deutschland gebe es vorwiegend skandalgeschüttelte und von Managern ohne Moral geführte Firmen.
Ich wage die These, dass kein dauerhaft gut geführtes Unternehmen nach der Doktrin des Shareholder-Value geführt ist. Eine am Shareholder-Value ausgerichtete Unternehmensführung ist der systematische Weg in den Misserfolg. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit.
Der irrige Glaube an die Überlegenheit angelsächsischen Managements hat zu Fehlentwicklungen geführt, die heute als moralische Defizite wahrgenommen werden, aber etwas anderes sind. Diese Art der Unternehmensführung hat Personen an die Spitze großer Unternehmen gebracht, die früher keine Chance gehabt hätten und auch heute in den richtig geführten Unternehmen nicht in Spitzenpositionen sind. Es ist der Typus des geldgetriebenen Menschen, dessen Wirtschafts- und Weltverständnis durch die monetäre Quantifizierbarkeit von Businessplänen limitiert ist. Seine Maxime lautet: Man kann nicht managen, was man nicht quantifizieren kann. Dagegen steht: Management wird dort überhaupt erst gebraucht, wo man nicht mehr quantifizieren kann – und dennoch handeln muss.
Das medial ins Zentrum gerückte und daher als allgemein verbreitet wahrgenommene Phänomen ist materialistische Geldgier. Es gibt solche von Gier getriebenen Menschen, aber sie sind eher selten. Diesen ist Moral entgegenzuhalten, was sie allerdings selten überzeugt, und wenn, dann erst wie Hofmannsthals Jedermann am Ende der Tage.
Geldgetriebenheit ist nicht identisch mit Geldgier. Geldgetriebenheit ist die auf die scheinbar beste, international anerkannte, von Universitäten zertifizierte Ausbildung gestützte Auffassung, dass nur zähle, was in ökonomischen Größen, letztlich Geld, ausgedrückt werden kann. Es ist die durch MBA-Abschlüsse legitimierte Überzeugung, dass es außer monetären keine anderen Werte gebe, zuvorderst in der Wirtschaft, aber wegen deren überragender Bedeutung und scheinbaren Vorbildhaftigkeit und Effizienz auch in den anderen Bereichen der Gesellschaft.
Leben wird von solchen Leuten in Geld gemessen, nicht weil sie un- oder amoralisch sind, sondern weil sie das als ultimative Wahrheit in ihrer Ausbildung so gelernt haben. Sie haben durchaus eine Moral – die Moral des ökonomischen Reduktionismus, der so allerdings von keinem einzigen der echten liberalen Denker vertreten wurde, nicht von Friedrich von Hayek, Ludwig von Mises oder Wilhelm Röpke. Die Begründer des echten Liberalismus, die schottischen Moralphilosophen des 18. Jahrhunderts, waren erklärte Gegner eines solchen ökonomischen Denkens.
Es ist neoliberalem Halbwissen zuzuschreiben, dass die Wirtschaft in ihrem Grundbestand gefährdet wird. Echter Liberalismus verlangt nicht, dass alle Ziele der Wirtschaft unterstellt werden. Was der Liberalismus aber verlangt, ist, dass jeder für seine Handlungen einzustehen hat. Das muss auch für Manager gelten. Zahlreiche Positionen des Liberalismus wurden zuletzt ins Gegenteil verkehrt.
Es ist falsch, den Menschen zu predigen, dass die Marktwirtschaft ein wundervolles System sei. Die Marktwirtschaft ist ein schlechtes System. Das ist es auch, was der täglichen Erfahrung der meisten Menschen entspricht. Sie erleben den Markt als brutal, unbarmherzig, unmenschlich und ungerecht. Führungskräfte sollten die Marktwirtschaft zwar verteidigen, aber nicht lobpreisen. Auch sie wissen, dass die Marktwirtschaft schlecht und ineffizient ist. Sie wissen aber auch, dass alle anderen Systeme noch viel schlechter und ineffizienter sind.
Es ist naiv zu sagen, der Markt werde schon alles richten. Er führt keine wirtschaftliche Leistung herbei, er verhindert keine Fehler, sondern bestraft sie – nachdem sie passiert sind. Um die Schwächen des Marktes zu kompensieren, brauchen wir gut ausgebildete Manager, die Unternehmen nicht auf Aktionärsinteressen und die Maximierung der Gewinne reduzieren. Aber nicht aus moralischen Gründen – sondern weil wirksames Management einer anderen Logik folgen muss.
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Akademische Schöngeister und die Selbstständigkeit 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreibenWohl keine Absolventengruppe der Geisteswissenschaften kommt dem (leider) weitverbreiten Image der verträumten “Schöngeister” näher als die Kunsthistoriker. Doch die Berufsfelder für Absolventen geraten in Bewegung. Wer sagt, dass die Freunde alter Kunst nicht auch in die Selbstständigkeit gehen können? Ein ZEIT-Artikel aus dem Jobbrief (April 2006) zeigt, wie es einigen von ihnen dabei ergangen ist.
Museum war gestern…
… ebenso wie der Traum, in einer Galerie zu arbeiten. Wer Kunstgeschichte studiert hat, sollte sich lieber gleich selbststaendig machen.
Von Sandra Roth
Zurzeit ist die Internet-Seite ihre dringendste Sorge. Ausserdem fehlen noch Flugblaetter und ein guter Steuerberater. Julia Krings schreibt zwar an ihrer Magisterarbeit in Kunstgeschichte, aber meistens sitzt sie nicht in der Bibliothek, sondern kuemmert sich um ihre Zukunft - und die soll “Blickart” heissen.
Julia Krings gruendet eine Agentur, gemeinsam mit drei Kommilitonen. Zusammen wollen sie aussergewoehnliche Kunstfuehrungen anbieten, etwa eine fuer Kindergartenkinder durchs Koelner Museum Ludwig. “Zu riskant”, oder “zu aufwaendig”, das waren die Standardantworten, wenn Julia Mitstudenten von ihrem Plan erzaehlte. “Aber ich wollte das immer schon machen”, sagt die 26-Jaehrige. “Wenn bei einer Fuehrung sechs Knirpse vor mir sitzen und die auf einmal impressionistische Kunst begreifen, auf ihre ganz eigene Art - das ist so schoen, das ist die Muehe wert.” Dafuer hat sie im Studium extra einen Schwerpunkt auf Museumspaedagogik gelegt. Fuer sie steht fest: “Wir versuchen das jetzt einfach.”
Eine eigene Firma zu gruenden ist nicht gerade der typische Weg fuer Julias Fachgebiet Kunstgeschichte - danach wollen viele in einer Galerie arbeiten oder im Kunsthandel. Ein Drittel der Absolventen arbeitet in der Medienbranche, beim Fernsehen oder in einem Verlag. “Viele traeumen von einem Job im Museum”, sagt Julia Krings. “Doch der ist nicht leicht zu kriegen.” Den Einstieg dazu findet man mit einem Praktikum, zum Beispiel in der Pressestelle eines Museums. Wer danach einen Werkvertrag bekommt, hat Glueck. Noch mehr hat, wer eines der begehrten Volontariate ergattert. Ans Museum Ludwig haben gerade 100 Bewerber ihre Unterlagen geschickt - ausgeschrieben war eine Volontariatsstelle. Ein Volontaer kann als Kurator Ausstellungen konzipieren und betreuen oder die Pressearbeit unterstuetzen. Auch in Museen und Galerien gilt, was mittlerweile in vielen Berufen Anfaengern das Leben schwer macht: Festanstellungen sind selten, unbefristete sowieso, freie Mitarbeit die Regel. Oft fuehrt der erste Gang eines Kunsthistorikers nach dem Abschluss zum Arbeitsamt.
Schauen und schauen und schauen
Am Ende satteln viele um. Auch Manuel Andrack, der heute Harald Schmidt die Stichworte liefert, hat Kunstgeschichte studiert. “Wer nicht fuer Kunst brennt, der kann nach dem Studium auch keine mehr sehen”, sagt Krings mit einem Laecheln. Die Studenten setzen sich Malerei, Skulptur und Architekur auseinander. Wichtig heisst dabei nicht schoen oder haesslich, nicht gute oder schlechte Kunst. Warum ist ein Werk typisch fuer eine Epoche? Oder eben nicht? Wie fassten es die Zeitgenossen auf? Wie wir heute? Wichtige Werke gibt es eine Menge. “Du sitzt im Seminar und schaust und schaust und schaust - man lernt unheimlich viel kennen und verstehen”, sagt Krings. Im Hauptstudium kann man Schwerpunkte setzen. Die Wahl der Uni ist dafuer entscheidend. Krings hat mit Mainz, Wien und Bonn drei Hochschulen besucht und festgestellt: “Die Unterschiede sind gewaltig.”
Einige Institute beschaeftigen sich eher mit dem Mittelalter, waehrend andere den Fokus auf das 20. Jahrhundert legen. Die Forschung konzentriert sich an der einen Universitaet vor allem auf die Herkunft von Beutekunst, eine andere wiederum ist fuer ihren Schwerpunkt Denkmalpflege bekannt. Nach dem Studium koennen sich die Absolventen mit Aufbaustudiengaengen spezialisieren, etwa auf Kulturmanagement. Aber auch waehrend des Studiums kann man die Richtung schon vorgeben, mit der Wahl der Nebenfaecher. Kunstgeschichte ist typischerweise ein Magisterstudiengang. Das hat sich auch nach der Umstellung auf Bachelor und Master nicht geaendert - im Moment werden erst zwei Bachelorstudiengaenge angeboten, in Marburg und Greifswald, und nur ein Master in Marburg. Die Wahl der Nebenfaecher setzt Akzente: Der Grossteil der Studenten belegt immer noch traditionell Aeltere Geschichte und Philosophie, aber auch Medienwissenschaften, Neuere Geschichte oder Publizistik sind moeglich.
“Heute wuensche ich mir manchmal, ich haette BWL genommen”, sagt Julia Krings. Vertraege, Gewerbeanmeldung und die Frage, wer bekommt wie viel von den Einnahmen - das ist alles nicht so einfach. Im April wollen die vier in Koeln loslegen. Sie hoffen, irgendwann davon leben zu koennen. Ein Kunstfuehrer verdient zwischen 150 und 250 Euro die Stunde. Das klingt viel, beinhaltet aber auch die Vorbereitung - “und wir werden wohl nicht zehn Fuehrungen am Tag zum gleichen Thema haben”, sagt Krings. “Reich wird man mit Kunstgeschichte nicht - aber man hat ein schoenes Leben.”
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Geschlossene Gesellschaft: Zutritt nur für “Exoten” 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Pressespiegel , einen kommentar schreibenDas muss gefeiert werden: Ganze 100 Artikel gibt es mit diesem Beitrag auf UnternehmensGeist! Während am Anfang eher die Jobchancen von Geistes- und Sozialwissenschaftlern im Mittelpunkt standen, sind im Laufe der Zeit auch andere Wirtschaftsthemen hinzu gekommen. Zum Jubiläum sollte es aber ein Fundstück aus dem Netz geben, das auch in der ersten Stunde online gegangen wäre. Ein Student der HU Berlin bringt die Jobsituation für uns “Exoten” besser zu Papier als ich es ja könnte. Danke an den unbekannten “Exoten”.
Nur für Exoten!
Geisteswissenschaftler und die fachfremde Berufswelt
von Christian
Hochschulanzeiger Nr. 46, Praktikumsbörse. Es sind einige namhafte Unternehmen aufgelistet, die PraktikantInnen für angeblich unterschiedlichste Tätigkeitsbereiche suchen. Interessant ist zunächst nicht die ‘Branche’ oder eine ‘Unternehmensphilosophie’, sondern vielmehr die ‘Zielgruppe nach Fachbereichen’ oder auch das ‘Anforderungsprofil’. Beim Überfliegen dieser Sparten entsteht ein unangenehmer Eindruck: in dieser Börse ist für den Geisteswissenschaftler explizit so gut wie gar nichts ausgeschrieben. Wenn es um einen beruhigenden Gedanken an die beruflich-finanzielle Zukunft geht, müßte man Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaftler sein, ein Wirtschaftsinformatiker auch ohne die Wirtschaft, Mathematiker oder Verfahrenstechniker. Auf dem Studierendenausweis steht aber was von Philosophie und Geschichte, was dem Begriffe nach nicht ohne Umwege mit ‘Wirtschaft’ zu verbinden ist.
Auf den ersten Blick sieht es also für die Geisteswissenschaftler mau aus, wenn sie sich auf die Suche nach fachfremden Berufsfeldern machen. Nirgends ist die Rede von Philosophen, Ethnologen, oder Politologen, da findet sich schon eher mal die Soziologie in den Anforderungsprofilen wieder. Also bleibt nur das Museum, vielleicht ein Platz im Zeitungswesen in einer Redaktion beim Fernsehen. Die Option zu promovieren schwingt gedanklich immer mit, ein Job an der Uni wäre auf jedenfalls nicht verachtenswert. Organisationen für kulturelle Einrichtungen aller Art, also über die Museen hinausgehend, könnten eventuell Interesse haben, möglicherweise fällt auch die Arbeit bei einem Verlag in Betracht. Es sind die beruflichen Inseln der Geisteswissenschaftler, die hiermit gedanklich abgegrast werden, die Wirkungsstätten, die noch eine Verbindung zu den Studieninhalten garantieren. Bei den genannten Branchen könnten wenigstens die Arbeitsmethoden übernommen werden, wenn schon die Inhalte auf der Strecke bleiben müssen, da das allgemeine Bedürfnis an Historikern oder Philosophen in ihrem ursprünglichen Tätigkeitsbereich mehr als gedeckt zu sein scheint. Im Verlag kann man weiter lesen, zu den Texten eine Stellungnahme abgeben und über deren Inhalte sinnieren, wenn auch nicht mehr unbedingt wissenschaftliche Themen im Mittelpunkt stehen. Ähnlich sieht es bei Zeitungen oder im Museum aus. Die Uni aber bleibt die Oase schlechthin.
Wenn das Interesse aber weiterreicht und der Wunsch nach Übernahme auch von fachfremden Aufgaben besteht, dann soll es auch eine Möglichkeit geben in Unternehmen unterzukommen, die laut Hochschulanzeiger nur Wirtschaftler einstellen. Neben der Bereitschaft sich ein neues Fachgebiet, das der Wirtschaftswissenschaft oder ähnliches, in den Grundzügen anzueignen, sollte natürlich eine gute Abschlußnote und ein großes Maß an Schlüsselqualifikationen vorhanden sein. Wenn schon der ursprüngliche Bezug zu Wirtschaftsunternehmen über das Studienfach nicht herzustellen ist, dann müssen den Personalchefs und Verantwortlichen für das Recruting anderweitige Fähigkeiten deutlich gemacht werden. Neben den zahlreichen Schlüsselqualifiaktionen, wie Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewußtsein, Kreativität und Eigeninitiative sind Fremdsprachen- und Computerkenntnisse schon vorausgesetzt. Was für die Unternehmen an Geisteswissenschaftlern interessant werden kann, ist die unterschiedliche Denkungsart im Vergleich mit Wiwis oder Juristen. Ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen wird in den Führungsetagen der Firmen gebraucht, um Zusammenhänge zu überblicken und auf ihren optimalen Ablauf hin zu überprüfen. Durch die erst langsam entstehende Detailkenntnis bezüglich wirtschaftswissenschaftlicher Fragen, wird das Verlieren in Details fast unmöglich. Dafür garantiert das problemorientierte, kritische Denken von Kulturwissenschaftlern oder Historikern einen größeren Überblick oder auch eine schlicht andere Zugangsweise zu den wirtschaftlichen Problemstellungen. Antworten auf wirtschaftliche Fragestellungen können somit aus einer anderen, sehr hilfreichen Perspektive gegeben werden. Nicht die Fachkenntnisse von Geisteswissenschaftlern sind für die Unternehmen von Interessen, sondern deren Denkweisen und Methoden bei der Lösung von Aufgaben.
Mit dem Bewußtsein um diese Qualifikationen kann man auch den Wirtschaftswissenschaftlern oder Informatikern, den Verfahrenstechnikern oder Ingenieuren bei einer Bewerbung um einen Praktikumsplatz die Stirn bieten.
Denn ‘…auch andere Akademiker wie zum Beispiel Informatiker, Pädagogen, Soziologen, Politologen und Historiker haben inzwischen gute bis sehr gute Chancen in der Wirtschaft als Quereinsteiger. Auch sie finden ihre berufliche Heimat immer häufiger in einem Wirtschaftsunternehmen.’ (zitiert nach Karriere Guide, Verlagsgrupe Handelsblatt, DM- Redaktion, Januar 2000)
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Wirtschaftsbuchpreis 2006: Philosophisches zum Thema Management 1. Januar 1970
Veröffentlicht von Frank Walzel in : Wirtschaftsethik , 2kommentareEs lohnt immer wieder in den Buchhandlungen auch mal einen Blick in die Ecke der Wirtschaftsbüher zu werfen. Mitunter finden sich dort abseits der vielen Management-by-Cowboy/Moses/Babysitter-Bücher einige Exemplare, die dem Leser einen neuen Blick auf Bekanntes erlauben, indem sie provozieren und ein wenig unbequem daherkommen. So ist es auch mit dem Preis für das beste Wirtschaftsbuch 2006 in der Kategorie Management: “Lean Brain Management” von Gunther Dueck. Die Initiatoren des Preises, die FTD und das Portal getAbstract schreiben dazu:
Der Preis in der Kategorie “Management” geht an den philosophischen Querdenker Gunter Dueck für “Lean Brain Management”. Sein Buch ist eine ebenso geistreiche wie bissige Abrechnung mit dem Hang der Managerkaste zum Sparen - koste es, was es wolle. “Was können wir noch einsparen?” fragt Dueck und gibt selbst die Antwort: “Intelligenz ist sehr teuer!” Alle Denkverbote ignorierend beschreitet Dueck einen Weg, der zeigt, wie Unternehmen “mit null Hirn zum Erfolg” finden. Duecks Buch kann je nach Gusto als bitterböser Kommentar zur Ökonomisierung der Welt, als Anklage gegen die gedankenlose Vergeudung menschlicher Fähigkeiten oder als Schlusspunkt aller Managementmoden gelesen werden.
Obwohl Inhalt und Titel vermuten lassen, dass es sich beim Autor entweder um einen wirtschaftsnahen Philosophen oder einen philosophienahen Betriebswirt handelt, liegt man bei Beidem falsch. Gunther Dueck ist ausgebildeter Mathematiker (wie der Blick auf seine Vita zeigt)! Ich finde: Gerade dadurch gewinnt seine Kritik an der zahlenorientierten Sparwut in den Unternehmen enorm an Glaubwürdigkeit. Ein “Philosoph” hätte es nicht besser machen können.